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Mehr als 100 Festnahmen : Bande schickte Transsexuelle in Bordell-Netzwerk

Razzia im Rotlichtmilieu: Polizisten überprüfen die Personalien einer Frau. Bild: dpa

Ein Paar soll von Siegen aus ein Netzwerk aufgebaut haben, um thailändische Transsexuelle als Prostituierte auszubeuten. Die Spur führt auch in hessische Bordelle. In Hanau liegt sogar der Ausgangspunkt der Polizeiaktion.

          Es war noch früh am Mittwochmorgen, als gleichzeitig 1500 Bundespolizisten mehr als 60 Bordelle, Massagesalons und Wohnungen in zwölf Bundesländern durchsuchten. Regionale Schwerpunkte waren Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen und Baden-Württemberg. Mit ihrer bisher größten Razzia ging die Bundespolizei gegen ein Netz vor, dem Zwangsprostitution, Zuhälterei, gewerbsmäßiges Einschleusen von Ausländern, Sozialbetrug, Steuerhinterziehung sowie das Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt vorgeworfen wird. Zum harten Kern der Gruppierung zählen 17 Männer und Frauen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hauptbeschuldigte sind eine 59 Jahre alte Thailänderin und ihr drei Jahre älterer deutscher Lebensgefährte. Einsatzkräfte nahmen sie am Mittwochmorgen in ihrem Wohnort Siegen fest. Zudem wurden Haftbefehle gegen fünf weitere Personen vollstreckt. Gemeinsam mit diesen Komplizen soll das Paar ein Netz aufgebaut haben, mit dem sie thailändische Frauen und Transsexuelle auch in Bordelle in Deutschland schleusten; bisher wurden 32 Personen ausfindig gemacht.

          Der Razzia waren lange Ermittlungen vorausgegangen. Schon seit Anfang 2017 hatten die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und die Bundespolizei die insgesamt 54 Beschuldigten im Alter zwischen 26 und 66 Jahren im Blick. Weil Teile des Netzes als überaus gewalttätig eingeschätzt wurden, standen sicherheitshalber auch Kräfte der GSG 9 bereit. Allerdings sei ihr Einsatz nicht nötig gewesen, man sei nicht auf Widerstand gestoßen, hieß es aus Sicherheitskreisen.
          Nach den bisherigen Erkenntnissen bauten die beiden Hauptbeschuldigten über Jahre eine Organisation auf, um thailändische Prostituierte in Deutschland arbeiten zu lassen und sie auszubeuten. Komplizen sollen diese in der Heimat angeworben haben; ausgestattet mit erschlichenen Touristen-Visa seien sie dann nach Deutschland geflogen. Bei der Razzia am Mittwoch traf die Bundespolizei insgesamt 82 Personen an, die sich illegal in Deutschland aufhalten; sie wurden den jeweiligen Landespolizeidienststellen übergeben.

          Größte Razzia : Bundesweiter Einsatz gegen organisierte Kriminalität

          Zentrum des Netzes waren nach den bisherigen Ermittlungen die drei Bordelle der Hauptbeschuldigten in Siegen. Von hier aus seien die Prostituierten in einer Art Rotationsprinzip nahezu im gesamten Bundesgebiet in Bordellen eingesetzt worden. Ihre Einkünfte mussten sie laut Generalstaatsanwaltschaft nahezu komplett der mutmaßlichen Chefin des Rings überlassen. Damit sollten die Kosten zwischen 16000 und 36.000 Euro, die angeblich durch die Schleusung nach Deutschland sowie für Miete und Verpflegung entstanden seien, ausgeglichen werden. Zumindest darüber hätten die Beschuldigten die in Thailand angeworbenen Opfer getäuscht, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Alexander Badle, am Mittwoch in Frankfurt. Es habe sich um eine Art Schneeballsystem gehandelt. Den Prostituierten seien bei einer Tätigkeit in Deutschland Gewinnversprechen gemacht worden, profitiert hätten dann aber vor allem die Drahtzieher. Nach bisherigen Erkenntnissen hätten die Opfer gewusst, dass sie in Deutschland im Sexgewerbe arbeiten würden. „Das hat man ihnen nicht verheimlicht, sie sind aber über die Konditionen getäuscht worden.“

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