Schwere Krawalle haben in der Nacht zu Sonntag das Schanzenfest, ein alljährlich stattfindendes Straßenfest im Hamburger Schanzenviertel, überschattet. Nach Behördenangaben lieferten sich bis zu 1000 Linksautonome über mehrere Stunden heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Insgesamt seien 67 Randalierer vorläufig festgenommen worden, 18 weitere kamen in Gewahrsam.
Bereits in den vergangenen Jahren war es im Anschluss an das Schanzenfest rund um den Autonomentreff „Rote Flora“ zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Das als Szenetreff beliebte Schanzenviertel liegt im Hamburger Stadtteil St. Pauli.
Polizeisprecher Ralf Meyer sprach von einem „hohen Aggressionspotential“. Von einer außergewöhnlichen Dimension der Gewalt wollte er in einer ersten Bilanz jedoch ausdrücklich nicht sprechen. „Es waren heftige Ausschreitungen“, doch es sei „Haarspalterei“ darüber zu streiten, ob sie gewalttätiger gewesen seien als in den Vorjahren. Auffällig sei aus Polizeisicht jedoch gewesen, dass sich einige der Randalierer offenbar gezielt auf Ausschreitungen vorbereitet hätten. Bei zwei Festgenommenen aus Berlin habe man „Utensilien“ gefunden, aus denen sich Molotowcocktails oder Brandsätze herstellen ließen.
Drei verletzte Polizeibeamte
Nachdem tausende Besucher des Straßenfestes zunächst friedlich gefeiert hatten, eskalierte die Situation den Angaben zufolge gegen 21.45 Uhr, als mehrere Randalierer begannen, Polizisten mit Flaschen, Feuerwerkskörpern und Molotow-Cocktails anzugreifen. Die gewaltbereite Gruppe zündete Mülleimer an und setzte einen Streifenwagen in Brand.
Bis in die Nacht kam es insbesondere am Pferdemarkt in der Nähe des Schanzenviertels zu heftigen Konfrontationen. Vermummte bewarfen Wasserwerfer und andere Einsatzfahrzeuge der Polizei mit einem Hagel aus Glasflaschen und anderen Wurfgeschossen. Immer wieder zogen Demonstranten Bauzäune, Müllcontainer und andere Gegenstände auf die Straßen und errichteten daraus Barrikaden. Die Polizei setzte Wasserwerfer und einen gepanzertes Räumfahrzeug ein, um die Barrikaden zu beseitigen. Erst gegen 3 Uhr morgens kehrte in und um das Schanzenviertel weitgehend Ruhe ein.
Drei Beamte mussten mit Schnittverletzungen und Knochenbrüchen ins Krankenhaus, insgesamt wurden 27 Polizisten verletzt. Zu der Zahl der verletzten Randalierer konnte die Polizei keine Angaben machen. Insgesamt waren knapp 1800 Beamte im Einsatz.