15.02.2012 · Unter steigenden Packungspreisen greifen immer mehr Raucher zu unversteuerten Zigaretten. Die Industrie ächzt indes unter der illegalen Konkurrenz, dem Bund entgehen Milliarden.
Raucher in Deutschland greifen zunehmend zu illegalen Billigzigaretten aus dem Ausland und verursachen damit einen Milliardenschaden. Im vergangenen Jahr war mehr als jeder fünfte Glimmstängel unversteuert. In Berlin war es gar jede zweite Zigarette, berichtete der Deutsche Zigarettenverband (DZV) am Mittwoch in Berlin. Das habe auch mit steigenden Packungspreisen zu tun.
Der Handel mit geschmuggelten und gefälschten Zigaretten habe 2011 einen Schaden in Höhe von 5,5 Milliarden Euro für Staat und Wirtschaft verursacht, sagte DZV-Geschäftsführerin Marianne Tritz. Den Großteil musste der Bund verkraften: Ihm entgingen 4,2 Milliarden Euro an Steuereinnahmen.
Nach Hochrechnungen des Marktforschungsinstitut Ipsos im Auftrag des DZV konsumierten Raucher 23,5 Milliarden Zigaretten, ohne dafür Steuern zu zahlen. Das sind 1,5 Milliarden Stück mehr als 2010. Vor allem aus den Ost-EU-Staaten käme immer mehr Ware illegal nach Deutschland, sagte Tritz. „Wir vermuten, dass der massiv verbesserte Schutz der EU-Außengrenzen dazu führt, dass sich Zigarettenschmuggler auf den illegalen Transfer innerhalb der EU fokussieren.“ 2011 waren es 19,9 Milliarden Stück und damit 2,3 Milliarden mehr als 2010.
Bemerkbar machte sich der EU-Binnenschmuggel hierzulande besonders in den östlichen Bundesländern. Im Schnitt war hier fast jeder zweite Glimmstängel (47,6 Prozent) unversteuert – im ersten Jahr der Erhebung 2005 waren es noch 30,6 Prozent. Im Westen wiesen im vergangenen Jahr indes nur 14,5 Prozent der Packungen keine Steuerbanderole auf. Dabei stand Bayern mit mehr als einem Viertel (27,4 Prozent) an illegalen Zigaretten an erster Stelle.
Dass immer mehr unversteuerte – und damit erheblich günstigere – Zigaretten geraucht würden, habe auch mit den steigenden Preisen zu tun, sagte Tritz. Erst zum Jahreswechsel verteuerten sich die Packungspreise um bis zu zehn Cent. Die Wirkung blieb nicht aus: In den vergangenen zehn Jahren ging der Verkauf versteuerter Zigaretten von 145 Milliarden auf 83 Milliarden Stück pro Jahr zurück.
Experten monieren ein fehlendes Unrechtsbewusstsein. „Hier spielt auch die persönliche finanzielle Lage eine Rolle“, sagt Norbert Scheithauer vom Zoll Berlin-Brandenburg. In den einkommensschwächeren Gegenden griffen deutlich mehr Menschen zur illegalen Zigarette. Zu einem wahren Kassenschlager hat sich indes die eigentlich hierzulande nicht erhältliche Marke Jin Ling gemausert. Die hellgelben Packungen werden legal im fernen russischen Kaliningrad hergestellt. Nicht legal ist der Verkauf auf deutschen Straßen für zwei bis drei Euro je Schachtel - etwa in Berlin. Laut „Tagesspiegel“ liegt die Gewinnmarge in Berlin bei 1250 Prozent.
Die Tabakunternehmen müssen indes meist machtlos zusehen. So beschäftigen sie zwar eigene Sicherheitsdienste, die kriminellen Banden nachspüren - „zugreifen“ dürfen sie aber nicht. Oftmals hapere es an der Kommunikation mit den Behörden, meint DZV-Chefin Tritz. Eine der zentralen Forderungen der Branche sei darum der bessere Informationsaustausch mit den Strafverfolgern.
Letztlich sollten aber auch Straßenverkäufer konsequenter verfolgt werden, so die Branchenforderung. Vorstellbar seien Ordnungsgelder für Händler und Käufer, die noch vor Ort verhängt werden. „Das muss man sich wie bei einem Ticket fürs Falschparkens vorstellen“, so
Tritz. Seit zwei Jahren sei man unter anderem dazu mit der Politik im Austausch. Gebracht haben die Gespräche bislang noch nichts.
Lächerlich
Jürgen Meier (jm0001)
- 17.02.2012, 19:18 Uhr
Ja der Jammer waere dann noch vieeel groesser!
ineke jansen (1ineke)
- 15.02.2012, 19:09 Uhr
Wer unversteuerte Zigaretten raucht...
Ronald Schlimm (ronslim)
- 15.02.2012, 18:55 Uhr
Kein Mitleid
Peter Bayer (Seismograph)
- 15.02.2012, 18:29 Uhr
Die Nichtraucher
Peter Hunziker (nachdenklicher)
- 15.02.2012, 17:08 Uhr