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Fall Fourniret Das Haus am Ende der Straße

 ·  Der freundliche Nachbar Michel Fourniret hat sich für die Bewohner von Donchery als Serienmörder entpuppt. Die Dorfgemeinschaft ist fassungslos und sucht nach Erklärungen.

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Nach der Spur von Michel Fourniret muß man nicht lange suchen. Hier hatte der französische Mädchenjäger ein Grundstück, dort hat er ein Haus geerbt, und ein paar Kilometer weiter, ja, da hat Fourniret mal gearbeitet. Aber wirklich gekannt haben will ihn im Süden Belgiens und im Norden Frankreichs niemand: "Was heißt schon kennen?" Fourniret sei ein Eigenbrötler gewesen und kontaktscheu. "Korrekt" sei er ihm vorgekommen, brummt ein alter Mann mit Hut, ein früherer Nachbar. Mehr als "Guten Tag"" hätten er und Fourniret sich fast nie einander gesagt, meint ein anderer Nachbar im südbelgischen Sart-Custinne, wo Fourniret mit seiner Frau zuletzt wohnte.

Michel Fourniret, das ist der wegen Sexualdelikten vorbestrafte Franzose, ein früherer Waldarbeiter und Schulkantinenaufseher, der vergangene Woche neun Morde in Belgien und Frankreich zwischen 1987 und 2001 gestanden hat. Fourniret, das ist ein unscheinbar aussehender Zweiundsechzigjähriger, der zugibt, er habe pro Jahr zwei Mädchen - möglichst hübsch und jungfräulich - "gejagt", der also womöglich viel mehr Morde begangen hat, als bisher bekannt. Fourniret, das ist der Mann, der die Ermittler auf sein ehemaliges Schloß zu den vergrabenen Leichen einer Zwölfjährigen und einer Zweiundzwanzigjährigen führte, ohne mehr zu zeigen als Genauigkeitssinn und Geltungsbereitschaft.

„Die blühende Gemeinde“

Dort, im Ort Donchery nahe Schloß Sautou, ist das Ardennen-Idyll zauberhaft. Madame flaniert mit ihrem Hund die Dorfstraße entlang und grüßt Monsieur, der es mit zwei Baguettes unter dem Arm sehr eilig hat. Donchery, das ist französische Klischee-Provinz. Man nennt sich "die blühende Gemeinde": Rabatten, Töpfen, Blumenampeln überall. Mit seiner Blütenpracht hat Donchery zuletzt von sich reden gemacht - am Rathaus erinnert eine Gedenktafel an den großen Blumenwettwerb des Jahres 2000. Und jetzt Fourniret - und schon ist Donchery mit seiner Nähe zum Schloß des Schreckens in den Schlagzeilen. Die junge Frau hinter der Bäckereitheke seufzt: "So schön friedlich ist es hier normalerweise, und nun das. Ich bin sehr erstaunt."

Im Zeitungsladen von Donchery hat sich der Mann hinter der Theke seine Ansichten zum Fall Fourniret bereitgelegt. Er wartet nur darauf, daß jemand vorbeikommt, der sie hören will: Daß die Gendarmerie auf dem Schloßgelände - "meine persönliche Meinung!" - noch weitere Leichen finden werde, wenn sie nur gründlich genug grabe. Daß er für die Wiedereinführung der Todesstrafe ist. Und außerdem - jetzt ist er in Rage - knirscht er "chrrrk" und macht eine Hackbewegung in Höhe seines Schritts.

Das Haus von Fourniret

Wer von Donchery in Richtung Chateau du Sautou fährt, der hat Mühe, den spärlich beschilderten Weg durch den Wald zu finden. Auf breiten Forstwegen ist die Richtung dann leicht zu finden: Immer dort entlang, wo unzählige noch frische Reifenspuren den Weg geebnet haben. Der Weg endet an einem Absperrgatter. Die Luft ist dumpf und feucht, voll vom Modergeruch des feuchten Sommers. Es ist so still. Jemand hat ein paar Blumen in den Matsch gelegt, rosa und weiß, dazu ein Pappschild in Schönschrift: "Güte und Respekt sollten an diesen Ort zurückkehren können." Gutmütige Worte.

Noch ein paar Fahrminuten weiter, im Ort Floing, wo Fourniret vor seinem Umzug auf das Schloß gewohnt hat, erklären die Leute im Dorf eifrig den Weg zu Fournirets altem Haus: dort hinauf, nah am Feuerwehrhaus. Oben am Hang weist eine Frau den Weg. Sie habe sich gründlich informiert, sagt sie, ihre eigene Untersuchung zum Fall Fourniret gestartet. "Bloß für mich selbst", fügt sie schnell schüchtern hinzu - um besser zu verstehen, was sich da in ihrer Nachbarschaft ereignet hat. Sie marschiert energisch voran, in den Chemin Berilly, zum letzten Gebäude der Straße: "Bitte sehr, das Haus von Herrn Fourniret!" Und nimmt dann das "Herr" schnell zurück. Das Haus von Fourniret also. Auch "Haus" ist fast zuviel gesagt. Es ist ein simples Bauwerk aus groben grauen Quadern, mit einer grünen Lampe über dem Eingang. Sie glaube, es sei auch heute noch bewohnt, sagt die Frau noch im Gehen.

Hatte „immer was zu buddeln“

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06.07.2004, 18:05 Uhr

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