30.08.2006 · Ein Bekannter des Entführers von Natascha Kampusch will das Mädchen vor einigen Wochen bei einem Geschäftstermin mit Priklopil getroffen haben. Daß es sich dabei um die Vermißte handelte, habe er erst durch Bilder der Polizei erfahren.
Ein Bekannter des Entführers von Natascha Kampusch hat die junge Frau nach eigenen Angaben vor wenigen Wochen vor seiner Firma in Wien gesehen. Bei einem Geschäftstermin Mitte Juli sei Wolfgang Priklopil in Begleitung einer jungen Frau erschienen, die er ihm als Bekannte vorgestellt habe, sagte der ehemalige Geschäftspartner Priklopils, Ernst Holzapfel, bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien. „Sie machte einen fröhlichen, glücklichen Eindruck.“ Daß es sich um die mehr als acht Jahre Vermißte gehandelt hat, erfuhr er erst durch Bilder der Polizei.
Erst vergangene Woche hat Holzapfel die Begleiterin von Wolfgang Priklopil bei der Vernehmung durch die Polizei auf Fotos als Natascha Kampusch wiedererkannt. „Ich bin fassungslos über die Tat“, sagte er. Seinem ehemaligen Geschäftspartner habe er „so etwas Entsetzliches nie zugetraut“. Den Täter beschrieb der Zeuge auf der Pressekonferenz als „freundlich und hilfsbereit. Er wollte nie im Vordergrund stehen und hat sich nie aufgedrängt. Er war sparsam, aber nie geizig.“
Keine Zweifel am Geschäftspartner
Holzapfel betrieb mit Priklopil über einige Jahre hinweg gemeinsam eine Immobilienfirma, die Sanierungs- und Umbauarbeiten vornahm. Ihn habe Priklopil auch nach Nataschas Flucht vor einer Woche angerufen und um Hilfe gebeten. Holzapfel schilderte die Stunden mit dem Entführer: „Er war sehr aufgeregt. Er erzählte mir, er sei in angetrunkenem Zustand vor einer Polizeikontrolle davon gefahren. Er sagte, die nehmen mir den Führerschein weg.“ Er habe ihn beruhigt und ihm gesagt, er müsse sich der Polizei stellen. „Da ich ihn als korrekten Menschen kenne, hatte ich keine Zweifel, daß er das tun würde.“
Am vergangenen Mittwoch gelang der jungen Frau laut Polizei die Flucht. Priklopil hatte sich Stunden später vor einen Zug geworfen. Inzwischen setzte die Polizei auch die Ermittlungsgespräche mit Natascha Kampusch fort. Über den Inhalt solle jedoch Stillschweigen gewahrt werden, kündigten die Ermittler an. Kampusch selbst hatte in einem spektakulären Appell zu Beginn der Woche gebeten, ihre Privatsphäre zu wahren.