http://www.faz.net/-gum-75iqo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Best Ager - Für Senioren und Angehörige

Veröffentlicht: 04.01.2013, 18:54 Uhr

Gruppenvergewaltigung in Indien „Ich zittere vor Qualen“

Drei Wochen nach der Tat äußert sich der Freund der 23 Jahre alten Inderin, die in Neu Delhi nach einer Gruppenvergewaltigung starb, über die Tat. Nach seinen Aussagen kam niemand zu Hilfe. Auch der Polizei wirft der Mann Versäumnisse vor.

© AFP Die Tat löste in Indien Empörung und Entsetzen aus und führte zu einer heftigen Debatte über sexuelle Gewalt

Der Freund der nach einer Gruppenvergewaltigung gestorbenen 23-jährigen Inderin hat sich knapp drei Wochen nach der Tat erstmals öffentlich geäußert. „Ich habe zuerst gegen die Männer zu kämpfen versucht und sie später immer wieder angefleht, sie in Ruhe zu lassen“, sagte der junge Mann am Freitag telefonisch der Nachrichtenagentur AFP.

„Die Grausamkeit, die ich gesehen habe, hätte niemand jemals sehen dürfen“, ergänzte der 28-Jährige, der sich in der Stadt Gorakhpur im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh befand.

Mehr zum Thema

Die Medizinstudentin war am 16. Dezember in Neu Delhi bei der Rückkehr von einem Kinobesuch mit ihrem Freund in einem Bus von sechs Männern vergewaltigt, mit einer Eisenstange traktiert und schließlich aus dem fahrenden Bus geworfen worden. Sie wurde so schwer verletzt, dass sie vor einer Woche starb.

Ihr Freund, der verprügelt und ebenfalls aus dem Fahrzeug geworfen wurde, erlitt einen Beinbruch und weitere Verletzungen. Die Tat löste in Indien Empörung und Entsetzen aus und führte zu einer heftigen Debatte über sexuelle Gewalt.

„Mich haben sie wie eine Sache behandelt“

Dem Freund zufolge kam niemand zu Hilfe, als beide nach ihrer einstündigen Tortur verletzt auf der Straße lagen. „Ein Passant hat uns gefunden, aber meiner Freundin nicht einmal seine Jacke gegeben, wir haben auf Rettung durch die Polizei gewartet“, sagte er AFP.

Auch dieser warf der Mann Versäumnisse vor. Seine Freundin sei in eine Klinik gebracht worden, wo auf ihren mentalen Zustand keine Rücksicht genommen worden sei. „Mich haben sie wie eine Sache behandelt, sie wollten den Fall lösen, noch bevor ich behandelt wurde“, sagte der Mann.

© reuters, Reuters Indien trauert um Vergewaltigungsopfer

Zum Hergang des brutalen Zwischenfalls sagte der 28-Jährige, er habe den Bus zunächst gar nicht besteigen wollen. „Aber meine Freundin war spät dran, und so sind wir eingestiegen, was der schwerste Fehler war - danach lief alles außer Kontrolle“, führte er aus.

Der Fahrer des Busses habe als erster lüsterne Bemerkungen von sich gegeben, später hätten die anderen fünf Vergewaltiger eingestimmt. Er habe dann verlangt, den Bus anzuhalten, doch die Männer hätten daraufhin die beiden Türen verriegelt, sagte der Freund.

„Ich kann gar nicht sagen, was ich fühle“

„Sie haben mich mit einem Knüppel geschlagen und meine Freundin zu einem Sitz nahe der Fahrerkabine gezerrt“, sagte der junge Mann. Dort hätten die sechs Männer die Freundin „vergewaltigt und auf die schlimmstmöglichen Arten an den intimsten Stellen des Körpers geschlagen“.

„Ich kann gar nicht sagen, was ich fühle, wenn ich daran denke“, sagte der Freund. „Ich zittere vor Qualen“, fügte er hinzu. Gegen fünf Täter war am Donnerstag Mordanklage erhoben worden. Der sechste soll noch minderjährig sein und könnte vor ein Jugendgericht kommen.

Quelle: FAZ.NET/AFP

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Gewalt gegen Frauen Ich fürchte mich nicht

Frauen in Russland, Weißrussland und der Ukraine reden im Internet über Erfahrungen mit sexueller Gewalt. Die orthodoxe Kirche hat etwas dagegen. Mehr Von Kerstin Holm

19.07.2016, 13:41 Uhr | Feuilleton
Heftige Regenfälle Monsun setzt Teile Indiens unter Wasser

Heftige Regenfälle haben in Teilen Indiens Straßen unter Wasser gesetzt. In mehreren Orten im Bundesstaat Assam kam das öffentliche Leben durch die Wassermassen zum Erliegen. Die Regenfälle des Monsuns gelten den mehr als 260 Millionen Landwirten in Indien als Segen, für viele Millionen Inder aber bedeuten sie den Verlust von Hab und Gut. Mehr

21.07.2016, 09:32 Uhr | Gesellschaft
Fahrgäste in Panik Junger Mann zückt Messer in Zug

Nur wenige Tage nach dem Axt-Attentat in Würzburg und dem Amoklauf in München hat ein bewaffneter Angreifer in Norddeutschland Panik ausgelöst. Doch seine Angriffsversuche endeten glimpflich. Mehr

24.07.2016, 11:57 Uhr | Gesellschaft
Staatsanwaltschaft Bamberg Erste Ermittlungsergebnisse nach der Axt-Attacke bei Würzburg

Die Staatsanwaltschaft Bamberg hat am Dienstag erste Ermittlungsergebnisse nach der Axt-Attacke bei Würzburg präsentiert. Ein 17-jähriger Afghane hatte in der Nacht zu Dienstag in einem Regionalzug mehrere Menschen mit einer Axt und einem Messer zum Teil schwer verletzt. Er ist durch Schüsse der Polizei gestorben. Mehr

20.07.2016, 08:45 Uhr | Politik
Kirchheim/Teck Sexuelle Übergriffe im Freibad

Im städtischen Freibad einer baden-württembergischen Kleinstadt haben Flüchtlinge Mädchen und Frauen sexuell belästigt. Die Stadt will jetzt einen privaten Sicherheitsdienst einsetzen. Mehr Von Rüdiger Soldt

22.07.2016, 17:08 Uhr | Gesellschaft

AfD-Vorsitzende Frauke Petry ist geschieden

Frauke Petry hat sich auch offiziell von ihrem Ex-Mann getrennt, Andrea Berg muss wegen ihrer Verbrennungen weiter behandelt werden, und Amber Heard hat sich einen millionenschweren Unternehmer geangelt – der Smalltalk. Mehr 6

Frankfurter Allgemeine Stil auf Facebook
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden