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Sonntag, 19. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Ein Jahr nach Amoklauf in Winnenden Köhler: Zugang zu Waffen weiter einschränken

11.03.2010 ·  Vor einem Jahr erschoss ein 17 Jahre alter Schüler in Winnenden 15 Menschen und sich selbst. Hunderte Menschen säumten heute die Straßen in einer Menschenkette, um der Opfer zu gedenken. Bei der zentralen Gedenkfeier für die Opfer richtete Bundespräsident Horst Köhler mahnende Worte an die Medien.

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Bei einer zentralen Gedenkfeier ein Jahr nach dem Amoklauf von Winnenden hat Bundespräsident Horst Köhler weitere Beschränkungen für den Zugang zu Waffen gefordert. In seiner Rede sagte er: „Es kann auch viel geschehen - noch mehr als bisher - damit gefährdete Menschen nicht an Schusswaffen gelangen und Schulen und ähnliche Orte noch besser vor Anschlägen geschützt sind.“

Am 11. März 2009 hatte ein 17-jähriger ehemaliger Schüler an der Albertville-Realschule acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen erschossen. Auf seiner Flucht tötete er drei weitere Menschen und sich selbst. Die Waffe hatte er unverschlossen im Schlafzimmer seiner Eltern gefunden.

Bundespräsident Köhler kritisierte in seiner Ansprache auch die Medien-Berichterstattung über schwere Verbrechen wie Amokläufe. „Wir brauchen klar definierte Berichterstattungsregeln, die gemeinsam mit den Medien erarbeitet werden; wir brauchen einen medienübergreifenden Pressekodex im Geist der Prävention.“ Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass detaillierte Berichte über die Täter Nachahmer auf den Plan riefen.

Stilles Gedenken

Um Punkt 9.33 Uhr, als der Täter vor einem Jahr die Schule stürmte, hatten bereits Schüler, Lehrer und Hinterbliebene am Donnerstag der 15 Opfer der Bluttat gedacht, indem sie eine Menschenkette an der Albertville-Realschule bildeten. Zugleich läuteten alle Kirchenglocken. In der Innenstadt verließen zahlreiche Menschen die Geschäfte und gesellten sich zu den Passanten, die auf den Straßen stehen blieben und im Gedenken verharrten.

Zuvor waren rund 900 Schüler mit Lehrern und Hinterbliebenen in einer Halle gegenüber der Schule zum stillen Gedenken unter Ausschluss der Öffentlichkeit zusammengekommen. Nach Angaben eines Teilnehmers wurden auf einer Videoleinwand Bilder aus dem Leben der Opfer gezeigt und Gedichte vorgetragen. Das Land hat für den ersten Jahrestag des Amoklaufs an öffentlichen Gebäuden Trauerbeflaggung angeordnet. Der Veranstaltungsort ist weiträumig abgesperrt, 300 Polizisten sind im Einsatz, viele von ihnen in ziviler Kleidung.

Erinnerungssteine

Bei der Gedenkfeier soll für jedes Opfer eine Gedenkplatte aus Stein gelegt werden, so dass diese einen Kreis bilden. Daran soll sich ein „Weg in die Zukunft“ aus Steinen anschließen. Auf die Steine können Botschaften geschrieben werden. Auch Bundespräsident Köhler und Ministerpräsident Stefan Mappus wollen jeweils einen Stein dazu beitragen.

Schulleiterin Hahn sagte: „Die Aufgabe ist es, aus einer völlig sinnlosen Tat etwas Sinnhaftes zu gestalten. Der Täter darf nicht über uns siegen.“ Sie fügte hinzu: „Wir wollen um die Menschen, die uns alle sehr nahe standen, trauern und sie in unseren Herzen bewahren. Zum anderen ist es auch wichtig, dass wir an diesem Tag Kraft schöpfen für die Zukunft und uns den Ruck geben, dass es weitergehen muss.“

Waffengesetz bisher nicht bewährt

Zu den Lehren, die aus dem Verbrechen gezogen werden sollten, gehört nach Ansicht Hahns mehr Aufmerksamkeit für die Ursachen solcher Taten, „so dass man die Möglichkeit hat, viel früher mit einer Therapie zu beginnen“. Hahn sagte: „Ich denke, dass der Täter psychisch krank war, aber da gibt es noch keine abschließende Erkenntnisse.“ Zu den politischen Konsequenzen sagte Hahn: „Im Waffenrecht würde ich mir ein Zeichen gegen großkalibrige Waffen wünschen.“ Man brauche auch keine Killerspiele für junge Menschen. „Denn sie tragen zu ihrer Verrohung bei.“

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, sagte in Berlin, das nach der schrecklichen Tat auch unter dem Druck der Öffentlichkeit schnell verschärfte Waffengesetz habe sich bisher nicht bewähren können. Dazu seien einige Regelungen viel zu praxisfremd. Der Gewerkschaftschef erklärte: „Zwar dürfen jetzt die zuständigen Behörden bei Waffenbesitzern unangemeldet die sichere Aufbewahrung der Waffen überprüfen, doch klafft eine erhebliche Personallücke, um dies auch praktisch umsetzen zu können.“ Auch stehe die tatsächliche Einführung eines Waffenzentralregisters wohl noch lange aus. „Es ist mir unverständlich, dass die Verantwortlichen dies offenbar so schleifen lassen.“ Es könne Leben retten, wenn die Polizei sehr schnell wisse, ob sich an einem Tatort oder bei einem Täter legale Waffen befänden.

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