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Veröffentlicht: 21.04.2017, 18:05 Uhr

Anschlag auf BVB-Bus Um 5.30 Uhr klingelte die GSG 9

Der Mann, der den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübte, hat die Tat sorgfältig geplant – und doch viele Fehler gemacht. Am Nachmittag wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen.

von , Rottenburg/ Freudenstadt und , Düsseldorf
© dpa Polizeieinsatz in Rottenburg am Neckar zur Festnahme des Täters im Fall des Sprengstoffanschlags auf den BVB-Mannschaftsbus

Die Einheit der GSG 9 der Bundespolizei kam gegen 5.30 Uhr in den Rottenburger Fasanenweg. Es ist ein gutes Wohnviertel in der baden-württembergischen Kleinstadt südlich von Tübingen, der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart wohnt nicht weit entfernt. Die Spezialeinsatzkräfte drangen zunächst in ein langgestrecktes Haus mit blauen Fensterrahmen ein.

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Am Briefkasten stehen elf Namen einer türkischstämmigen Großfamilie. Der 18 Jahre alte Murat und sein Onkel waren schon wach. „Die waren aggressiv, die haben nach einem Sergej gefragt, entschuldigt haben sie sich auch nicht“, sagt Murat. GSG-9-Beamte haben für Höflichkeitsgesten keine Zeit, wenn es darum geht, den Attentäter auf den Mannschaftsbus des BVB festzunehmen. Zum Missfallen der Generalbundesanwaltschaft hatte auch schon ein großes Boulevardblatt von der großangelegten Fahndungsaktion des Bundeskriminalamtes Wind bekommen. Beim Zugriff hatten die Fotografen die Teleobjektive schon ausgepackt.

Den mutmaßlichen Attentäter trafen die GSG-9-Beamten dann in Haus Nummer 5 an. Der 28 Jahre alte Mann ist nicht in Rottenburg gemeldet. Er hatte sich in dem gut sanierten Zweifamilienhaus offenbar ein Zimmer gemietet. Im Erdgeschoss wohnt eine junge Frau, sie will mit dem Mann nichts zu tun gehabt haben. Das Gerücht, sie sei auch Russlanddeutsche, erweist sich als falsch. In der Wohngegend verdienen sich viele Familien mit Airbnb etwas dazu. Deshalb kennt im Fasanenweg auch kaum jemand Sergej W. Ein paar Jungs wollen ihn mal auf dem Sportplatz gesehen haben. Andere wiederum berichten, dass sein rotes Auto öfter vor dem Haus gestanden habe.

Der Anschlag in Dortmund Verlauf des Anschlags in Dortmund © F.A.Z. Interaktiv 

Verhaftet wird der Mann mit einem deutschen und einem russischen Pass auch nicht in Rottenburg, sondern offenbar auf dem Gelände eines Heizkraftwerks in Tübingen, wo er als Elektrotechniker gearbeitet haben soll. Am Nachmittag wurden gegen den Mann Haftbefehl erlassen. Er sitzt nun in Untersuchungshaft.

Die Tat ist ein in der deutschen Kriminalgeschichte neues Phänomen, das eher an einen Plot aus der Kriminalliteratur erinnert. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger spricht am Freitagnachmittag von einer bisher noch nicht gesehenen „außerordentlichen Motivlage“. Nach Erkenntnissen der Ermittler verfolgte der mutmaßliche BVB-Attentäter, anders als zunächst angenommen, keine extremistischen Motive. Vielmehr wollte der Russlanddeutsche allem Anschein nach aus reiner Gier möglichst viele Spieler und Betreuer des BVB töten, als sie am Abend des 11. April von ihrem Mannschaftshotel „L’Arrivée“ zum Champions-League-Heimspiel gegen den AS Monaco aufbrachen.

Der Täter plante sein Vorgehen minutiös

Sein Plan: Nach einem infernalischen Anschlag auf die Mannschaft würde der Kurs des einzigen am Aktienmarkt notierten deutschen Bundesligavereins massiv einbrechen. Eben darauf hatte er mit einem Put-Optionsschein wenige Stunden vor der Tat gewettet – und mit einem fetten Gewinn gerechnet.

Sergej W. plante seine Tat minutiös: Der Elektrotechniker kundschaftete die Abläufe der Mannschaft vor einem Spiel aus und konstruierte drei aufwendige Sprengsätze, die er am Abend des 11. April laut Bundesanwaltschaft „zeitlich optimal“ separat voneinander per Funk zündete. Es war eine regelrechte Sprengfalle, wie man sie sonst eher von Terrormilizen oder Guerrillakämpfern kennt.

© reuters Erleichterung nach Festnahme des mutmaßlichen BVB-Attentäters

Unter anderem weil einer der Sprengsätze nicht seine volle Wirkung entfaltete und der Bus die Sprengfalle zum Zeitpunkt der Detonationen zudem schon weitgehend passiert hatte, kam es aber nicht zu dem von W. geplanten großen Blutvergießen. Am Tatort hinterließ W. drei gleichlautende Bekennerschreiben, mit denen er den Eindruck erweckte, es handle sich um den Beginn einer dschihadistischen Anschlagsserie.

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