24.06.2008 · Vor Somalia ist offenbar wieder ein Schiff von Piraten überfallen worden. Drei Deutsche und ein Franzose sollen entführt worden sein. Der Segler und Autor Klaus Hympendahl über Piraten und wie man sich schützen kann.
Klaus Hympendahl, Segler und Autor, betreibt ein Internetportal für Segler, dass vor Überfällen in bestimten Regionen warnt. Im F.A.Z.-Gespräch spricht er über grobe Fahrlässigkeit und was die Deutsche Marine tun könnte.
Herr Hympendahl, vor Somalia wurde abermals ein Schiff überfallen, vier Segler wurden verschleppt. Warum ist diese Gegend so gefährlich?
Segeln vor Somalia, Venezuela und noch einigen anderen Gebieten gilt derzeit als riskant. Besonders gefährlich ist Somalia, da die Piraten dort gut organisiert sind und es auf Geiseln abgesehen haben. Auf den Philippinen etwa werden Schiffe überfallen, und die Räuber nehmen Geld, Schmuck und Ausrüstung mit. Die Banden in Somalia wollen jedoch Lösegeld erpressen, was ihnen in den vergangenen Monaten ja mehrmals gelungen ist. Die Clanchefs stehen an Land, sehen die fette Beute vorbeischwimmen und greifen zu.
Sie betreiben im Internet ein Portal für Segler und sammeln Erfahrungsberichte von Überfallenen. Wie gehen die somalischen Banden genau vor?
Früher sind die Piraten einfach mit ihren Schnellbooten von der Küste losgefahren, wenn eine Yacht vorbeisegelte. Heute sind sie mit Navigationsgeräten ausgerüstet und operieren von einem Mutterschiff aus, das mit Radar die Schiffe ortet. In einem Schnellboot sitzen vier bis sechs maskierte Personen, die meist mit AK-47 oder Kalaschnikows bewaffnet sind. Die Geiseln werden an Land gebracht - sich zu wehren ist zwecklos. Meist beginnen dann auch recht schnell die Verhandlungen über das Lösegeld.
Es heißt, die Segler, die überfallen wurden, seien in Küstennähe unterwegs gewesen, um Fotos zu machen . . .
Wenn das so stimmt, hat der Kapitän grob fahrlässig gehandelt. Jeder Seemann weiß, dass man gerade diese Küste meiden muss. Es wird ein Abstand von 100 Seemeilen empfohlen. Schlimm ist, dass sich trotz der vielen Überfälle immer noch Kapitäne nicht an diese Regel halten. Einige wollen auf ihrem Weg ins Rote Meer ein bisschen abkürzen und damit Zeit und Diesel sparen.
Sie haben selbst die Welt umsegelt. Wie können sich Segler schützen?
Der beste Schutz ist natürlich, die gefährlichen Gewässer zu meiden. Unter Seglern wird viel diskutiert, ob man eine Waffe an Bord haben sollte. Das ist aber nur sinnvoll, wenn man die Waffe auch blind bedienen kann. Ich habe mehr als 100 Überfälle untersucht. In den seltensten Fällen konnten die Piraten mit einer Waffe vertrieben werden. Viel wichtiger ist es, dass man mit den Piraten spricht und versucht sie zu beruhigen. Ein Griff nach einer im Schrank versteckten Waffe oder ein Versuch, sich zu verstecken, kann tödlich enden.
Was könnte die Deutsche Marine vor Somalia tun?
Die Marine ist sehr gut ausgerüstet. Sie sollte nicht nur Präsenz zeigen, sondern auch eingreifen und auch mal einen Warnschuss abfeuern, wie es die Franzosen vormachen.