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Die Flucht des Mario M. Sachsens Justizminister räumt Panne ein

09.11.2006 ·  Nachdem Stephanies Peiniger seine 20 Stunden währende Flucht auf das Gefängnisdach beendet hat, fordern Politiker und die Anwälte des Opfers personelle Konsequenzen. Sachsens Justizminister steht unter Druck.

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Nach der spektakulären Flucht von Stephanies Peiniger Mario M. auf das Dach eines Dresdner Untersuchungsgefängnisses hat Sachsens Justizminister
Geert Mackenroth (CDU) eine Panne der verantwortlichen Behörden eingeräumt. Der Vorfall sei für die Justizvollzugsanstalt und sein Ministerium „peinlich“, sagte Mackenroth am Donnerstag in Dresden. Der Gefängnishof, von dem aus der Angeklagte Mario M. auf das Dach des Gebäudes geflüchtet war, werde für andere Häftlinge unverzüglich gesperrt.

Mackenroth sagte, daß er personelle Konsequenzen gegenwärtig ausschließe. Er sehe keinen Grund, wegen des Vorfalls als Minister zurückzutreten. Sollten sich aber im Zuge der Untersuchungen zu dem Vorfall weitere Mängel herausstellen, schloß er dies aber auch nicht aus: „Ich klebe nicht an meinem Sessel.“ Fast 20 Stunden hatte Stephanies Peiniger Mario M. bis in die frühen Morgenstunden auf dem Gefängnisdach der Dresdner Vollzugsanstalt ausgeharrt. Zuvor war es ihm auf spektakuläre Art gelungen, sich bei einem Hofgang aus dem Gewahrsam der Polizei zu befreien und das 13 Meter hohe Gebäude zu erklimmen. Mackenroth erklärte, es sei polizeilicher Standard, daß Mario M. mit Decken und Getränken versorgt worden sei. Die Situation habe nicht über Hunger und Durst in die Konfrontation getrieben werden sollen. Es sei darum gegangen, dem Angeklagten klar zu machen, daß das, was er vorgehabt habe, sinnlos gewesen sei und keinerlei Ergebnisse haben würde.

Stephanie wird nicht aussagen

Das 14 Jahre alte Mädchen ist nach der Flucht des Sexualstraftäters Mario M. auf das Dach der Dresdner Justizvollzugsanstalt nach Angaben ihres Anwalts schwer schockiert. „Stephanie hat Angst“, sagte Opferjurist Thomas Kämmer am Mittwoch abend im MDR-Sachsenspiegel. Ihr Peiniger habe immer angekündigt, daß er ausbrechen werde. Er werde dann in ihrem Zimmer stehen, habe der Mann gedroht.

Kämmer forderte personelle Konsequenzen nach der Panne in der Haftanstalt. Durch die spektakuläre Kletteraktion des Angeklagten Mario M. auf das Gefängnisdach ist die 14 Jahre alte Stephanie nach Aussage der Hilfsorganisation Weißer Ring zum zweiten Mal Opfer geworden. „Sie ist wieder dem Täter und seinem Handeln ausgeliefert“, sagte der Sprecher des Weißen Ringes, Helmut Rüster.

„Gedanken an Selbsthilfe nicht verwunderlich“

Auch Politiker aus Union und FDP forderten Konsequenzen aus der Justizpanne. FDP-Chef Guido Westerwelle sprach laut „Bild“-Zeitung von einem „Justizskandal, der zum Himmel schreit - und nach persönlichen Konsequenzen der Verantwortlichen“. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler nannte die Kletteraktion des Gefangenen auf das Dresdner Gefängnisdach einen „ungeheuerlichen und beispiellosen Vorgang“. Niemand dürfe sich wundern, „wenn im Volk Gedanken an Selbsthilfe aufkommen“, wurde Gauweiler zitiert.

Der frühere Berliner CDU-Justizsenator Rupert Scholz sagte dem Blatt, der Vorfall sei eine Katastrophe für das Opfer. Die Verantwortlichen müßten zur Rechenschaft gezogen werden. Der Verteidiger des Angeklagten, Andreas Boine, erklärte, seine Aufgabe sei nicht leichter geworden. Er müsse darauf achten, daß sein Mandant am Leben bleibe, und sei froh, daß sich die Situation so gelöst habe.

Quelle: F.A.Z.NET mit Material von AP, Reuters, dpa und ddp
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