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Gefährliche Erregung Ist Pädophilie wirklich therapierbar?

Der Pädophile kann nichts für seine Vorliebe, aber er kann etwas dafür, was daraus wird. Ein Gespräch mit dem Sexualforscher Klaus Michael Beier, der an der Berliner Charité das bundesweit einzige Projekt zur therapeutischen Prävention von Kindesmissbrauch leitet.

© ddp Vergrößern Sexualwissenschaftler Klaus Michael Beier

Herr Professor Beier, es herrscht gerade eine große Aufregung über angebliche Pädophilie in der virtuellen Welt von „Second Life“. Aber wenn Pixel sich an Pixel vergreifen, entsteht doch keinem Menschen ein Schaden. Warum soll einen dieses virtuelle Spiel zwischen Kindern und Männern in „Second Life“ stören?

Zunächst: Ob es sich bei den Nutzern von „Second Life“ tatsächlich um Pädophile handelt, das heißt Männer mit einer persistierenden sexuellen Ansprechbarkeit auf ein kindliches Körperschema, wissen wir nicht. Es gibt unterschiedliche Motivationen, sich an einem sexuellen Kindesmissbrauch auch in einer virtuellen Welt zu beteiligen.

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Wie auch immer - das virtuelle Spiel stört aus einem einfachen Grund: Nach derzeitigem Kenntnisstand müssen wir davon ausgehen, dass die Hemmschwelle für sexuellen Kindesmissbrauch über einen regelmäßigen Konsum von kinderpornographischem Material schrittweise auf eine gefährliche Weise herabgesenkt werden kann. In „Second Life“ kommt erschwerend hinzu, dass Männer den sexuellen Übergriff auf ein Kind und den Weg dahin in einer virtuellen Welt regelrecht einüben.

Aber wenn Pädophile dort ausleben, was sie in der Wirklichkeit nicht ausleben dürfen, dann verschonen sie doch vielleicht die wirklichen Kinder.

Das ist eine trügerische Hoffnung. Sehen Sie, jeder Mensch möchte seine sexuellen Bedürfnisse befriedigen. Sind nun sexuelle Wünsche so gelagert, dass sie ein Leben lang nicht befriedigt werden können, dürfen und sollen, werden diese Wünsche eher drängender. Damit einher geht das ebenso dringende Bedürfnis, dass diese Wünsche vom Gegenüber - in diesem Fall einem Kind - akzeptiert, erwidert oder sogar eigenständig formuliert werden. Von dieser gegenseitigen Akzeptanz kann jedes Erwachsenenpaar, das miteinander seine sexuellen Wünsche stillen möchte, ausgehen. Männer mit einer Pädophilie ersehnen eine vergleichbare Akzeptanz beim Kind, wie sie bei einem unabhängigen gleichberechtigten Erwachsenen möglich ist. Ein Kind erfüllt diese Voraussetzungen von Unabhängigkeit und Gleichberechtigung aber nicht. Es ist kein „Verhandlungspartner“ auf Augenhöhe.

Kann man sagen, dass die virtuell erfüllte Sehnsucht nach Akzeptanz zur Tat führt?

Man kann es jedenfalls nicht ausschließen. Und das reicht. Wir arbeiten hier in Berlin in unserem Projekt zur therapeutischen Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch vor allem daran, dass die potentiellen Täter Strategien erlernen, die sie daran hindern, ihren sexuellen Wünschen in der Wirklichkeit nachzugeben. Die hierzu aufgebauten Hemmschwellen werden durch die Vorgänge in „Second Life“ herabgesetzt.

Wie bauen Sie Hemmschwellen auf?

Es gibt eine Reihe von therapeutischen Techniken, die hier eingesetzt werden können. Entscheidend ist dabei immer, dass die Hemmschwelle steigt, wenn es gelingt, sich in das potentielle Opfer, das Kind, hineinzuversetzen. Der blinde Wunsch nach Akzeptanz und Erwiderung eigener sexueller Wünsche durch das Kind verhindert diesen Perspektivenwechsel und damit eine empathische Begegnung mit dem Kind und dessen Gefühlen. Kein Kind möchte Sex mit Erwachsenen haben. Empathie in die resultierenden Gefühle des Kindes wie Angst vor Strafe, Ablehnung, Schuld, Ekel, Schmerz, Hilflosigkeit kann und muss erst erlernt werden.

Müsste man nicht, wenn es um Empathie geht, Pornofilme verbieten? Sie dienen ja nicht gerade dazu, Empathie für Frauen zu befördern.

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