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Veröffentlicht: 14.08.2015, 16:05 Uhr

Kriminalität im Darknet Illegaler Drogenhandel im Internet floriert

2013 nahm das FBI die Drogen-Plattform „Silk Road“ vom Netz. Dem illegalen Online-Handel mit Kokain und Ecstasy tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil: Der Markt im Darknet wächst.

von Thilo Neumann
© dpa 28 Gramm Speed frei Haus: Die Online-Plattform „Silk Road 2.0“, Nachfolger von „Silk Road“, wurde im November 2014 abgeschaltet.

FBI und Europol sind ihnen auf den Fersen, doch das Geschäft floriert weiter: Mehr als 100 Millionen Dollar Umsatz generieren die größten Online-Plattformen für illegalen Drogenhandel pro Jahr. Zu diesem Ergebnis kommen Nicolas Christin und Kyle Soska von der Carnegie Mellon University im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania. Die Forscher betrachteten dafür in einer Studie über knapp zwei Jahre die Verkaufszahlen von 35 Plattformen im sogenannten Darknet, auf denen Drogenhandel und andere kriminelle Geschäfte abgewickelt werden. Demnach bringen die krummen Geschäfte den Betreibern der Webseiten pro Tag Einkünfte zwischen 300.000 und 500.000 Dollar ein.

Das Darknet ist Teil des Deep Web, also von jenen Webseiten, die nicht von Suchmaschinen wie Google indexiert und somit auch nicht über herkömmliche Wege für Internetnutzer zu erreichen sind. Möchte man eine Seite des Deep Web ansteuern, muss das Programm „Tor“ verwendet werden; eine Verschlüsselungssoftware, mit der man sich anonym im Netz bewegen kann. Unerkannt können Nutzer so auch ins Darknet gelangen – auf Webseiten mit kriminellen Inhalten wie Kinderpornographie oder Plattformen für Waffen- und Drogenhandel.

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Der bislang größte Schlag gegen die illegalen Machenschaften gelang dem FBI im Oktober 2013, als die Ermittler Ross Ulbricht, den Betreiber der größten Darknet-Plattform „Silk Road“, verhafteten und die Webseite abschalteten. Ulbricht wurde im Mai in New York zu zweimal lebenslänglich plus 30 Jahren Haft verurteilt, er wird den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen. Doch die erhoffte Abschreckung blieb aus, im Gegenteil: Die Verkaufszahlen im Darknet steigen, wie die amerikanischen IT-Wissenschaftler in ihrer Studie aufzeigen.

Vielzahl an Anbietern erschwert Ermittlungsarbeit

„BlackBank“, „Tor Bazaar“ oder „The Pirate Shop“ heißen die Webseiten in den Tiefen des Internets, deren Daten Christin und Soska mit Hilfe einer selbst programmierten Software durchsucht und analysiert haben. Anhand der Verkaufspreise für Drogen – die Bandbreite reicht von Marihuana bis Kokain – sowie der Masse an Käuferfeedback konnten sie Verkaufszahlen und Trends ableiten. Dabei stellten sie fest, dass die meisten Plattformen nur geringe Absatzvolumina aufwiesen. „Etwa 70 Prozent der Anbieter verkauften in dem Untersuchungszeitraum Drogen für weniger als 1.000 Dollar“, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Ein Problem für die Ermittlungsbehörden, denn: Je mehr Anbieter sich auf dem Markt tummeln, desto schwieriger wird es, die illegalen Geschäfte zu unterbinden.

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Als beliebteste Drogen kristallisierten sich Marihuana und Ecstasy heraus, die laut Studie mehr als die Hälfte aller Schwarzmarkt-Transaktionen ausmachen. Während der Absatz von Kokain in den vergangenen zwei Jahren rückläufig sei, steige die Nachfrage nach verschreibungspflichtigen Medikamenten an. Bezahlt wird mit Bitcoins, einem elektronischen Währungssystem. Eine Sicherheitslücke bei dem Programm soll 2013 zur Ergreifung des Silk-Road-Betreibers Ulbricht geführt haben.

Christin und Soska bezweifeln, dass die Ermittlungsbehörden beim Kampf gegen illegalen Drogenhandel langfristig Erfolg haben werden. „In Anbetracht der hohen Nachfrage wird das Abschalten einzelner Seiten nicht den erwünschten Effekt haben“, heißt es in der Studie. „Zumindest haben wir dafür keine Anhaltspunkte gefunden.“

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