23.12.2008 · Im November hatte die Androhung eines Amoklaufs an einer Erfurter Gesamtschule für die Räumung der Schule gesorgt. Die Polizei ermittelte nun zwei Schülerinnen von 19 und 20 Jahren als Verantwortliche der anonymen Droh-Mail.
Zwei Schülerinnen im Alter von 19 und 20 Jahren sind für die Amoklauf-Drohung an der Erfurter Gesamtschule Ende November verantwortlich. Sie hätten wenige Tage zuvor im Fernsehen einen Film über Amokläufe gesehen und wollten testen, wie ihre Schule auf so eine Bedrohungslage reagiere, sagte Innenminister Manfred Scherer (CDU) am Dienstag in Erfurt. Mit den daraus entstehenden Folgen hätten sie angeblich nicht gerechnet. Die Schule mit 800 Schülern war nach der Droh-Mail kurzfristig geschlossen und mit Hunden durchsucht worden. Seither stand sie Tag und Nacht unter Polizeischutz. Die jungen Frauen haben die Tat am Montag gestanden. Sie sind auf freiem Fuß.
Nach Angaben von Peter Hehne vom Landeskriminalamt konnte die Polizei die Mail zu einer öffentlichen Bibliothek in Erfurt zurückverfolgen. Dort soll sie die 20-Jährige am 24. November von einem Computer mit kostenpflichtigen Internetzugang verschickt haben. Dort verfasst sie am 1. Dezember noch eine zweite Droh-Mail. „Die 19-jährige Freundin, die beim Verfassen der Texte geholfen hat, hat vom Abschicken der Mails angeblich nichts gewusst“, sagte Hehne Die ältere Schülerin habe sich offenbar gegenüber ihrer Freundin beweisen wollen. Über Details der Ermittlungen wollte sich Hehne nicht äußern. „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum mehr“, sagte er knapp.
„Rache und Vergeltung“
In der Mail schrieben die Frauen von „Rache und Vergeltung“ und kündigten eine Gewalttat mit brutalem Vorgehen an der Gesamtschule an. Dass es die Schülerinnen nicht ernst meinten, zeigten erst die Hausdurchsuchungen. Dabei sind nach Angaben von Hehne keine Waffen oder Sprengstoffe gefunden worden.
Nach Bekanntwerden der Drohungen am 25. November war die Schule am nächsten Tag zunächst geschlossen worden. Danach konnten Lehrer und Schüler das Gebäude nur über eine Sicherheitsschleuse betreten. Darüber hinaus wurden mehr als 100 Schüler vernommen und von Freiwilligen auch Speichelproben genommen. Die Polizei hatte zunächst bekanntgegeben, schulintern nach einem 17-Jährigen zu suchen. Für Hinweise wurde eine Belohnung von 2500 Euro ausgelobt.
Wichtiges Signal der Abschreckung
Die Aufklärung der Tat sei ein großer Erfolg für die Polizei, sagte Scherer. In den vergangenen Wochen seien zeitweise etwa 100 Polizisten für insgesamt 5800 Stunden im Einsatz gewesen. Sie hätten unter anderem rund 250 Befragungen ausgewertet. Bei den Ermittlungen habe es sich um „äußerst schwierige Umstände“ gehandelt, da die Mails von einem öffentlichen Computer verschickt wurden. „Dass es trotzdem aufgeklärt werden konnte, ist ein wichtiges Signal und eine Abschreckung für all diejenigen, die über so eine Tat nachdenken“, sagte Scherer.
Kultus-Staatssekretär Kjell Eberhard würdigte das Krisenmanagement, mit dem trotz der „äußerst massiven Gewaltandrohung“ eine Massenpanik unter Schülern und Lehrer verhindert werden konnte. Nach dem Schulmassaker am Gutenberg-Gymnasium vor sechs Jahren mit 16 Opfern reagiert die Stadt äußert sensibel auf solche Vorgänge.
Ob die Schülerinnen an der Gesamtschule bleiben können, soll in den kommenden Tagen geklärt werden. Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Der Strafrahmen dafür ist auf bis zu drei Jahren festgesetzt. Scherer geht jedoch davon aus, dass die Frauen unter das Jugendstrafrecht fallen, bei dem mit milderen Strafen zu rechnen ist.