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Sonntag, 12. Februar 2012
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Einbruchserie in Hollywood Mit geklauten Klunkern der Stars

07.02.2010 ·  Paris Hilton, Orlando Bloom und Megan Fox sind prominente Opfer der Diebesbande „Bling Ring“. Die jungen Einbrecher wollten ihren Stars nahe sein und trugen ihre wertvolle Beute stolz zur Schau. Das wurde ihnen nun zum Verhängnis.

Von Christiane Heil, Los Angeles
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An wohl keinem Ort der Welt liegen Phantasie und Wirklichkeit so dicht beieinander wie in Los Angeles. Doch der 19. Dezember 2008 ließ selbst für eine seiner prominentesten Bewohnerinnen die Grenze zwischen Show und Wirklichkeit noch stärker verschwimmen.

Während Paris Hilton damals auf der Geburtstagsparty von Sängerin Christina Aguilera unter dem Motto „Uhrwerk Orange“ bis in die frühen Morgenstunden tanzte, räumte eine Jugendbande, die aus Kubricks Hollywood-Schocker stammen könnte, ungestört das Haus der Hotelerbin aus. Als Hilton kurz vor Sonnenaufgang in die Hügel von Sherman Oaks zurückkehrte, fehlten Ringe, Uhren und Halsketten im Wert von fast zwei Millionen Dollar.

„Ich glaube, dass die Täter vorher schon mal bei mir zu Hause waren“, ließ die „Simple Life“-Darstellerin wissen und appellierte an die Einbrecher, den Schmuck, darunter auch ein paar Erbstücke ihrer Großmutter, per Taxi zurückzuschicken. Sofort heuerte das Starlet zudem mehrere Bodyguards an.

Einbruchsvorbereitung auf Klatschseiten

Mit dem unguten Gefühl, dass die Täter ihren Tagesablauf und die Wohnverhältnisse an der Clerendon Road bis ins Detail kannten, lag die eher für gutdotierte Nachtclubauftritte als für intellektuelle Fähigkeiten bekannte Hilton durchaus richtig.

Wie das Los Angeles Police Department ermittelte, gehört die Achtundzwanzigjährige zu den Opfern einer Bande, die in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche Hollywood-Stars gezielt heimgesucht hat. Auf Klatschseiten recherchierten die umtriebigen Jugendlichen, wann ihre Opfer bei Filmpremieren oder Partys feierten, und informierten sich über Internetseiten wie „celebrityaddressaerial.com“, Werbespruch: „Sie bekommen einzigartigen Zugang zu dem Lebensstil, den sich ihr Lieblingspromi leisten kann.“

Sie suchten vor allem Souvenirs

Die Bande scheint den Slogan wörtlich genommen zu haben. Neben dem „It-Girl“ Hilton wurden die ungebetenen Gäste auch bei Schauspielern wie Lindsay Lohan, Megan Fox, Rachel Bilson und Orlando Bloom („Pirates of the Caribbean“) vorstellig.

Die Beute der als „Bling Ring“ oder „Klunkerbande“ berüchtigten Jugendgruppe bestand vor allem aus Souvenirs. Als die Polizei der Bande nach einem anonymen Hinweis im Herbst auf die Schliche kam, fand sie gleich schrankweise Designer-Jeans, Louis-Vuitton-Taschen und Nobeluhren aus dem wohlbestückten Fundus von „Young Hollywood“.

Beute stolz zur Schau getragen

Seit in Los Angeles vor einigen Wochen der Prozess gegen sechs Mitglieder des „Bling Ring“ begonnen hat, wird in Hollywood über den ausufernden Starkult mindestens ebenso heftig diskutiert wie über die Taten der Jugendlichen selbst.

„Sie haben das als Spaß betrachtet, eine Art Adrenalinstoß“, meint Brett Goodkin vom Los Angeles Police Department. Als Motive für die Einbrüche nennt Goodkin „Prominentenwahn und Habgier“. So wurde die Beute mit einem Wert von mehreren Millionen Dollar auch nicht verkauft, sondern stolz zur Schau getragen – fast als wären die Bandenmitglieder Teil der so geschätzten Hollywood-Kultur.

Als die Polizei im Oktober die Wohnung der vermeintlichen Anführerin Rachel Lee durchsuchte, fand sie Kleidungsstücke aus Hiltons Villa mitsamt privaten Fotos, die das Starlet halbnackt zeigen. Ein Gemälde, das im Juli 2009 beim Einbruch in Blooms Haus entwendet wurde, tauchte an der Badezimmerwand eines weiteren Verdächtigen auf.

„Best dressed“ - an Mitteln fehlte es nicht

An Realitätssinn und Unrechtsbewusstsein der sechs „Bling-Ring“-Mitglieder dürften die Ermittlungsbehörden aber bei der Vernehmung von Courtney Ames vor einigen Wochen gezweifelt haben. Die Neunzehnjährige erschien bei der Polizei tatsächlich mit einer Kette, die ursprünglich den Hals von Lindsay Lohan geschmückt hatte. Was früher ein Autogramm des Lieblingsstars war, scheint spätestens durch die „Klunkerbande“ zu einem Luxusartikel mit ein bisschen Prominenten-Patina mutiert zu sein.

Dass es bei den Diebestouren eher um ein Stück Glamour als um die Aufbesserung des Taschengeldes ging, lassen schon die bequemen Lebensumstände ihrer sieben Mitglieder ahnen. Im noblen Calabasas in der Nachbarschaft von Malibu und den Hollywood Hills fielen Rachel Lee und Nicholas Prugo an der High School des Ortes vor allem wegen ihrer edlen Autos und noch edleren Outfits auf.

Da die beiden neunzehnjährigen Köpfe der Bande ihre Vormittage lieber am nahen Zuma Beach als im Klassenzimmer verbrachten, mussten sie jedoch bald an die Förderschule Indian Hills wechseln. Ihrem Faible für teure Designerkleidung tat die Versetzung aber keinen Abbruch: Das Schuljahrbuch 2007 lobt Lee als „Best dressed“.

Einbruchsopfer „am Boden zerstört“

Den ersten gemeinsamen Auftritt absolvierte das Duo zwei Jahre später vor einer Überwachungskamera im Haus von Audrina Patridge, Darstellerin der Realityshow „The Hills“. Das Video, das Patridge am Tag nach dem Einbruch ins Internet stellte, zeigt, wie Lee und Prugo mit einer anschwellenden Umhängetasche durch die Villa in den Hollywood Hills schlendern, während die Hausherrin bei einer Oscar-Party feiert.

„Ich bin am Boden zerstört“, schrieb Patridge ihren Fans. „Die meisten gestohlenen Gegenstände sind ersetzbar, aber die Diebe haben auch ein paar sehr persönliche Dinge mitgenommen.“

Verehrungskult um Prominente

Der Starkult hat offenbar in Kalifornien längst religiöse Züge angenommen. Zu den gängigen Ritualen zählt dank endloser Preisverleihungen der Gang über den roten Teppich ebenso wie der unermüdliche Charity-Einsatz höherer Mächte wie George Clooney, Brad Pitt & Co. Wie die Erdbebenkatastrophe von Haiti wieder gezeigt hat, vermag niemand den Klingelbeutel schneller zu füllen als Hollywood.

Nach Forschungen des Psychologen James Houran sind Jugendliche wie die Mitglieder des „Bling Ring“ dabei besonders anfällig für die überzogene Verehrung von Hollywood-Idolen. Auf der Suche nach der eigenen Identität böten die Stars den jungen Eiferern eine ideale Projektionsfläche. Hochglanzmagazine, Internetportale und soziale Netzwerke vermitteln den Fans zudem den Eindruck, ihrem Prominenten ganz nah zu sein.

Bandenmitglieder drangen ins Showbusiness vor

Auch die Mitglieder der „Klunkerbande“ haben immer wieder versucht, in den Orbit von Paris Hilton und Lindsay Lohan vorzustoßen. Wie die sechs der Polizei erklärten, hätten sie daher die wegen ihrer Promi-Dichte bekannten Clubs wie „Les Deux“ oder das Sushi-Restaurant „Miyagi’s“ am Sunset Boulevard besucht.

Bandenmitglied Alexis Neiers, die zugegeben hat, an dem Einbruch in Blooms Haus beteiligt gewesen zu sein, schien der Sprung ins Showbusiness auch zu gelingen. Mit ihren Schwestern Gabrielle und Tess, einem Playboy-Model, drehte sie im Oktober gerade eine Realityshow, als die Polizei die Achtzehnjährige am Set in Los Angeles festnahm. „Sie wurde da einfach hineingezogen“, sagt Vater Mikel Neiers über seine Jüngste. „Ich bin ganz sicher, dass die Anklage gegen sie fallengelassen wird.“

Auch Tom Cruise oder Jack Nicholson hätte es treffen können

Nach den ersten Prozesstagen scheint Mikel Neiers’ Prognose jedoch etwas zu optimistisch. Nicholas Prugo hat inzwischen ein Geständnis abgelegt und seine mutmaßlichen Komplizen Courtney Ames, Alexis Neiers, Dianna Tomayo, Roy Lopez Jr. und Jonathan Ajar schwer belastet. Alle müssen mit mehrjährigen Gefängnisstrafen rechnen.

Wie der wegen Kokainbesitzes vorbestrafte 19 Jahre alte Prugo aussagte, habe allerdings besonders Rachel Lee die „Klunkerbande“ inspiriert. Obwohl die Staatsanwaltschaft mangels Beweisen anfangs keine Anklage gegen Lee erhoben hatte, ging auch ihr jetzt ein Haftbefehl zu. Die junge Frau soll demnach auch Tom Cruise, Jennifer Aniston, Jack Nicholson und die Beckhams auf der Liste potentieller Opfer gehabt haben.

Da die Polizei bei Hausdurchsuchungen in Calabasas und Las Vegas neben dem Diebesgut zudem drei Schusswaffen und große Mengen Rauschgifte gefunden hat, freut sich Los Angeles auf eines der beliebten langen Gerichtsverfahren. Während der Staatsanwalt noch an den einzelnen Anklagepunkten für den „Bling Ring“ feilt, dürfte das Drehbuch zum Prozess schon längst geschrieben sein – für einen Kinofilm oder mindestens eine Realityshow.

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