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Fall Trayvon Martin : Das Opfer ist schwarz, der Täter ein weißer Latino

Erschossen: der 17 Jahre alte Trayvon Martin im Football-Dress Bild: Reuters

Der Fall Trayvon Martin sorgt in ganz Amerika für Aufsehen: Musste der 17 Jahre alte Junge aus Sanford wegen seiner Hautfarbe sterben? Und ist der Täter George Zimmerman vor allem wegen seiner Hautfarbe noch auf freiem Fuß?

          Am Abend des 26. Februar bekommt Trayvon Martin Appetit auf Kaubonbons. Der 17 Jahre alte Junge geht durch den Nieselregen zu einer Tankstelle und kauft sich eine Packung „Skittles“. Auf dem Rückweg wird er von George Zimmerman erschossen. Ein Akt der Notwehr, sagt der 28 Jahre alte Todesschütze, der bis heute auf freiem Fuß ist.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Gut zwei Wochen nach der Tat in Sanford bei Orlando in Zentralflorida erregt der Fall jetzt Aufsehen in ganz Amerika, denn das Opfer ist schwarz, und der Täter ist ein weißer Latino. Musste Trayvon Martin wegen seiner Hautfarbe sterben, und ist George Zimmerman wegen seiner Hautfarbe noch immer ohne Anklage auf freiem Fuß? Die örtliche Polizei hat die Ermittlungen inzwischen den Behörden des Bundesstaates Florida übertragen, aber auch die Bundespolizei FBI und das Justizministerium in Washington ermitteln jetzt.

          „Wirklich verdächtiger Typ“

          Lange hatte sich die Polizei von Sanford geweigert, die Notrufe Zimmermans und später der Anwohner der Siedlung „The Retreat at Twin Lakes“ zu veröffentlichen. Zunächst meldet sich Zimmerman, Angehöriger einer Art Bürgerwehr in der Siedlung, bei der Polizei. Er will „einen wirklich verdächtigen Typen“ erspäht haben, „der etwas im Schild führt oder auf Drogen ist oder sowas“.

          Zimmerman, bei der Polizei für manchen falschen Alarm bekannt, missachtet die Aufforderung der Notrufzentrale, den Verdächtigen nicht zu verfolgen und fährt in seinem Auto hinter Martin her. Irgendwann steigt Zimmerman aus und „stellt“ den Jugendlichen. Es kommt offenbar zu einem Handgemenge. Diese Szene ist auf dem zweiten Notruf einer Augen- und Ohrenzeugin zu hören: erst Schreie, dann ein Schuss, schließlich Stille. „Ich bin ziemlich sicher, der Typ da draußen ist tot“, sagt der Anrufer dann. Eine Zeugin berichtet später: „Ich hörte die Schreie, es war ein kleiner Junge. Als der Schuss zu hören war, verstummte das Schreien.“

          Keine Handhabe, Zimmerman festzunehmen

          Seit dem Jahr 2005 gilt in Florida ein sogenanntes Stand Your Ground-Gesetz, unterzeichnet vom damaligen republikanischen Gouverneur Jeb Bush, dem jüngeren Bruder von Präsident George W. Bush. Danach dürfen Waffenbesitzer nicht nur zur Verteidigung von Haus und Hof gegen einen Eindringling von der Schusswaffe Gebrauch machen, sondern fast überall in der Öffentlichkeit. Zudem müssen sie nicht mehr nachweisen, mittels Rückzugs oder Flucht einer Auseinandersetzung aus dem Weg gegangen zu sein. Inzwischen haben 17 Bundesstaaten ähnliche Gesetze. Viele Staaten erlauben es ihren Bürgern zudem, ihre Waffen in der Öffentlichkeit zu tragen, sofern sie dafür einen Waffenschein haben und sie nicht zur Schau stellen oder offen tragen. In 29 Bundesstaaten ist es vom Gesetz ausdrücklich erlaubt oder immerhin nicht verboten, eine Waffe für alle sichtbar in einem Holster zu tragen.

          Die Polizei von Sanford argumentiert, sie habe angesichts der geltenden Gesetze keine Handhabe, Zimmerman festzunehmen oder an der von ihm geschilderten Version des Vorfalls zu zweifeln. Zimmerman hat einen Waffenschein für seine Pistole, und er griff nach eigener Aussage in Notwehr zur Waffe. Trayvon Martins Vater Tracy sagt: „Ich glaube nicht, dass er überhaupt verfolgt worden wäre, wenn er ein weißes Kind gewesen wäre.“ Bei Demonstrationen in Florida und auch im Kongress ist inzwischen die Forderung nicht mehr überhören, George Zimmerman festzunehmen.

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