06.11.2009 · Im Prozess gegen Alexander K., der Vater und Mutter hat, hat die Schwester des Angeklagten ausgesagt. Sie wurde ausgezahlt, als der Bruder den Hof übernahm. Der Landwirt soll über Jahre „aufs schärfste schikaniert, ausgebeutet und gedemütigt“ worden sein.
Von Karin TruscheitDer Vorsitzende Richter schaut böse. Er versucht es zumindest. „Schaue ich jetzt böse?“, fragt er Susanne B. Doch Susanne B. zuckt nur mit den Achseln und fragt, was denn das Ganze solle. Zuvor hat sie vor Gericht ausgesagt, dass ihr Bruder, der Alexander, ihren Vater beim Mittagessen immer so „bös“ angeschaut habe. Jawohl, das sei ihr aufgefallen. Und dass er oft mit den Eltern gestritten habe. „Kurz nach der Tat haben Sie aber gesagt, das Verhältnis sei gut gewesen“, hält ihr der Richter vor. Danach sei sie dann mit den Beschuldigungen „schnell bei der Sache“ gewesen. Sie habe auch nicht mehr richtig gewusst, was sie jetzt sagen solle. „Dann muss man halt den Mund halten und bei der Wahrheit bleiben.“
Während seine Schwester aussagt, atmet Alexander K. auf der Anklagebank mehrmals tief durch. Seit Donnerstag muss sich der 35 Jahre alte Landwirt aus dem bayerischen Penzing vor dem Augsburger Landgericht wegen Mordes an seinen Eltern verantworten. Seit Monaten habe er mit seinen Eltern um die Frage „Milchwirtschaft oder Ackerbau?“gestritten, sagt die Staatsanwaltschaft. Schon am ersten Prozesstag hatte er gestanden, die Eltern am 4. Januar 2009 mit der Axt erschlagen zu haben - erst die Mutter, dann den Vater. Anschließend habe er die leblosen Körper in die Jauchegrube neben dem Kuhstall geworfen. Eine Stimme habe ihn seit Monaten gepeinigt und ihm die Tat befohlen. „Das sind nicht deine Eltern. Bring’ sie um!“
Verwandtschaft hat sich über „Jahre durchgefressen“
Ob denn ihr Bruder schon früher mal aggressiv gewesen sei, fragt der Vorsitzende Richter die Schwester, die auch Nebenklägerin ist. „Ich schmeiß’ dich jetzt vom Hof“, habe er sie einmal bedroht, 2008 sei das gewesen. Warum? Daran kann sich Susanne B. nicht mehr erinnern. Ein anonymes Schreiben an das Gericht, das dieser Zeitung vorliegt, bietet eine Lösung an: „Alexander wurde über Jahre aufs schärfste schikaniert und gedemütigt und ausgebeutet.“ Die gesamte Verwandtschaft, Onkel und Tanten, seien ständig auf den Hof gekommen und hätten sich bedient: Milch, Holz, frische Eier, Fleisch. Über „Jahre durchgefressen“ hätten sie sich auf dem Hof.
Als „vergessenes Kind“ bezeichnet ein Freund Alexander K. So hätten seine Eltern sich kaum um den Jungen gekümmert, hätten vergessen, ihn auf eine normale Schule zu schicken. Stattdessen besuchte er die Hilfsschule und wurde dann zum Landwirt ausgebildet. 2003 übernahm er den Hof vom Vater. Die Eltern behielten lebenslanges Wohnrecht, die Schwester wurde ausbezahlt. Sie bekam auch ein Grundstück und baute ein Haus für sich und ihre Familie darauf. Ihr Bruder half dabei.
Motorradclub die einzige Abwechslung
Auf seinem Hof hingegen bestimmte weiter der Vater. Nur geschuftet habe Alexander, heißt es in dem anonymen Schreiben. Seine einzige Abwechslung war der Motorradclub. Als Sonja G., die Freundin von Alexander K., samt gemeinsamer Tochter auf den Hof zog, bekam sie eine „Abstellkammer“. Eltern und Schwester hätten sie tyrannisiert, heißt es. Die Frau zog wieder aus, die Beziehung indes besteht bis heute.
„Haben Sie Kontakt zu Sonja G.?“, fragt der Vorsitzende Richter die Schwester des Angeklagten. „Nein, wir sind fremd miteinander.“ Dann erinnert der Richter sie aber daran, dass Sonja G. sich an die Zeugenbetreuungsstelle des Gerichts gewandt hat, weil Susanne B. sie bedroht und belästigt habe. „Sie geben ihr offenbar die Mitschuld an dem Verbrechen“, sagt der Vorsitzende Richter. „Die hat doch immer ein Haus gewollt“, sagt Susanne B. dazu.
Irgendwann hat er dann für Remedur gesorgt.
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 07.11.2009, 19:36 Uhr