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Entführung nach Afghanistan Spannend bis zuletzt

24.08.2007 ·  Vor neun Monaten wurde der erst zehn Jahre alte Timur von seinem Vater nach Afghanistan entführt. Dieser wollte so die Mutter erpressen. Nun fand das Drama ein glückliches Ende - ohne die Hilfe von Bundeswehr oder von hohen Beamten.

Von Michael Hanfeld
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Ein zehnjähriger Junge, der nach Afghanistan entführt worden war, ist am Donnerstagabend zurück nach Deutschland gekommen. Nach neun Monaten Geiselhaft nahm ihn seine Mutter am Münchner Flughafen überglücklich in Empfang. Der Vater des Jungen, Mohammad Rahimi, ein fünfundfünfzigjähriger Usbeke mit deutschem Pass, hatte seinen Sohn Timur entführen lassen, um seine Frau zu erpressen.

Gelöst wurde der Fall durch die hartnäckigen Ermittlungen der Münchner Mordkommission 11 und mit Hilfe des ehemaligen Bundeswehrarztes Reinhard Erös, der in Afghanistan die Hilfsorganisation „Kinderhilfe Afghanistan“ betreibt und im umkämpften Süden des Landes Schulen baut. Er schleuste den Jungen von Afghanistan über Pakistan nach Deutschland.

Weder Bundeswehr noch hohe Beamte beteiligt

„Das war spannend bis zur letzten Minute, bis die Maschine in Peshawar abhob“, sagt der Flüchtlingshelfer Erös. Die Befreiung des Jungen dauerte insgesamt drei Wochen. Timur lebte im Nordwesten Afghanistans, in Andkhoy, einem Gebiet, das von der Bundeswehr kontrolliert wird. Über Kabul und den Khyber-Pass gelang unter abenteuerlichen Umständen die Flucht in den Norden Pakistans. Von der Provinzhauptstadt Peshawar aus konnte Timur nach Deutschland fliegen.

An der Befreiung waren weder die Bundeswehr noch hohe Beamte beteiligt. Es war die Arbeit der Ermittler und ihres Unterstützers von der „Kinderhilfe“. Die Rettung sei eine Privatinitiative der Polizisten und ihm selbst gewesen, sagte Erös. Sogar die rund 11.000 Euro, welche die Bemühungen um Timurs Freilassung gekostet haben, wurden privat aufgetrieben - zur Hälfte haben die Ermittler der Münchner Mordkommission die Summe aus eigener Tasche aufgebracht.

Erst mit Verhaftungen kam Bewegung in die Sache

Timurs Vater hatte seinen Sohn in Usbekistan entführen und über die Türkei nach Afghanistan verschleppen lassen, um die Mutter zur Heirat zu zwingen. Auch sollte sie zu ihm und seinem Familienclan nach München ziehen. Die dreißig Jahre alte Ärztin hatte sich geweigert, Rahimi zu folgen, als er aus Usbekistan ausgewiesen wurde. Um ihren Sohn wiederzubekommen, beugte sie sich der Erpressung, verließ ihre Heimat Usbekistan, heiratete den Mann, der als Clanchef gilt, Anfang des Jahres in Dänemark und folgte ihm nach München.

Ihren Sohn aber gab er ihr nicht heraus. Erst dann wandte sie sich an die Polizei. Die Ermittler der Münchner Kriminalpolizei fanden tatsächlich heraus, wo Timur versteckt gehalten wurde. Als vier Mitglieder des Clans in München wegen Beihilfe zur Geiselnahme verhaftet worden waren, kam Bewegung in die Sache. Die Ermittlungen gegen den schwer erkrankten Vater Timurs, der im Münchner Gefängnis Stadelheim inhaftiert ist und gesagt hatte, er werde den Aufenthaltsort seines Sohnes bis zu seinem Tod für sich behalten, laufen weiter. Der zehnjährige Timur ist nach Angaben der Münchner Polizei wohlauf.

Quelle: F.A.Z., 25.08.2007, Nr. 197 / Seite 7
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