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Gangsterrapper Twain Gotti Mörderlyrik vor Gericht


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Seine sechs Mitarbeiter verbringen etwa gleich viel Zeit auf der Straße und am Computer, wo sie die sozialen Netzwerke durchforsten und Videos anschauen. „Wir lernen immer noch hinzu“, sagt Spencer, und oft müsse er ein Rap-Stück 15 Mal anhören, bis er halbwegs die Bedeutung begreife. Aber die Mühe lohne sich, wenn man wissen wolle, was in den Gangs los sei.

Professor Nielson bestreitet, dass Rap statt als Kunst- auch als Kommunikationsform betrachtet werden kann. Er berichtet von der Studie einer Sozialpsychologin. Sie zeigte zwei Gruppen von Probanden denselben gewaltverherrlichenden Text. Der ersten Gruppe wurde gesagt, es handle sich um Rap; die zweite sollte glauben, einen Country-Song vor sich zu haben. Gruppe eins reagierte viel schärfer auf die Gewaltdarstellung und war eher geneigt, sie für authentisch und autobiographisch zu halten.

Rassismus und Einschränkung der Kunstfreiheit?

Auch die große amerikanische Bürgerrechtsgruppe ACLU wittert Rassismus und eine Einschränkung der Kunstfreiheit. Sie unterstützt die Kläger, die gerade vor dem Obersten Gericht des Staates New Jersey erreichen wollen, dass ein Verfahren wegen versuchten Mordes wieder aufgerollt wird. Damals hatte das Gericht Rap-Songs als Beweismittel akzeptiert, die der Angeklagte sogar schon vor der Tat verfasst hatte. Nach zwei Jahren der Recherche spricht Nielson von Hunderten Fällen in Amerika - mindestens.

Für die Angeklagten ist die Sache umso vertrackter, als die meisten Rapper ihre Künstleridentität öffentlich nie ablegen und in Interviews stets beteuern, ihre Texte beschrieben nichts als die Wahrheit. Der Rapper Rick Ross verlor vor Jahren viele Fans, als sich herausstellte, dass er, der vermeintliche Drogenbaron, in Wahrheit das College besucht und als Gefängniswärter gearbeitet hatte. Auch Antwain Steward versprach in seiner Eigenwerbung: „Gotti is the real deal.“ Über „Ride Out“ sagt er jetzt lieber: „Ich habe herumgereimt, nur gereimt. Ich habe ein Bild gemalt, und auf dem Bild sah nichts aus wie an diesem Tatort.“

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Voriges Jahr, bevor der Kommissar mit dem Haftbefehl kam, stand Twain Gotti vielleicht vor dem Durchbruch. Vorbei schien die Zeit, als er an den Straßenecken von Newport News seine Songs auf selbstgebrannten CDs verkaufte. Jetzt kann man seine erfolgreichsten Lieder bei iTunes herunterladen, und Steward bekam Einladungen für Konzerte, sogar nach New York.

Wenn er es nach zehn Monaten in Untersuchungshaft bereuen sollte, „Ride Out“ geschrieben zu haben, dann gibt er es trotzdem nicht zu. Er klammert sich an seine Verschwörungstheorie, nach der ihn die Polizei aus purem Neid verfolgt und sonst einen anderen Vorwand benutzt hätte. Aus jedem Auto von Newport News schalle seine Musik, selbst der Haftrichter habe seine Lieder gekannt, behauptet der Angeklagte. Es gefalle den „Autoritätspersonen“ eben nicht, wenn einem wie ihm der Ausbruch aus dem Getto gelinge. Aber die Geschworenen werde er auf seiner Seite haben. Wenn sein Song vor Gericht gespielt wird, sagt er, „dann werde ich für sie alle noch mal rappen. Ich rappe, bis sie kapieren, dass es Kunst ist.“

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Quelle: F.A.S.

 
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