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Fotograf Langevin über Diana-Fotos : „Die Bilder entstanden am Ritz“

  • Aktualisiert am

Ausschnitt: Diana blickt aus dem Rückfenster des Wagens (vorne ihr Leibwächter) Bild: AFP/Jacques Langevin

Der französische Fotograf Jacques Langevin wurde von der Veröffentlichung seiner Bilder aus der Todesnacht Prinzessin Dianas überrascht. Nun will er sich weigern, als Zeuge auszusagen, kündigt er im Gespräch mit Peter-Philipp Schmitt an.

          Jacques Langevin wurde von der Veröffentlichung seiner Diana-Bilder überrascht. Er ist darüber ebenso wütend wie über die Behauptung, die Fotos seien im Unglückstunnel entstanden.

          Mehr als zehn Jahre hat es gedauert, bis Ihre letzten Diana-Bilder veröffentlicht wurden. Es sind eindeutig Ihre Fotos.
          Ja. Einige Zeitungen haben auch meinen Namen dazugeschrieben.

          Und nun wird behauptet, die Bilder seien im Unglückstunnel entstanden, „Sekunden vor dem Unfall“ . . .
          Das ist verrückt. Die Fotos habe ich am Hintereingang des Hotel Ritz gemacht, in der Rue Cambon, kurz bevor der Mercedes losfuhr.

          Der Wagen stand also noch.
          Ja. Das ist alles auch schon vor Gericht geklärt worden. Es gibt nämlich auch Bilder von Diana und Dodi. Und wegen dieser Bilder bin ich letztinstanzlich verurteilt worden, weil ich in den Mercedes fotografiert hatte. Ein Auto kann nach französischem Recht ein privater Ort sein.

          Sauer über die Freigabe seiner Bilder: Fotograf Jacques Langevin
          Sauer über die Freigabe seiner Bilder: Fotograf Jacques Langevin : Bild: Franck Seguin / Deadline Photo

          Aber Sie waren doch bestimmt nicht der einzige, der die beiden in dem Wagen fotografiert hatte?
          Nein. Aber nur meine Bilder waren scharf. So wurde es mir zumindest vor Gericht gesagt.

          Und was machten Sie danach? Sind Sie dem Mercedes hinterhergefahren?
          Nein. Ich hatte meinen Job erledigt. Ich sollte für die Fotoagentur Sygma Bilder von Diana und Dodi am Hotel Ritz machen. Und das hatte ich ja damit getan. Ich bin dann zu meinem Auto gegangen und wollte die Filme noch kurz in der Agentur vorbeibringen, um danach zurück zu Freunden zu fahren, mit denen ich an dem Abend verabredet war.

          Sie waren aber auch im Tunnel?
          Ja. Der lag auf meinem Weg. Als ich dort ankam, war der Unfall schon lange passiert, die Polizei war schon da, Notärzte und etliche Schaulustige.

          Und auch die Paparazzi?
          Ja, einige Fotografen waren auch schon da. Sie hatten aber auch erst nach dem Unglück den Tunnel erreicht. Der Mercedes fuhr ja so schnell, dass selbst die Motorräder nicht hinterherkamen.

          Das heißt, die Paparazzi hatten nichts mit dem Geschehen zu tun?
          Nein. Das beweisen allein schon ihre Bilder. Auf keinem ist der Unfall zu sehen. Und dass ich damit nichts zu tun habe, bezeugen meine Negative: Ich habe in jener Nacht den Film nicht gewechselt. Auf einem Bild sieht man noch den Mercedes, wie er beim Ritz davonfährt. Und auf den nächsten sieht man die Unglücksstelle mit Polizisten. Die Paparazzi sind unschuldig.

          Wussten Sie, dass die Bilder nun veröffentlicht werden sollten?
          Nein. Das hat der britische Richter einfach entschieden, in Frankreich waren sie unter Verschluss. Nun wurden sie aber für das neue Verfahren nach London geschickt. Mich hat man nicht gefragt, obwohl ich die Rechte habe. Ich weiß auch nicht, warum nur die von dem Fahrer und dem Leibwächter veröffentlicht wurden. Diana und Dodi sind ja kaum zu sehen. Verrückt ist auch, dass der Richter entschied, die Bilder dürften nur für zwei Wochen gezeigt werden. Sie stehen ja jetzt im Internet, die sind nicht mehr aus der Welt zu schaffen.

          Wann haben Sie von der Veröffentlichung erfahren?
          Am Mittwoch. Ich habe noch in London angerufen, aber ohne Erfolg. Deswegen habe ich jetzt einen Anwalt eingeschaltet.

          Sie sollten auch bei dem Verfahren als Zeuge auftreten?
          Ja. Ich sollte von Paris aus per Videoübertragung eine Aussage machen. Wollte ich auch erst. Aber jetzt nicht mehr. Ich bin so wütend, dass ich mich weigern werde. Und zwingen können sie mich nicht.

          Die Fragen stellte Peter-Philipp Schmitt.

          Quelle: F.A.Z.

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