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Dienstag, 14. Februar 2012
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Drogenschmuggel Tüten im kleinen Grenzverkehr

06.02.2008 ·  Mädels lügen besser, Schmuggler schlafen lange, und auffällige Autos sind meist nicht verdächtig: Die Kontrollen der Zollbeamten an der Grenze zwischen Deutschland und Holland sind Nadelstiche ins Fleisch der Schmuggler.

Von Alex Westhoff
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7.00 Uhr. Die kleine Kaffeemaschine kommt kaum nach mit der Produktion. Die Zöllner der Mobilen Kontrollgruppe Emmerich rüsten sich für ihren Dienst. Gleich wird jeder ein Reizstoffsprühgerät und eine Waffe samt 31 Schuss am Körper tragen. Lagebesprechung im Containerbau im Industriegebiet von Emmerich: Die 15 Beamten teilen sich in mehrere Teams auf, stimmen sich ab, wo sie heute ihre Kontrollpunkte einrichten werden. „Kaffee ist alle“, ruft jemand den langen Flur hinunter. Esther de Vries, Willi Meyer und Hundeführer Lutz Hanke sollen sich zunächst an der Autobahn 3, an der letzten Ausfahrt vor der holländischen Grenze postieren.

Zwei weitere Beamte, „Schlepper“, werden einzelne Autos aus dem fließenden Grenzverkehr fischen und zum Kontrollpunkt führen. Dieser Abschnitt der A 3 gilt als „Verbrechensschwerpunkt“, Bundespolizei, Landespolizei und Zoll zeigen Präsenz. Vor allem auf geschmuggelte Drogen, Waffen und Plagiate (Textilien, Uhren, Raubkopien) sollen die Fahrzeuge kontrolliert werden. Im Grenzgebiet zu Holland spielt Rauschgift natürlich eine besondere Rolle. Fälle von Zigarettenschmuggel sind hier selten. Damit haben die Kollegen auf der A 2 zu tun, sagt Hundeführer Hanke - „die wird in unseren Kreisen nur Warschauer Allee genannt“.

Kokain? Nein, Streusalz

60 mobile Zollgruppen teilen sich Deutschland auf. Da könne man natürlich nur Nadelstiche setzen, sagt Willi Meyer. Die Emmericher Gruppe ist zuständig für die Kreise Wesel und Kleve, im Süden bis Oberhausen und über die A 57 bis Goch. Die Ausrüstung der kleinen Teams, die mehrmals am Tag ihren Standort wechseln, passt in einen Wagen. Der sieht aus wie ein rollendes Labor. Unter anderem haben die Zöllner ein Gerät dabei, mit dem sie feststellen können, ob ein Fahrer sein Gefährt unerlaubt mit Heizöl statt mit Diesel betankt hat.

7.44 Uhr. Kurz hinter der Autobahnauffahrt Elten/Beek richten die Beamten ihren Kontrollpunkt ein. Ein kleiner asphaltierter Platz vor einer Scheune, eingerahmt von einem Wäldchen. Sprayer haben das Holztor mit Graffiti überzogen. „Das könnte letzte Nacht passiert sein“, sagt Willi Meyer und schiebt das Tor beiseite. Falls es regnet, könnten die Wagenkontrollen drinnen stattfinden. In der Scheune kommt ein mannshoher Berg weißen Pulvers zum Vorschein. Kokain, Heroin? „Streusalz von der örtlichen Straßenmeisterei“, bemerkt Lutz Hanke. Ein Auto passt jetzt nicht mehr hinein. Hoffentlich regnet es nicht.

Bloß keinen Joint zuhause verstecken

7.53 Uhr. Lutz Hanke und Schäferhund Alan treffen ein. Alan kann fünf verschiedene Rauschgifte erschnüffeln. Im Dienst kann er Nichtuniformierte leider gar nicht ausstehen, also besser Abstand halten. Nach Dienstschluss wohnt Alan bei Hanke und seiner Familie zu Hause. Was, wenn seine Kinder einen Joint zu Hause verstecken? „Dann bekämen sie zwei Probleme“, sagt Hanke, „eins mit mir und eins mit dem Hund.“

7.58 Uhr. Ein Schlepper bringt den ersten Wagen, einen etwas zerbeulten Renault, Dortmunder Kennzeichen, mit freundlicher junger Dame am Steuer. Woher kommen Sie? Wohin fahren Sie? Die ersten beiden Fragen sind immer gleich. „Unsere erste Risikoanalyse“, sagt Esther de Vries. „Wir schauen, ob Stimme und Körpersprache zu den Angaben passen.“ Jeder, der an der Grenze von der Autobahn gefischt wird, sei etwas nervös. Aber wer eine Woche an der Nordsee verbracht haben will und weder Koffer noch dreckige Wäsche dabei hat, ist verdächtig. Die junge Dame muss nicht mal den Kofferraum öffnen und tuckert davon.

Stoff in Windeln und Beinprothesen

8.34 Uhr. Jedes Auto sei eine Wundertüte, sagen die Beamten. Von nichts über ein Zehn-Gramm-Haschisch-Tütchen in der Beifahrertür bis zum Kofferraum voll Kokain ist alles möglich. „Aber früher haben wir denen mehr ins Geschäft gespuckt“, sagt Meyer. „Zuletzt ging es meist nur um Kleckermengen.“ Mehrere Kilogramm Heroin oder Kokain hat die Zollgruppe schon länger nicht mehr sichergestellt. Vielleicht jetzt. Ein Holländer und sein kolumbianischer Austauschstudent sitzen im sechsten Fahrzeug, das von der A 3 geholt wird. Sie nutzen den Stopp, holen eine Straßenkarte heraus und erkundigen sich bei den Beamten, ob sie noch auf dem richtigen Weg nach Köln sind. Er wolle seinem Kumpel was von Deutschland zeigen, sagt der Niederländer.

9.19 Uhr. Schmuggler schlafen heute wohl länger. Das wird sich bei dem voll beladenen Passat-Kombi mit Duisburger Nummernschild wohl kaum ändern. Vorne die Eltern, hinten zwei Kleinkinder und die Oma. Drogen oder Waffen dabei? „Nee, wir haben Geschenke in Holland eingekauft“, antwortet die Mutter. Haschisch könne ja auch ein Geschenk sein, entgegnet Esther de Vries. Die Oma schaltet sich von der Rückbank aus ein: „Ich kann Ihnen zeigen, wo in Holland diese Drogen sind. In den Coffie-Shops nämlich.“ Die Beamtin wechselt behutsam das Thema. Nach kurzer Inspektion des Wageninnern ist die Familie entlassen. Hätte man das denn nicht vorher ahnen können, dass in einem Wagen mit drei Generationen einer Familie nichts zu holen sein wird? „Das ist kein Kriterium“, sagt Meyer. „Wir haben schon in Windeln und Beinprothesen Stoff gefunden.“

Was die Beamten erwartet? Sie wissen es nie

10.03 Uhr. Die erste handfeste Auseinandersetzung. Ein niederländischer Student aus Amsterdam in Vaters Mercedes kommt im Schlepptau eines Schleppers zum Kontrollpunkt. Im Wagen finden sich einige Kästen holländisches Bier. „Wie kann man nur“, herrscht Meyer den ängstlich dreinblickenden Jungen an. „Es gibt doch keinen Grund, dieses holländische Zeug nach Deutschland einzuführen - wir haben doch so viele bessere Pilssorten hier.“

10.42 Uhr. So locker wie heute gehe es nicht immer zu, sagen die Beamten. Besonders bei den Kontrollen nachts auf Autobahnparkplätzen. „Man weiß nie, an wen man da herantritt.“ Man müsse immer bedenken, meint Esther de Vries, dass die Leute genau wissen, was sie erwartet: „Nur wir wissen nicht, was uns erwartet.“ Ein weißer Peugeot mit kroatischem Kennzeichen ist der nächste. Aus dem Wagen steigen ein Holländer - grobschlächtig, Elton-John-Brille, rosafarbenes Hemd - und ein Kroate - hünenhaft, kantiges Gesicht, Schlägertyp. Beide machen einen genervten Eindruck, als sie sich vor der Motorhaube aufstellen müssen. Schäferhund Alan wird herangeführt. „Ich verspreche ihnen zu einer Million Prozent, dass wir keine Drogen dabeihaben“, sagt der Kroate in holprigem Deutsch, ohne mit der Wimper zu zucken.

Das ideale Versteck ist leider leer

11.07 Uhr. Knapp eine halbe Stunde stehen die beiden schon vor ihrem Wagen. Angesichts von Alan (von den Kollegen auch schon mal „Alarm“ genannt) flüchtet niemand. „Diesen Jungs traue ich keinen Meter über den Weg“, sagt Hanke. Esther de Vries kontrolliert mit einem Spreizer die Räume zwischen Gummischicht und Glas bei allen Fenstern. Meyer macht sich mit einem Stethoskop auf die Suche nach Unwuchten in den vier Reifen. Den Trick hat er sich bei einem Besuch des Zolls in Schweden abgeschaut. Schmuggler wissen schließlich, dass das Reserverad immer kontrolliert wird. Hanke ist nun ganz in den leergeräumten Kofferraum gekrabbelt. Unter der Rückbank findet er einen in den Boden eingelassenen, mit Brettern verkleideten Hohlraum. Ein ideales Versteck, nur leider leer.

11.15 Uhr. Die beiden stehen noch immer im Zentrum. Hanke holt zwei Tütchen mit Wischtestern herbei. Damit reibt er die Hände der Verdächtigen ein. Es gibt je einen Test für Haschisch, Amphetamine, Kokain und Heroin. Wenn sie zuletzt mit einem dieser Stoffe in Berührung gekommen sind, würde der Test dies sichtbar machen. Der Kokaintest, sagt Hanke später, war bei dem Kroaten positiv. Die Menge sei allerdings so gering gewesen, dass es auch von einer Türklinke oder einem Geldschein stammen könnte. „Basteln wir das Ding wieder zusammen“, sagt Hanke. Der verstreute Kofferrauminhalt wird wieder in den Peugeot geräumt. Unzufriedenheit macht sich bei den Zöllnern aber nicht breit, als das kroatisch-holländische Gespann davonbraust.

„Wir schubsen niemand in den Graben“

11.47 Uhr. Im VW Golf-Kombi eines Schleppers herrscht konzentrierte Aufmerksamkeit. Manfred Purps steht auf dem Parkplatz am Rande der Autobahn, den Grenzverkehr mit dem Fernglas im Blick. Jeder habe ein bestimmtes Raster, wonach er die Wagen aussuche. Von Alleinreisenden gesteuerte Mietwagen würden zum Beispiel gerne für Drogenkurierfahrten benutzt. Passt der Fahrer zum Auto? Was macht er zu dieser Tageszeit an der Grenze?

11.50 Uhr. Der Verkehr, an diesem Grenzübergang auf 70 Kilometer pro Stunde gebremst, zieht gemächlich vorüber. Zeit für eine Anekdote. Vor einigen Monaten habe er sich mit einem Flüchtigen eine Verfolgungsfahrt bis nach Hagen geliefert, mit Unterstützung eines Hubschraubers . . . Weiter kommt Purps mit seiner Erzählung nicht. Er prügelt die Gänge rein, lässt den Motor schreien und donnert hinter der Tankstelle der S-förmigen Autobahnzufahrt entgegen. Der Schlepper hat einen Ford Focus im Visier, mit dem Fernglas hatte er einen Aufkleber der Autovermietung Europcar erspäht. Ein Blick von der Seite in den Ford, ein brutaler Schlenker auf den Standstreifen, Vollbremsung. „Der lohnt sich nicht“, sagt Purps trocken. „Wo war ich stehengeblieben? Ach ja. Den Flüchtigen stellten wir dann mit Hilfe des Hubschraubers am Ufer eines Sees. Wir haben schließlich keine amerikanischen Verhältnisse hier. Wir schubsen niemanden in den Graben.“ Am Ende habe der Verfolgte nur ein Pfund Haschisch dabeigehabt.

Manchmal schneit's auf der Autobahn

12.19 Uhr. Das Leben auf dem Standstreifen gilt ja als gefährlich. So setzt Purps mit Vollgas, den Motor bis zum Äußersten triezend, einem Renault hinterher. „Den nehmen wir mit.“ Der Fahrer hält sich brav an die angeknipste Aufforderung „BITTE FOLGEN“. Der Beamte beobachtet den Renault genau durch den Rückspiegel - viele Drogenkuriere entledigen sich ihres Stoffs im Notfall gerne durch das Fenster. „Ich habe schon einige Male eine Heroin-Wolke auf der Autobahn gesehen.“

12.25 Uhr. Hoppla, da scheint ein sicherer Fund auf die Beamten zuzukommen. Der Flower-Power-VW-Bulli aus Italien wirkt schon aus der Ferne wie eine rollende Kiffer-Hochburg. Aus dem Gefährt mit dem überladenen Kofferraum krabbeln denn auch übermüdete Insassen. Schon vom Geruch, der aus dem Wagen strömt, kann man einen Rausch davontragen. Der Trip der fünf jugendlichen Italiener nach Holland: einmal zudröhnen und zurück. Nur der Fahrer schaut die Beamten aus normal großen Augen aufmerksam an. Die Jungs, sagt Meyer, seien clever genug, nichts aus Holland auszuführen. Auch dort darf man nur fünf Gramm Haschisch erwerben und nur im Coffie-Shop konsumieren. Viele leere Tütchen finden sich in den Rucksäcken der Italiener. „Mit viel Glück kann man aus denen drei, vier Gramm rausschütteln“, brummt Hanke. Dafür lohne es aber nicht, den Bulli zu zerlegen. Sonst gehen Italiener den Beamten häufig ins Netz. Die würden oft bitterlich und theatralisch weinen, erzählt Esther de Vries. Dagegen bleiben Österreicher meist höflich, selbst wenn sie ertappt werden: „Haben Sie es gefunden, Herr Inspektor?“

Kleinkiffer statt fetter Beute

12.46 Uhr. Wechsel zu einem anderen Gespann der Mobilen Zollgruppe aus Emmerich. Die Beamten Herbert Verfürth, groß und kräftig, und Christoph Scherschenewitz, klein und kräftig, haben es auf den Bus der Linie Nimwegen-Wesel abgesehen. Sie postieren sich kurz hinter dem Grenzübergang Wyler am Rande der Bundesstraße 9. „Kleinkiffer aus dem Bus holen“ oder „Kinder erschrecken“ nennen die Zöllner die Einsätze im Bus scherzhaft. Die Emmericher Gruppe kontrolliert aber nicht nur im Straßenverkehr, auch an den „grünen Grenzen“. In Venlo liegen allein zwei Coffie-Shops in Fußweite zur Grenze. „Ameisenverkehr“, aber mit fetter Beute darf man hier nicht rechnen. Einmal gab es 16 Aufgriffe an einem Nachmittag. „Mit der lächerlichen Summe von 100 Gramm Marihuana.“

13.04 Uhr. Pünktlich biegt der Pendelbus Nimwegen-Kleve um die Ecke. „Die Kiffer sitzen immer auf der letzten Bank. Wenn da schon Kiffer sitzen, gehen sie in die vorletzte“, sagt Verfürth. Alle Hoffnungen auf einen Drogenfund an diesem Tag lasten auf dem gelben Gelenkbus. „Irgendeiner sitzt eigentlich immer drin“, meint Scherschenewitz. Der Bus hält, es sitzen kaum Fahrgäste drin. Zöllner und Busfahrer kennen sich hier schon lange, manchmal bekommen die Beamten Tipps. Die Zöllner steigen ein, stellen hier und dort ein paar Fragen. Es ist mucksmäuschenstill. Verdächtig macht sich aber niemand. Die letzten beiden Bänke sind leer.

„Jetzt hab ich was zu erzählen“

13.13 Uhr. Und nun? Viel länger lohne es sich nicht, hier zu stehen, meint Verfürth. „Nach einer Stunde sind wir verbrannt. Dann wissen die da drüben in jedem Coffie-Shop, dass wir hier sind.“ Der höfliche türkische Familienvater, den die Zollbeamten jetzt rauswinken, wusste es noch nicht. Nach kurzer Befragung wird er wieder entlassen. Er habe sich sehr über die Begegnung gefreut, ruft er, „jetzt habe ich zu Hause was zu erzählen“.

13.30 Uhr. Ein älterer Herr in klapprigem Fiat mit schleswig-holsteinischem Kennzeichen. Er sei in Holland nur im Spielcasino gewesen, sagt er. Seine Blicke fliegen zwischen Christoph und Herbert hin und her. „Gute Fahrt“, brummt Herbert. Die Überprüfung der Personalien ergab: Der Mann hatte mal ein Verfahren wegen Scheckbetrugs am Hals. Aber für die Kontrolleure ist nichts zu holen.

Die Auffälligen haben meistens nichts

13.40 Uhr. Kelle raus. Ein tiefer gelegter türkisfarbener BMW mit vier Auspuffrohren stoppt. „Professionelle Schmuggler“, sagt Verfürth, „versuchen in der Regel, unauffällige Wagen zu bekommen.“ Ein junger Mann arabischer Herkunft blafft die Beamten genervt an. Verfürth und Scherschenewitz, immer höflich, bitten den Mann auszusteigen. Schon mal in Kontakt mit Drogen gekommen? „Nee.“ Noch nie? „Nee.“ Der Computer gibt an, dass der Mann schon mal wegen gefährlicher Körperverletzung angezeigt wurde. Das Auto wird inspiziert, der Fahrer abgetastet. Die Hip-Hop-Hose hängt ihm in den Kniekehlen, hinter dem Polizeiwagen fällt sie ganz zu Boden. Auch die weiße Stoffmütze heben die Kontrolleure an. Nach zehn Minuten ist alles vorbei. Der BMW startet mit röhrendem Motor und fast durchdrehenden Reifen. Der Duftbaum „Pfirsichfrisch“ am Rückspiegel wackelt im Takt.

13.48 Uhr. Wann lügen die Leute und wann nicht? „Die Mädels lügen mehr und besser“, glaubt Scherschenewitz und lacht. Verfürth winkt einen Kombi aus Gießen raus. Ein junges Pärchen, riesige Gucci-Sonnenbrillen, lächelt freundlich. Der Kofferraum ist bis zur Dachkante voll. Herbert geht einmal ums Auto herum, lugt mit Hilfe einer Taschenlampe angestrengt hinein. „Weiterfahren!“

Endlich fündig

14.05 Uhr. Der nächste Bus kommt! Neun Fahrgäste an Bord. Die beiden Zöllner konzentrieren sich auf zwei Jungs, die sich hinten schräg gegenüber sitzen. Einer mit kaltem Blick, dünnem Oberlippenflaum, Mütze mit Totenkopfzeichen, blutrünstigem Motiv auf dem T-Shirt, langer silberner Kette. Der zweite trägt Schuhe, Hose und Jacke in dunklem Gelb, sein Käppi ragt weit in sein blasses Gesicht. Der Bus fährt ohne die beiden weiter.

14.09 Uhr. Und siehe da! Keine fünf Minuten, und Scherschenewitz zieht frühstücksbrettchengroße Haschisch-Platten aus den Jackentaschen des Käppi-Trägers. Der junge Schmuggler wird noch blasser. Im Rucksack des Jungen mit der Totenkopfmütze finden sich noch einige Tütchen Stoff. Nun leugnen sie auch nicht mehr, dass sie zusammen unterwegs sind. Aufnahme der Personalien, Belehrung über das Recht, die Aussage zu verweigern, und so weiter. Scherschenewitz wiegt den Fund: 205,5 Gramm Haschisch und Marihuana. Mindestens 800 Euro haben die beiden in Holland für den Stoff bezahlt.

Wiedersehen macht Freude

14.33 Uhr. Der Junge mit der Totenkopfmütze ist 20 Jahre alt, stammt aus Wesel, lebt von Hartz IV. Weil sein Rucksack stark nach Haschisch riecht, nehmen die Beamten an, dass er kurz vor der Buskontrolle den größten Teil des Stoffs seinem Kumpel gegeben hat, der noch nicht vorbestraft ist. Der Totenkopfmützenmann ist mehrfach aktenkundig als Betäubungsmittelkonsument und wegen Betrugs. Für seinen Kumpel - 21 Jahre, ebenfalls aus Wesel, arbeitslos - ist es die erste Strafanzeige wegen Rauschgiftschmuggels.

Für Verfürth und Scherschenewitz geht die eigentliche Arbeit nun erst richtig los. Formulare ausfüllen, den Bericht noch im Wagen schreiben. Eigentlich ist die Dienstzeit für heute längst beendet. Für den Totenkopfmützenträger ist der Tag aber noch missratener. Auf dem Hinweg hatte er im Bus auch noch sein Handy liegenlassen. Die beiden Verdächtigen machen sich auf den Weg zur Bushaltestelle. Der Totenkopfmützenträger ruft: „Tschüss, bis bald!“

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