Home
http://www.faz.net/-gus-747pc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Frankfurter Ostend Bluttat entfacht Kritik an Notunterkunft

Die Kritik am Neubau der Obdachlosenunterkunft am Ostpark war schon verstummt. Nach dem tödlichen Messerangriff Ende Oktober gibt es nun wieder Zweifel.

© Manz, Florian Vergrößern Anlaufstelle: Frankfurter Obdachlose finden seit zwei Jahrzehnten einen Schlafplatz in der Unterkunft am Ostpark

Plötzlich sind die Ängste wieder da. Die tödliche Messerattacke auf einen Bewohner der Notunterkunft für Obdachlose am Rande des Ostparks hat die Diskussion abermals entfacht: Stellt die soziale Einrichtung eine Gefahr dar? Und ist ihr Standort in einer Grünanlage verträglich oder doch besser nochmals zu überdenken? In einem der Wohncontainer hatte Ende Oktober ein 36 Jahre alter Mann nachts ohne ersichtlichen Grund mit einem 17 Zentimeter langen Küchenmesser auf einen anderen Obdachlosen eingestochen. Der Sechsundfünfzigjährige starb an seinen Verletzungen.

Bernd Günther Folgen:  

„Das ist der Super-GAU“, sagte unumwunden Ortsvorsteher Bodo Pfaff-Greifenhagen (CDU) vom Ortsbeirat 4 (Bornheim, Ostend). Die Gegner des Containerdorfs würden nun wieder auf den Plan gerufen. Das sei ihnen nicht zu verdenken: Die schlimmsten Befürchtungen, die im Zusammenhang mit der sozialen Einrichtung gehegt worden seien, seien nun eingetreten. Die Stadtteilpolitiker sahen sich in ihrer regulären Sitzung wenige Tage nach der Tat denn auch besorgten Anwohnern und Nutzern des Ostparks gegenüber. Bedenken zur Sicherheit der Unterkunft und ihrer Bewohner - und dass von diesen womöglich eine Gefahr für arglose Besucher des Parks ausginge - wurden geäußert und erneuert.

50 Container aufgestellt

Vor gut zwei Jahren war die vom Frankfurter Verein für soziale Heimstätten betriebene Unterkunft in die öffentliche Kritik geraten. Damals war bekanntgeworden, dass die Anlage am Südrand des Ostparks, auf dem Gelände eines ehemaligen Bauhofs des Grünflächenamts, erneuert werden soll. Der Geschäftsführer des Frankfurter Vereins, Peter Hovermann, hatte das angestrebte Bauvorhaben mit dringend zu verbessernden Brandschutzvorkehrungen begründet. Die derzeit aufgestellten 50 Container, die Tag und Nacht zugänglich sind und rund 150 Schlafplätze für Obdachlose bieten, sollen einem zweigeschossigen Neubau weichen. Der Frankfurter Verein, der im Stadtgebiet weitere Wohnheime unterhält, will gut 2,8 Millionen Euro investieren. Die neue Unterkunft, die den Bewohnern einzelne Schlafzellen bieten würde, soll 140 Plätze umfassen. Menschen, die ohne Obdach sind, sollen so weiterhin im Ostpark unterkommen, bevor sie in Hotels, Wohnungen oder betreute Einrichtungen vermittelt werden. Das Vorhaben war bislang aber Hindernissen und Widerständen ausgesetzt.

Das für den Neubau vorgesehene 4500 Quadratmeter große Areal, das unmittelbar an die südlich verlaufende Bahntrasse grenzt, zählte zum Grüngürtel und musste aus dessen Schutzzone herausgelöst werden. Weil der Ostpark unter Denkmalschutz steht, musste zudem eine denkmalpflegerische Zustimmung eingeholt werden. Danach darf für den Neubau nicht mehr Fläche beansprucht werden, als bisher schon genutzt wird. Der Magistrat, die Stadtverordneten und der Ortsbeirat unterstützten das Vorhaben, viele Bürger aus dem Ostend jedoch wandten sich dagegen. Sie kritisierten vor allem die baulichen Eingriff in die denkmalgeschützte Grünanlage.

Mehr zum Thema

Aber auch gegen die Nutzer der Unterkunft gab es Bedenken. So sollen dort wieder Menschen unterkommen, die dauerhaft auf der Straße leben und womöglich alkohol- und drogenabhängig sind. Auch psychisch kranke Obdachlose, jedoch in geringerer Zahl als bisher, plant der Frankfurter Verein wieder einzuquartieren. Hovermann hatte einst den Neubau wegen seiner unaufdringlichen Architektur und der Lage in einer öffentlichen Grünanlage als Pilotprojekt bezeichnet. Es werde die Aufmerksamkeit anderer Kommunen genießen. Die Kritik von Bürgern, dass die Anlage und die Anwesenheit von sozial auffälligen Obdachlosen sich nicht mit den Ansprüchen an Freizeit und Erholung in einem Stadtpark vertrügen, verwunderten Hovermann auch deshalb, weil die Unterkunft schon seit gut zwei Jahrzehnten im Ostpark besteht.

Dass die Sorgen von Joggern, Spaziergängern oder Eltern mit Kindern nicht ignoriert werden könnten und offenbar doch ein Gefährdungspotential bestehe, sagte nach der aktuellen Tat auch Ortsvorsteher Pfaff-Greifenhagen. Zu dem Angriff hätte es nicht nur in, sondern auch außerhalb der Unterkunft kommen können. Allerdings weist er auch darauf hin, dass das zuständige Polizeirevier bisher immer bekräftigt habe, dass vermehrte Belästigungen oder Konflikte im Umfeld der Containeranlage nicht bekanntgeworden seien. Die erste Bluttat in der Unterkunft war die gerade geschehene allerdings auch nicht: Schon vor zwei Jahren war es zu einer Messerstecherei zwischen zwei Bewohnern gekommen.

Nachts zwei Mitarbeiter anwesend

Pfaff-Greifenhagen hält deswegen die Sicherheitsvorkehrungen durchaus für diskussionswürdig. Es stellte sich die Frage, ob künftig die Wohnsitzlosen beim Zugang ins Containerdorf auf mitgeführte Waffen kontrolliert werden sollten. Auch könnte die Zahl des Aufsichts- und Betreuungspersonals zu gering und womöglich der Einsatz eines Sicherheitsdienstes erforderlich sein. Hovermann bestreitet dies: Während der Nachtstunden seien jeweils zwei Mitarbeiter des Frankfurter Vereins, tagsüber jedoch häufig bis zu zwölf Mitarbeiter anwesend. Der Ortsbeirat sieht Gesprächs- und Handlungsbedarf und will nun einen Runden Tisch initiieren. Vertreter des Frankfurter Vereins, des Sozialdezernats, der Polizei, aber auch Anwohner sollten gehört werden. Ziel soll sein, dass sich Obdachlose in und Parkbesucher vor der Unterkunft sicher fühlten, so Ortsvorsteher Pfaff-Greifenhagen.

Ein anderer Sicherheitsmangel ist unterdessen bereits behoben: Nach Angaben von Hovermann liegt seit wenigen Wochen die Genehmigung für den Neubau vor. Eigentlich sollte dieser schon 2012 errichtet werden. Dem Vorhaben stand zuletzt aber eine Gefahrguthalle im unweit entfernt gelegenen Osthafen entgegen. Wegen der Seveso-II-Richtlinie, die Bauvorhaben im Umfeld von Gefahrenbetrieben regelt, hatten planungsrechtliche Hindernisse bestanden. Die städtischen Ämter hätten diese aber ausräumen können. Bis 2014 werde die neue Unterkunft errichtet sein, so Hovermann.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Frankfurt EZB-Umzug geht in zwei Wochen los

Der Neubau der Europäischen Zentralbank im Frankfurter Ostend ist so gut wie fertig. Im November beginnt der Umzug. Der offizielle Eröffnungstermin steht aber noch nicht fest. Mehr

21.10.2014, 20:53 Uhr | Rhein-Main
Kaum zu glauben: Der Bayern-Boss kehrt aus dem Exil zurück

Frühsommer 1947: Kurt Landauer kehrt aus Genf, wo er Kireg und Holocaust überlebte, in seine alte Münchner Heimat zurück. Einer seiner ersten Wege führt ihn in die Vereins-Versammlung des FC Bayern. Mehr

15.10.2014, 16:45 Uhr | Feuilleton
Drei Festnahmen Mann in Limburg zu Tode geprügelt

In einer Limburger Stadtunterkunft ist ein Mann zu Tode geprügelt worden. Tatverdächtig sind drei Männer, die abwechselnd auf das Opfer eingeschlagen haben sollen. Doch die genaue Todesursache ist noch unbekannt. Mehr

23.10.2014, 15:49 Uhr | Rhein-Main
Ehemalige Obdachlose zeigen ihr Paris

Stadtführungen der etwas anderen Art gibt es in Paris zu erleben: Ehemalige Obdachlose führen Besucher durch die französische Hauptstadt und zeigen ihnen ihren Blick auf die Metropole. Die Teilnehmer sind begeistert. Mehr

02.09.2014, 09:48 Uhr | Reise
Globalisierungskritischer Verein Attac ist nicht mehr gemeinnützig

Attac verfolge allgemeinpolitische Ziele und sei daher nicht förderungswürdig, so das Finanzamt. Das könnte dazu führen, dass die Aktivisten weniger Spenden bekommen. Mehr

17.10.2014, 02:00 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 07.11.2012, 23:22 Uhr

Carl Philip von Schweden Der Prinz folgt seinen Schwestern

Wie schon seine beiden Schwestern Madeleine und Victoria wird auch Prinz Carl Philip von Schweden seine Angebetete im Juni heiraten. Roberto Blanco entert derweil eine Seifenoper. Und Sängerin Taylor Swift führt die Charts diesmal mit heißer Luft an. Der Smalltalk. Mehr 3

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden