In der vor vier Tagen gestürmten Haftanstalt in Faijanes, etwa 25 Kilometer von Guatemala-Stadt gelegen, herrschten unglaubliche Zustände. Das Gefängnis wurde über zehn Jahre hinweg von den Häftlingen kontrolliert - und zwar mit dem Wissen der Behörden.
Darüber hinaus wurden offensichtlich von den „Machthabern“ Mithäftlinge mit Folter gefügig gemacht. Möglicherweise seien Mitinsassen auch getötet, deren Leichen verbrannt und auf dem Gefängnisgelände begraben wurden, teilten die Behörden des Landes am Freitag mit. Erst 3000 schwer bewaffneten Soldaten und Polizisten war es am Montag gelungen, die Gewalt über die Haftanstalt Pavón am Rande der Ortschaft zurückzugewinnen.
Restaurants, Kirchen, Drogenlabore
Pavón war seit 1996 in der Hand eines Gefangenen-Komitees, das auf dem Gelände der Anstalt regelrecht eine eigene kleine Stadt errichtet hatte. Es gab Restaurants, Kirchen und Labore zur Drogenproduktion. Die Gefangenen hatten einen Pakt mit den Justizbehörden des mittelamerikanischen Landes geschlossen. Die Behörden hatten das Gefängnis lediglich von außen überwacht. Drogenbanden hatte jedoch mehr und mehr Einfluß gewonnen und das Gefangenen-Komitee zuletzt mit rund 60.000 Euro bestochen.