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EU-Drogenbericht Abwärtstrend bei Heroin und Kokain

Der neue Bericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen stimmt hoffnungsvoll. Auch die Eurokrise trägt ihren Teil zum Rückgang des Rauschgiftkonsums bei.

© F.A.Z. Vergrößern Gute Werte in Europa: HIV-Neuinfektionen bei injizierenden Rauschgiftsüchtigen

Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) sieht immer mehr Anzeichen für eine Stabilisierung, wenn nicht einen Rückgang des Gebrauchs von Rauschgiften in Europa. Zwar seien Heroin und Kokain nach wie vor „für einen Großteil der Schäden sowie der Krankheits- und Todesfälle im Zusammenhang mit Drogenkonsum in Europa verantwortlich“, schreibt die Beobachtungsstelle in ihrem Jahresbericht, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Doch ließen zahlreiche Indikatoren vermuten, dass auf dem Markt für Heroin zuletzt nicht nur die Nachfrage, sondern auch das Angebot zurückgegangen sei.

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Einen Abwärtstrend registriert die Behörde mittlerweile auch bei Kokain, das vornehmlich in West- und Südeuropa verbreitet ist. Noch hoffnungsvoller stimmen indes die jüngsten Ergebnisse des „Europäischen Projekts zur Erhebung von Daten über Alkohol und andere Drogen an Schulen“ (Espad). Bei allen psychoaktiven Substanzen von Alkohol und Tabak über Cannabis bis zu synthetischen Rauschmitteln wie Ecstasy und Amphetaminen, so schreibt die EBDD, wiesen die Indikatoren auf einen Rückgang oder eine Stabilisierung hin.

Im Einzelnen sind diese Beobachtungen auf eine Vielzahl an Entwicklungen und Trends zurückzuführen. So kann sich die Politik zugutehalten, in nahezu allen europäischen Staaten durch eine Ausweitung des Behandlungsangebots für Heroingebraucher einen beträchtlichen Teil der Nachfrage vom Markt genommen zu haben. In einigen Ländern hat die internationale Zusammenarbeit der Sicherheitskräfte gleichzeitig zu einer Verknappung des Angebots geführt - trotz unverändert hoher Produktion in Afghanistan. Ihren Niederschlag finden diese Entwicklungen indes nicht nur in einer stetig sinkenden Zahl neuer Heroingebraucher und einer rückläufigen Therapienachfrage.

Durch zahlreiche gesundheitspolitische Maßnahmen wie dem Angebot von Ersatzopiaten und der Möglichkeit, gebrauchte Spritzen zu tauschen, ist auch die Zahl der Neuinfektionen mit dem HI-Virus im Zusammenhang mit intravenösem Rauschgiftgebrauch in den EU-Staaten so niedrig wie seit zwei Jahrzehnten nicht. Wie sich das Fehlen einer qualifizierten Gesundheitspolitik in der Gesellschaft bemerkbar macht, zeigt ein Blick über die Ostgrenzen der EU: In der Ukraine, Weißrussland und Russland sind die HIV-Infektionsraten in den vergangenen Jahren in astronomische Höhen geschnellt (siehe Grafik). Freilich besteht auch im Westen kein Grund zu Sorglosigkeit. In einigen Ländern wurde Heroin durch andere Substanzen verdrängt, etwa synthetische Opioide wie Fentanyl und Buprenorphin - zu beschaffen etwa durch das Auskochen von Schmerzpflastern. Als Ersatz von Heroin kämen auch Methamphetamin, Wirkstoffe der Khat-Pflanze (Cathinone) und Benzodiazepine in Betracht, schreibt die EBDD.

Immer mehr Marihuana aus eigenem Anbau

An Ersatzdrogen gilt es nach Worten des EBDD-Direktors Wolfgang Götz auch zu denken, wenn von einem Rückgang des Kokaingebrauchs die Rede ist. Ohne Zweifel hat nach Einschätzung der EU-Behörde Kokain sein Image als „Statusdroge“ eingebüßt. Potentielle Gebraucher seien sich stärker der Gesundheitsrisiken bewusst, die mit dem Kokaingebrauch einhergingen, heißt es am Sitz der EBDD in Lissabon. Allerdings deutet die Beobachtung, dass akute Not- und Todesfälle schon seit dem Jahr 2008 rückläufig sind, auf einen Zusammenhang mit dem Ausbruch der Krise auf den Finanzmärkten hin. Deren Protagonisten gehörten allem Anschein nach zu den besten Kunden der Kriminellen, die mit der Herstellung und Vermarktung von Kokain Milliardenumsätze erzielen.

Indes weist die EBDD darauf hin, dass Kokain, Amphetamine, Ecstasy und synthetische Cathinone aus Sicht der Gebraucher „gleichwertige und in gewissem Maß austauschbare Produkte sind“ - gewissermaßen das Kokain für Arme. Daher gelte es, auch diese Märkte im Blick zu behalten. Denn den meisten Rauschgiftgebrauchern komme es heute weniger auf eine bestimmte Substanz an, sondern vielmehr darauf, einen bestimmten Zustand zu erreichen, so Rainer Kasecker, ein ranghoher Polizeibeamter aus Bayern, der derzeit bei der EBDD arbeitet. Anlass zu Besorgnis gibt in diesem Zusammenhang das Aufkommen von Methamphetamin in Deutschland. Das Rauschgift, das schon immer in der Tschechischen Republik und in der Slowakei verbreitet war, hat mittlerweile vor allem in Sachsen und Bayern durch Todesfälle und schwerste Gesundheitsschäden von sich reden gemacht.

Die am weitesten verbreitete illegale Substanz in Europa ist freilich nach wie vor Cannabis - und das auf eine Weise, die jeder Verharmlosung widerstrebt. Denn anstelle von importiertem Cannabisharz (Haschisch) wird mehr und mehr das potentere Cannabiskraut (Marihuana) verwendet, nicht selten aus eigenem, als legal betrachtetem Anbau. Hinzu kommt, dass das sogenannte Einstiegsalter nach Feststellung der EBDD „sehr niedrig“ ist. In der Summe gebrauchen derzeit etwa ein Prozent der Erwachsenen in Europa das Rauschgift täglich. Vorwiegend sind es junge Männer, von denen sich im Lauf der Zeit ein immer größerer Teil in medizinische oder psychotherapeutische Behandlung begibt. „Insgesamt ist festzustellen,“ so die EBDD, „dass jeder durch die Stabilisierung der Präferenz hervorgerufene Optimismus durch die Erkenntnis getrübt werden muss, dass diese Droge nach wie vor ein ernsthaftes Problem für die öffentliche Gesundheit darstellt.“

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Quelle: F.A.Z.

 
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