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Erpressungsfall Flick Es wurde doch Lösegeld gezahlt

03.12.2009 ·  Nach jetzigem Ermittlungsstand gilt ein ungarischer Rechtsanwalt als Drahtzieher beim Diebstahl des Sarges von Milliardär Friedrich Karl Flick. Außerdem sei entgegen der Aussage eines Sprechers der Familie doch Lösegeld gezahlt worden, erklärten die Ermittler.

Von Reinhard Olt, Wien
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Ein ungarischer Rechtsanwalt gilt nach jetzigem Ermittlungsstand als Drahtzieher beim Diebstahl des Sarges des Milliardärs Friedrich Karl Flick im November 2008 aus der Familiengruft auf dem Friedhof von Velden am Wörthersee in Kärnten. Das gab der Budapester Polizeipräsident Gábor Tóth am Mittwoch bekannt. Demnach ist die ungarische Polizei aufgrund von E-Mails, die aus einem Hotel nahe dem Budapester Ostbahnhof versandt wurden, diesem und einem seiner Komplizen auf die Spur gekommen. Am Sargraub selbst waren vier Personen beteiligt, ein Ungar und drei Rumänen. Der Ungar erhielt 200.000 Forint (739 Euro) dafür, dass er den Sarg mit einem Kleinlastwagen nach Budapest schaffte. Ermittler in Österreich und Ungarn hatten nach Angaben Ernst Geigers vom Bundeskriminalamt in Wien, der bei der Pressekonferenz in Budapest anwesend war, „seit April laufend Kontakt“ zu den Tätern. Geiger führte aus, dass es sich um einen Erpressungsfall handele; die Erpresser hätten „zweimal Geld von der Familie erhalten, jeweils 100.000 Euro“. Insgesamt hätten die Kriminellen sechs Millionen Euro gefordert.

Vier Personen befinden sich noch auf freiem Fuß

Er strafte damit Aussagen eines Sprechers der Familie Lügen, der am Dienstag „jedwede Zahlung definitiv“ in Abrede gestellt hatte. Der Budapester Polizeipräsident widersprach auch Meldungen, wonach sechs Beteiligte festgenommen worden seien: Vier Personen befinden sich noch auf freiem Fuß. Nach Angaben Geigers lief die Erpressung bereits seit Dezember 2008. Damals habe ein in englischer Sprache verfasster Brief die Familie Flick erreicht: „Ich bin der Boss der Grabräuber. Seien Sie unbesorgt, der Sarg ist unbeschädigt. Sie dürfen nicht die Polizei rufen. Sie müssen uns bezahlen. Das ist Ihre einzige Chance.“

Der innere, verlötete Sargteil ist nach Tóths Angaben am 18. November unversehrt im zweiten Budapester Stadtbezirk gefunden worden, den äußeren Teil stellte die Polizei am 20. November im zwölften Bezirk sicher. Als der Komplize des Drahtziehers einem Mittäter ebenfalls 200.000 Forint habe übergeben wollen, war ihm jemand gefolgt. Dabei stellte sich heraus, dass es sich um den Mitarbeiter einer ungarischen Sicherheitsfirma handelte. Diese wiederum sei von einer österreichischen Privatdetektei angeheuert gewesen, die offenkundig im Auftrag der Familie Flick tätig war.

Mehr als ein Jahr seinem mysteriösen Verschwinden ist der Sarg nun wieder in seinem Grab im österreichischen Velden beigesetzt worden. An der neuerlichen Bestattung nahmen neben Flicks Witwe Ingrid Flick und weiteren Angehörigen auch Sicherheitspersonal teil, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA meldete. Im Anschluss war nach Angaben eines Sprechers der Flick-Stiftung eine Trauerfeier im engsten Kreis geplant.

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Jahrgang 1952, politischer Korrespondent für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

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