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Ehrenmord-Prozeß Die Zeugin wird zermürbt

26.09.2005 ·  Die Vernehmung der Zeugin Melek A. im „Ehrenmord“-Prozeß in Berlin sorgt für Aufruhr. Die Aussage der 18 Jahre alten Frau belastet alle drei Brüder der ermordeten Hatin Sürücü.

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Die Verteidiger der mitangeklagten Brüder Sürücü haben am Montag vor dem Berliner Landgericht die Vernehmung der Zeugin Melek A. fortgesetzt. Die 18 Jahre alte Frau war vor dem Mord, den die drei Brüder gemeinschaftlich an ihrer Schwester Hatin begangen haben sollen, einige Wochen lang mit Ayhan Sürücü befreundet gewesen, der zu Beginn des Verfahrens die Tötung seiner Schwester allein auf sich genommen hatte.

Die Verteidigung suchte die Aussagen von Melek A. zu erschüttern. Diese hatte alle drei Brüder erst vor der Polizei, dann in der Hauptverhandlung bezichtigt, die Tat an der Schwester gemeinsam geplant und vollzogen zu haben; ihr Freund Ayhan hat nach eigenen Angaben geschossen, der Bruder Mutlu soll die Waffe besorgt, der Bruder Alpaslan Schmiere gestanden haben.

Streit um die Schuldfrage

Die beiden Brüder bestreiten jede Tatbeteiligung; Alpaslan Sürücü beschimpfte am Montag die Presse („Ihr seid die größten Arschlöcher!“) und die Zeugin: „Ich krieg' ,lebenslänglich', und du hast den ,Eindruck'!“ schrie er, nachdem sie auf Befragen dreimal gesagt hatte, am Tag nach der Tat sei ihr Alpaslans Ton gegenüber dem Schützen Ayhan „bewundernd“ vorgekommen.

Alpaslans Verteidiger gab der Zeugin zu bedenken, sein Mandant führe einen westlichen Lebensstil, seine Frau trage kein Kopftuch, der Sohn habe einen „internationalen“ Namen - Mikhail -, und für sein Verhalten und seine Äußerungen nach der Tat könne es auch eine harmlose Deutung geben. Für ihn stehe viel auf dem Spiel, er sei des Mordes angeklagt.

Die Rechtsanwältin der Zeugin - sie steht unter Zeugenschutz und befindet sich in psychotherapeutischer Behandlung - sagte, die Beweiswürdigung sei Aufgabe des Gerichts, nicht der Verteidiger. Mutlus Verteidiger fragte, was Melek A. eigentlich „zuverlässig sagen könne, außer dem, was Ayhan ihr erzählt“ habe. Es könnte sie erleichtern zu glauben, nicht die einzige Mitwisserin gewesen zu sein. Schließlich habe sie die Tat nicht verhindert.

Quelle: mk. / F.A.Z., 27.09.2005, Nr. 225 / Seite 11
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