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Haftstrafe : Kinderpfleger wegen Missbrauchs verurteilt

  • Aktualisiert am

Mit Kapuze: der Angeklagte vor der Urteilsverkündung Bild: dpa

Ein Kinderkrankenpfleger, der sich an jungen Patientinnen verging, muss neuneinhalb Jahre in Haft und kommt in die Psychiatrie. Das Gericht verhängte ein Berufsverbot gegen den Mann.

          Ein Kinderkrankenpfleger kommt wegen des sexuellen Missbrauchs von Mädchen im Klinikum Hildesheim in eine Psychiatrie. Das Landgericht verurteilte den 36 Jahre alten Mann am Montag wegen Vergewaltigung, schweren Missbrauchs und Körperverletzung zudem zu neuneinhalb Jahren Haft. Außerdem wurde ein lebenslanges Berufsverbot verhängt. „Er hat die Vertrauensstellung, die er gegenüber allen Opfern hatte, aufs Gröbste missbraucht“, sagte der Vorsitzende Richter, Volker Heckemüller.

          Zu dem nächtlichen Missbrauch der Patientinnen auf der Kinderstation in Niedersachsen - nachdem er sie betäubt hatte - kamen Übergriffe des Pflegers auf junge Frauen, die er nach dem Kennenlernen in einer Disco meist bei sich zu Hause betäubte, um sich an ihnen zu vergehen. Dabei gab er vor, für medizinische Zwecke Blut abnehmen zu wollen. Nach Urteil des Gerichts ist der Mann wegen einer sexuellen Störung vermindert schuldfähig. Zugleich bestehe eine beträchtliche Rückfallgefahr.

          Der Pfleger hatte zu Prozessbeginn alle 20 Taten im Zeitraum zwischen 2009 und 2013 gestanden. Die Anklage hatte zwölf Jahre Haft und eine Psychiatrieunterbringung, die Verteidigung neun Jahre Haft und ebenfalls eine Therapie in einer psychiatrischen Einrichtung gefordert. Nach dem Urteil verzichteten der Pfleger und die Nebenklage auf eine Berufung.

          Die Ermittler waren dem Serien-Sextäter auf die Spur gekommen, weil er die Übergriffe gefilmt und fotografiert hatte. Die Polizei hatten das Material gefunden, als sie die Wohnung des Mannes in einem anderen Verfahren durchsucht hatte.

          „Wir haben feststellen müssen, dass die Opfer auch heute noch massiv unter den Taten leiden“, sagte der Richter. „Spätfolgen sind zu erwarten, auch bei denen, die noch nicht wissen, dass sie Opfer waren.“ Nicht alle Mädchen nämlich konnten bislang identifiziert werden, da der Täter die Gesichter der betäubten Patientinnen oftmals mit Tüchern abdeckte. Da das Betäubungsmittel zu einem Gedächtnisverlust führte, wussten auch die jungen Frauen nachher nicht, was der Pfleger ihnen angetan hatte. Eine von ihnen leide unter Schlafstörungen sowie Alpträumen und wolle sich einer Traumatherapie unterziehen, sagte Heckemüller.

          Die Aufdeckung der Taten Anfang des Jahres hatte überregional Entsetzen ausgelöst. Das Klinikum Hildesheim hatte nach der Festnahme des Pflegers einen Krisenstab gebildet und ein Notfalltelefon eingerichtet. Inzwischen arbeiten in dem Krankenhaus immer zwei Pflegekräfte gemeinsam in der Nachtschicht. Der Angeklagte hatte mehrfach den Nachtdienst allein auf der Station ausgenutzt, um Patientinnen Betäubungsmittel zu geben und sie zu missbrauchen.

          Quelle: DPA

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