Home
http://www.faz.net/-gus-x03b
Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Drei Jahre Haft für Wesley Snipes „Ich bitte das Gericht um Gnade“

 ·  Alle Bittgesuche prominenter Freunde halfen nichts: Der amerikanische Schauspieler Wesley Snipes muss wegen Steuerbetrugs drei Jahre hinter Gitter. Der Richter statuierte damit ein Exempel für weitere Steuerrebellen. Snipes ist bekannt geworden durch die Actionfilme „Blade“.

Artikel Bilder (8) Lesermeinungen (0)

Kein „Happy End“ für Hollywoods Action-Star Wesley Snipes: Wegen Steuerbetrugs muss der 45-jährige Schauspieler für drei Jahre hinter Gitter. Das ist die höchst mögliche Strafe, die die Staatsanwaltschaft im amerikanischen Staat Florida gefordert hatte. Richter William Terrell Hodges kam am Donnerstag nach einem dramatischen Tag vor Gericht dem Antrag für eine harte Bestrafung nach. Es dürfte in der Öffentlichkeit nicht der Eindruck entstehen, „dass der reiche und berühmte Wesley Snipes davon kommen kann“, hatte die Anklage gedrängt. Vergeblich argumentierte die Verteidigung: „Wesley Snipes ist kein gefährlicher Mann, den man zum Schutz der Öffentlichkeit ins Gefängnis stecken muss.“

Entschuldigung vor Gericht

Mit den knallharten Männern, die Snipes in „Blade“, „Demolition Man“ oder „Drop Zone“ mimte, hatte der in Anzug und Krawatte gekleidete Schauspieler bei der Strafverkündung nichts gemein. Er entschuldigte sich vor Gericht für seine „Fehler und Irrtümer“. „Ich gebe zu, ich habe mich, meine Familie und die Gesellschaft im Stich gelassen“, sagte Snipes. „Ich bitte das Gericht um Gnade.“ Er beschrieb sich als „idealistischen, naiven, leidenschaftlichen und wahrheitssuchenden“ Künstler, der gute Absichten habe aber schlechten Ratschlägen gefolgt sei.

Es nütze auch nichts, dass Snipes' Anwälte dem Richter Briefe von prominenten Freunden des Stars vorlegten, darunter Bittgesuche von Denzel Washington und Woody Harrelson, die sich für den Kollegen stark machten. Am Ende zückte Snipes auch noch einen Scheck über fünf Millionen Dollar, um prompt einen Teil der Steuerschulden zu begleichen. Doch der Richter blieb hart.

Rückzahlungen erschlichen

Mit einer Anklage wegen Steuerbetrugs und der Suche nach Snipes per Haftbefehl hatte das Drama im Oktober 2006 seinen Lauf genommen. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, von 1999 bis 2004 eine viel zu niedrige Einkommensteuer gezahlt zu haben. Zudem soll er sich 1996 und 1997 durch falsche Angaben fast zwölf Millionen Dollar (acht Millionen Euro) an Rückzahlungen erschlichen haben. Snipes sagte dazu, er sei falsch beraten worden.

Eine Jury sprach den Afro-Amerikaner im Februar von den schwerwiegenderen Vorwürfen des Betrugs und der Verschwörung frei. Die zwölf Geschworenen befanden Snipes aber schuldig, drei Jahre lang keine Steuern bezahlt zu haben. „Ich fühle mich großartig, ein wenig durcheinander, aber gut“, freute sich Snipes vor zwei Monaten nach seinem Teilerfolg vor Gericht. Bei einer Verurteilung in allen Anklagepunkten hätten ihm bis zu 16 Jahre Haft gedroht.

„Wir werden in Berufung gehen“

Bei der Verkündung des Strafmaßes am Donnerstag habe Snipes habe keine Miene verzogen, berichteten Augenzeugen. Seine Frau, die koreanische Künstlerin Nikki Park, sei weinend zusammengebrochen. Das Paar ist seit 2003 verheiratet und hat vier kleine Kinder. Snipes' Anwälte zeigten sich kämpferisch. „Wir hatten mit einem Freispruch gerechnet“, sagte die Anwältin Linda Moreno der „New York Times“. „Wir werden in Berufung gehen“. Zunächst war unklar, wann Snipes die Haftstrafe antreten muss. Während des Prozesses befand sich der Schauspieler gegen Kaution auf freiem Fuß.

Snipes' Glanzzeit als gefragter Action-Star und Topverdiener in Hollywood liegt schon Jahre zurück. Die dritte „Blade“-Folge mit dem Kampfsportler als Vampirjäger schaffte es 2004 noch ins Kino. Seither mischte Snipes bei Low-Budget-Thrillern mit, darunter „Hard Luck“ und „The Contractor“, die nur auf Video erschienen. Die erste Filmrolle nach der Schauspielschule übernahm er 1986 in dem Footballstreifen „American Wildcats“. In „King of New York“ mimte er einen Polizisten, in „New Jack City“ einen Drogendealer. Mit Spike Lee drehte er 1991 das Drama „Jungle Fever“, ein Jahr später glänzte er als Straßen- Basketballspieler in „Weiße Jungs bringen's nicht“.

„Bester Schauspieler“ bei Filmfestspielen in Venedig

Mit Hits wie „Blade“ und „Demolition Man“ avancierte er in den 90er Jahren zum Action-Star, ließ sich aber auch auf kleinere Produktionen ein. In der Komödie „Für Wong Foo, Dank für alles, Julie Newmar“ mimte er einen schrillen Transvestiten. Bei den 54. Filmfestspielen in Venedig 1997 wurde er für seine Darstellung in dem Drama „One Night Stand“ neben Nastassja Kinski als bester Schauspieler ausgezeichnet. Der Film erzählt die Geschichte und die Folgen einer einmaligen Liebesnacht eines schwarz-weißen Paares in New York. Zuletzt stand er für den noch nicht erschienenen Horror- Film „Gallowwalker“ im afrikanischen Namibia vor der Kamera.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel