11.01.2009 · Die Freude über den gelungenen Coup währte nur kurz: Zwar hatten die somalischen Piraten ein hohes Lösegeld für den Öltanker Sirius Star erhalten, doch bevor sie mit ihrer Beute das Land erreichten, kenterte ihr Boot.
Die Piraten glaubten sich bereits in Sicherheit, sie hielten ein hohes Lösegeld in Händen, dann kenterte ihr Schnellboot auf stürmischer See. Nur vier der neun Seeräuber konnten sich an Land retten. Dabei hatte der Abschluss des bisher größten Coup der Piraten vor der somalischen Küste zunächst eher an einen erfolgreichen Streich in James Bond-Manier erinnert.
Aus einem Hubschrauber wurde ein Fallschirm mit dem Lösegeld, das nach unbestätigten Berichten drei Millionen Dollar (2,2 Millionen Euro) betrug, an Bord des saudischen Supertankers „Sirius Star“ geworfen, den die Seeräuber Mitte November vor der kenianischen Küste gekapert hatten. Die Piraten zählten die Beute und verließen das Schiff, das am Samstag mit der 25-köpfigen Besatzung internationale Gewässer erreichte. Doch während die Seeleute des mit zwei Millionen Barrel Rohöl beladenen Supertankers den glücklichen Ausgang der zweimonatigen Gefangenschaft gefeiert haben dürften, konnten sich die Seeräuber nicht lange an der Beute freuen.
Fischen nach Lösegeld
Im Ölministerium von Riad herrscht nun womöglich eine gewisse Schadenfreude über das Schicksal der Piraten. Während der eine oder andere vielleicht gar eine Strafe Allahs vermutet, ist unklar, wie viel Geld von der See verschlungen worden ist. Fischer in den nahe gelegenen Küstenorten dürften ihre Netze jetzt auch nach den verschwundenen Dollars auswerfen. Und Strandgut-Sammler haben sicherlich Hochkonjunktur, seit am Wochenende im Küstenort Hobyo Plastikbeutel mit Dollarbündeln an Land geschwemmt wurden.
Unmut dürfte der Verlust zumindest eines Teils der Millionenbeute bei den Vermittlern ausgelöst haben, die zwei Monate lang die Verhandlungen mit den Schiffseignern über das Lösegeld geführt hatten. Nach den somalischen Piratenregeln steht ihnen der gleiche Anteil zu wie den am Überfall beteiligten Seeräubern, die in ihren Heimatdörfern wegen des illegal angehäuften Reichtums in der Regel bewundert und als Stütze der örtlichen Wirtschaft des Krisenstaates betrachtet werden.
Kein Ende der Piraterie
So herrscht wohl nicht nur in den Familien der ertrunkenen Piraten Trauer - es sei denn, die Küstenbewohner haben am Strand unverhoffte Reichtümer aus dem angeschwemmten Lösegeld gefunden. Die Einsicht „Unrecht Gut gedeiht nicht“ dürfte sich aber dennoch nicht durchsetzen. Schließlich werden die Einnahmen allein aus den Lösegeldern des vergangenen Jahres auf 150 Millionen Dollar geschätzt. Und der nasse Tod gehörte schon immer für die auf Seeräuberei „umgestiegenen“ Fischer zum Berufsrisiko.
Derzeit patrouillieren Kriegsschiffe aus verschiedenen Ländern, darunter aus Deutschland, im Golf von Aden und sollen für Sicherheit sorgen. Das von Bürgerkrieg zerrissene Somalia hat seit 1991 keine funktionierende Regierung und keine eigene Küstenwache.
Gerechtigkeit
Alexis Schweitzer (alexisschweitzer)
- 12.01.2009, 08:44 Uhr