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DNA-Ermittlungspanne : Das „Phantom von Heilbronn“ ist widerlegt

  • Aktualisiert am

Corpus delicti: ein Stäbchen der Firma Greiner Bio One Bild: dpa

Nun ist es nachgewiesen: Ein „Phantom von Heilbronn“ gab es nicht. Die Gen-Spur vom Mord an einer Polizistin in Heilbronn stammt von einer Arbeiterin eines bayerischen Betriebes, die mit den zur Sicherung von Gen-Material verwendeten Wattestäbchen in Berührung gekommen war.

          Das Rätsel um das „Phantom von Heilbronn“ ist gelöst: Die Gen-Spur vom Mord an einer Polizistin in Heilbronn vor knapp zwei Jahren stammt nicht von der Mörderin, sondern von einer Arbeiterin eines bayerischen Betriebes, die mit den Wattestäbchen in Berührung gekommen war. Das teilten Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt (LKA) am Freitag in Stuttgart mit.

          Mit den verunreinigten Wattestäbchen war in den vergangenen acht Jahren an unterschiedlichen Tatorten Gen-Material gesichert worden. Damit steht nun fest, dass die Serienverbrecherin, die mit mehreren Morden und zahlreichen Einbrüchen in Verbindung gebracht worden war, gar nicht existierte.

          Seit 2001 waren an Dutzenden Tatorten die gleichen DNA-Spuren entdeckt worden. Diese stammten - wie sich nun herausstellte - von den verunreinigten Wattestäbchen, erklärte der Präsident des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, Klaus Hiller. Die Arbeiterin wurde nach Angaben des LKA am Freitagnachmittag identifiziert. Sie habe mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts mit den Straftaten zu tun.

          Gemeinsamen Standards für die Spurensicherung

          Die Möglichkeit einer Verunreinigung der Untersuchungsmaterialien wurde nach den Worten des Leiters der Sonderkommission für den Heilbronner Polizistinnenmord, Frank Huber, von Anfang an in Betracht gezogen. Ganz konkrete Hinweise habe es von österreichischen Ermittlern erst am 18. März gegeben. Daraufhin sei die Polizei sehr schnell auf die Firma in Bayern zugegangen und habe Speichelproben von allen Mitarbeitern genommen. Bei der bayrischen Firma handelt es sich nach den Worten von Staatsanwalt Volker Link „nicht nur um eine Verpackungsfirma, sondern auch um eine Firma für Medizinalbedarf.“

          Die über Jahre verwendeten Wattestäbchen würden nun nicht mehr verwendet, versicherte Hiller. „Die jetzt identifizierte Schwachstelle wird zu einer entscheidenden Verbesserung der Spurensicherung führen“, erklärte der LKA-Präsident. Er kündigte Konsequenzen an: Die Ermittlungsbehörden in Baden-Württemberg würden zusammen mit den anderen Bundesländern an gemeinsamen Standards für die Spurensicherung arbeiten.

          „Die Polizei hat nie gefragt“

          Das Bundeskriminalamt (BKA) will künftig bessere Mittel bei der Spurensicherung einsetzen. Die Wattestäbchen seien zwar „medizinisch steril“; es gebe aber spezielle Verfahren, um das Material noch steriler zu machen, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke im Deutschlandfunk. Dass es Fehlverurteilungen aufgrund von DNA-Analysen gegeben haben könnte, schloss er aus: „Die DNA-Analyse ist ein taugliches Beweismittel.“

          Kritik an der Polizei kam indes von der Herstellerfirma der Wattestäbchen, die von dem bayerischen Unternehmen beliefert wird. „Die Polizei hat nie gefragt, ob das Besteck für DNA-Tests geeignet ist“, sagte der Geschäftsführer der Greiner Bio-One GmbH, Heinz Schmid, am Freitag im baden-württembergischen Frickenhausen. Die Wattestäbchen seien nicht für polizeiliche Ermittlungen gedacht. Dies gehe eindeutig aus der Gebrauchsanweisung hervor, erklärte der Forschungsleiter Günther Knebel.

          Polizeigewerkschaft: DNA-Analyse nicht verteufeln

          Die laut Knebel „unter anderem in China und Ägypten“ geerntete Baumwolle für die Wattestäbchen werde von einem Lübecker Importeur an die bayerische Firma verkauft. Diese setze die Baumwolle auf Trägerstäbchen und verkaufe das Produkt an die Greiner Bio-One GmbH, welche die Abstrichgläschen schließlich vertreibe.

          Zu den Kunden des Unternehmens zählen neben dem baden-württembergischen Landeskriminalamt auch das bayerische LKA und Ermittler in Österreich. Insgesamt sind laut Schätzungen von Geschäftsführer Schmid rund 20.000 Stäbchen pro Jahr geliefert worden. Die Ermittler zählen „mindestens seit 2001“ zu den Kunden des Unternehmens. Die ersten Ergebnisse der Proben der Mitarbeiter erwartet das Landeskriminalamt Stuttgart Anfang der kommenden Woche.

          „Es kann nicht sein, dass die Polizei ihre Wattestäbchen in der Drogerie holt“, kritisierte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lautensack. Zugleich warnte er davor, die DNA-Analyse zu verteufeln.

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