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Doppelmord von Krailling „Er war ein Schmarotzer“

16.02.2012 ·  Im Prozess um den Mord an zwei Mädchen in Krailling hat die Schwiegermutter des Angeklagten ausgesagt. Sie bezeichnet ihn als einen „niederträchtigen Menschen“.

Von Karin Truscheit, München
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Es ging immer ums Geld. Und zwar nicht, wie man noch mehr Geld bekommen konnte, sondern vor allem, wie man überhaupt an Geld kam. Nach den Worten von Doris S., der Großmutter der in Krailling getöteten Mädchen, haben ihre Tochter Ursula und deren Mann Thomas S. immer nur versucht, wie man das Geld „zusammenraffen“ konnte.

„Der hatte ja nichts. Das kam ja alles von uns.“ Ursula S., die Ehefrau des wegen Mordes an seinen beiden Nichten vor Gericht stehenden Thomas S., habe seit der Geburt ihrer Kinder nie wieder in ihrem Beruf als Erzieherin gearbeitet. „Und Thomas S. war ja nur bei der Post.“ Doch er hätte ja gut noch eine zweite Stelle annehmen können, als Vater von vier Kindern, sagt Doris S. am Donnerstag vor Gericht. „Aber der hat nur morgens ein paar Stunden gearbeitet und dann die ganze Zeit vor dem Computer gehockt.“

Wie sie denn ihren Schwiegersohn Thomas S. von Anfang an wahrgenommen habe, will der forensische Psychiater Henning Saß von ihr wissen. „Als Schmarotzer, als niederträchtigen Menschen“, sagt Doris S. und will sich auch nicht mit charakterlichen Details aufhalten, die Saß für seine Beurteilung des Angeklagten lieber hören würde, wie er versucht, der Zeugin zu erklären. War er „leicht aufbrausend“ oder eher „besonnen“?.

Doch Doris S. kann nur noch eine Gesamtwürdigung für den Menschen hervorbringen, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, ihre beiden acht und elf Jahre alten Nichten in deren Wohnung ermordet zu haben. Nach der Anklage der Staatsanwaltschaft wollte er auf diese Weise seine Ehefrau Ursula, die Tochter von Doris S., zur Alleinerbin machen, um an große Teile des Familienvermögens zu gelangen. Daher habe er ursprünglich vorgehabt, die Mutter der Kinder, Anette S., die andere Tochter von Doris S., auch umzubringen. Das sei ihm jedoch nicht geglückt, da diese zu spät nach Hause gekommen sei.

Es ging viel um Erbangelegenheiten: Aktiendepots, Grundstücke, Eigentumswohnungen

Das Verhältnis zwischen Schwiegersohn und Schwiegermutter schien von Anfang an schlecht zu sein. Oft habe sie ihre Tochter und die Kinder aufgenommen, wenn Ursula wegen ihrer Krebserkrankung behandelt wurde - die Tochter war 2008 an Brustkrebs erkrankt. Dann sei es zu „fürchterlichen Szenen“ mit Thomas in ihrer Wohnung gekommen. Er habe Ursula angeschrien, sie solle mitkommen, sie hätte zu Hause zu tun. „Der Thomas wollte nie, dass Ursula mit den Kindern bei mir ist. Er hat immer stundenlang im Auto vor der Wohnung gewartet.“ Seine Kinder habe er oft schlecht behandelt, und für die beiden Kinder aus erster Ehe habe er keinen Unterhalt zahlen wollen. „Da stand dann mal der Gerichtsvollzieher vor der Tür.“

In der großen Familie S. ging es viel um Erbangelegenheiten. Aktiendepots, Grundstücke, Eigentumswohnungen - das Vermögen der Familie S. hatte der Urgroßvater der getöteten Kinder, der verstorbene Brigadegeneral Josef S., vor Jahren aufgeteilt. Entstanden war so ein kompliziertes Konstrukt aus einer Erbfolge unter Blutsverwandten, wie der Vermögensverwalter Gerhard S., einer der Söhne von Josef S., am Donnerstag ausführt. Er erklärt, dass, rein erbrechtlich gesehen, Anette S. zum Zeitpunkt des Todes ihrer Kinder im März 2011 ein Vermögen von schätzungsweise 525000 Euro zugestanden hätte. „Wer hätte denn Anette S. beerbt, wenn sie gestorben wäre?“, fragt der Vorsitzende Richter. „Der direkte Blutsverwandte, also ihre Schwester Ursula S.“, sagt der Vermögensverwalter.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatten sich Thomas und Ursula S. mit dem Hausbau in Peißenberg hoch verschuldet. Gerhard S. schildert, dass er eine Wohnung aus dem Besitz der Schwestern abkaufte, um Ursula S. zu helfen. Warum das Geld - Zehntausende Euro - nicht reichte, kann er sich nicht erklären. „Angeblich wurden sie von Handwerkern betrogen.“ „Haben Sie mit Ursula S. über Geldangelegenheiten gesprochen?“ - „Nein, Ursula sagte immer: Ich bin nur Hausfrau, kümmere mich um die Kinder. Daraus schließe ich, dass Thomas S. sich hier besser auskannte.“ 2009 brach Doris S. den Kontakt zu ihrer Tochter Ursula und deren Mann endgültig ab. „Es ging einfach nicht mehr. Immer diese Streitereien.“ Sie berichtet auf Nachfragen des Gerichts, wie Thomas S. wieder einmal ausgerastet sei, als Ursula und die Kinder bei ihr waren. „Da hat er gebrüllt: Wenn du nicht mitkommst, lege ich dich um. Und die Kinder auch.“

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Jahrgang 1969, Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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