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Fall Madeleine Die Spur nach Marokko war wieder eine falsche

27.09.2007 ·  Der Schnappschuss einer Urlauberin schaffte es auf alle britischen Boulevardblätter: Ein blondes Mädchen in der Obhut marrokanischer Olivenbauern - das konnte nur die vermisste Madeleine McCann sein. Die Madeleine-Hysterie produziert immer wieder unwahrscheinliche „Sichtungen“.

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Eigentlich ist dieses Bild nichts weiter als ein Schnappschuss. Einfach mal so aus dem fahrenden Auto heraus fotografiert. Ein paar Leute am Straßenrand, eine Hügellandschaft im Hintergrund. Fast vier Wochen ist das Urlaubsbild alt, das es am Mittwoch auf die Titelseite nahezu jeder Londoner Zeitung schaffte - von Boulevardblättern bis zum seriösen „Daily Telegraph“, der in roter Überschrift fragte: „Ist dies Madeleine in Marokko?“.

Doch am Abend waren die aufgeregten Nachrichten - wie so oft - nichts weiter als ein Fehlalarm.
Britische und spanische Reporter eilten sofort in die marokkanische Stadt Zinat, wo das Bild aufgenommen wurde, und machten sich mit dem Foto auf die Suche nach einem kleinen blonden Mädchen. Statt Madeleine McCann fand Rashid Razaq vom „Evening Standard“ allerdings die fünf Jahre alte Bushra Binhisa - die Tochter eines marokkanischen Olivenbauers. „Es ist offensichtlich, dass es nicht Madeleine ist“, sagte Razaq.

Blonde Haare bei Berbern nicht ungewöhnlich

„Bushra ist mein kleines Mädchen. Sie ist nicht Madeleine. Bushra ist definitiv meine Tochter“, sagte Hamid Binhisa, der Vater, dem Reporter. Die Mutter Hafida, offenbar die Frau die das Mädchen auf dem Bild trägt, war sehr überrascht, das Zentrum internationaler Aufmerksamkeit geworden zu sein. „Selbst in diesem letzten Winkel der Welt haben die Leute von Madeleine McCann gehört“, sagte sie. Blonde oder sogar rothaarige Kinder sind nach Angaben von Dorfbewohnern wegen der Berber-Population in der Gegend nicht ungewöhnlich.

Der Bildausschnitt, den die Blätter zuvor druckten, ist stark vergrößert und verschwommen. Mit bloßem Auge ließ sich nicht erkennen, ob es sich um Madeleine handelt. Doch das Kind schien dem vor fast fünf Monaten an der Algarve verschwundenen englischen Mädchen ähnlich zu sein. Und niemand wollte im Vorfeld völlig ausschließen, dass es tatsächlich Madeleine ist. Die Suche nach ihr, berichtet jedenfalls der „Daily Telegraph“ - laut Eigenwerbung „Großbritanniens meistverkaufte Qualitätszeitung“ - habe mit dem Auftauchen des Bildes „eine dramatische Wende“ erfahren.

„Sichtungen“ in ganz Europa

Über Madeleine-„Sichtungen“ haben Augenzeugen schon unzählige Male berichtet. Den letzten großen Madeleine-Alarm hatte Ende Juli die Polizei in Belgien ausgelöst. Ein Mann, dessen Phantombild durchaus Vorstellungen von einem Kinderschänder nähren konnte, war in Begleitung eines kleinen blonden Mädchens mit großen runden Augen in der flämischen Stadt Tongeren in der Bar „De Pauze“ gesehen worden. Es war ein Fehlalarm, eine Sinnestäuschung durch eine gewisse Ähnlichkeit, wie sich bald zeigte - genau wie wohl all die anderen Madeleine-Erscheinungen in zahlreichen Ländern der Welt.

„Dieses Bild wirft ernste Fragen auf“, sagte Clarence Mitchell, der neue Sprecher der Madeleine-Eltern. Doch nach der Meldung, es handle sich nicht um Madeleine, sagte er: „Wenn diese Berichte wahr sind, dann ist das eine enttäuschende Nachricht. Das ist es, warum sich Kate und Gerry nicht zu Einzelhinweisen äußern und warum ich zur Vorsicht aufgerufen habe.“ Ob sich nun Experten des britischen Zentrums gegen Kinderausbeutung und für Online-Schutz (CEOP) weiter um die Foto-Auswertung bemühen, war unklar.

Spanische Urlauberin ermittelt

Wie sehr Madeleine in den Köpfen der Menschen verhaftet ist, zeigt diese Geschichte. Die spanische Urlauberin Clara Torres hatte dem Bild vorerst keine Beachtung geschenkt. „Aber dann hörte ich, dass in den letzten Tagen mehrfach Zeugen Madeleine in Marokko gesehen haben wollen.“ Da sei ihr schlagartig eingefallen, dass sie und ihr Freund „an dieser Menschengruppe vorbeifuhren, mit dem blonden Kind, das mich so an die kleine Madeleine erinnerte“. Sofort habe sie am Computer die Urlaubsbilder durchgesehen und das betreffende Foto vergrößert. „Da lief mir ein Schauer über den Rücken.“

Die Hoffnungen auf die Wende in dem Fall, für die Madeleines Eltern täglich in der kleinen katholischen Kirche ihres Heimatortes Rothley in Mittelengland beten, haben sich nun schon wieder zerschlagen. Und all jene, die dies als den Beweis für die Unschuld von Gerry und Kate McCann sahen, sind nun wieder verwirrt.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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