19.10.2006 · Die wochenlang entführte Stephanie wird vom Land Sachsen keinen Schadenersatz erhalten. Die Eltern der 13jährigen hatten argumentiert, eine Ermittlungspanne der Polizei habe das Leiden ihrer Tochter unnötig verlängert. Aus humanitären Gründen ist das Land jedoch zu Zahlungen an die Familie bereit.
Das Land Sachsen wird im Fall der wochenlang entführten Stephanie keinen Schadenersatz bezahlen. „Die juristische Prüfung hat ergeben, daß der Freistaat nicht schadenersatzpflichtig ist“, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Andreas Schumann, am Donnerstag in Dresden. Er bestätigte damit einen Bericht, wonach entsprechende Verhandlungen gescheitert sind. Nach Angaben Schumanns will sich der Freistaat „aus humanitären Gründen“ dennoch an den Kosten beteiligen, die bei der Behandlung des Mädchens entstehen. Über konkrete Summen sei noch nicht gesprochen worden. Dies solle erst nach Abschluß des Strafprozesses gegen den mutmaßlichen Täter geschehen.
Die damals 13jährige war am 11. Januar 2006 in Dresden auf dem Schulweg entführt worden. Ein vorbestrafter Sexualstraftäter hatte das Mädchen 36 Tage in seiner Gewalt gehalten. Gegen den Beschuldigten beginnt am 6. November vor dem Landgericht Dresden der Prozeß. Die Anklage wirft ihm Geiselnahme, Kindesentziehung und mehr als 30 sexuelle Übergriffe auf das Mädchen vor. Dem Mann droht bei einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren mit anschließender Sicherungsverwahrung.
Die Eltern der mittlerweile 14jährigen verlangen Schmerzensgeld, weil sich durch schwere Ermittlungspannen das Leid ihrer Tochter unnötig verlängert habe. Die Polizei selbst hatte Ermittlungsfehler bei der Suche eingeräumt. Diese führten aus Sicht des Innenministeriums aber nicht dazu, daß der Freistaat zu Schadenersatzzahlungen verpflichtet sei, sagte Schumann. Laut „Spiegel online“ bereitet der Anwalt der Familie nun eine Klage vor. Dem Bericht zufolge hatte der Jurist bei den Verhandlungen ein Vergleichsangebot vorgelegt, wonach rund 160.000 Euro für Therapien sowie 65.000 Euro für Stephanies künftige Berufsausbildung gezahlt werden sollten.