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Samstag, 18. Februar 2012
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Devon Hollahan Die Suche nach dem verlorenen Sohn

16.12.2009 ·  Kurz nach dem Verschwinden des 22 Jahre alten Amerikaners Devon Hollahan in Frankfurt sendete dessen Handy noch Signale aus. Dann verstummte es. Die Polizei ermittelt weiter in alle Richtungen, hält ein Verbrechen aber für wahrscheinlich.

Von Katharina Iskandar
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Die Plakate hängen überall in Frankfurt. An S-Bahn-Stationen und am Hauptbahnhof. An Laternenpfosten und Hausmauern. In Kneipen und Diskotheken. Es müssen Tausende Flugzettel sein, die in den vergangenen zwei Wochen in Frankfurt verteilt worden sind. „Vermisst“ steht in fetten Lettern als Überschrift. Darunter ist ein junger Mann zu sehen, der scheu in die Kamera lächelt. Auf einem weiteren Bild wirkt er ausgelassen, hält eine Bierflasche in der Hand, als wolle er jemanden zuprosten. Das Foto ist vor mehr als zwei Wochen nach einem Rock-Konzert in Frankfurt entstanden. An jenem Freitagabend, an dem Devon Hollahan verschwand.

Seither gilt die Geschichte des 22 Jahre alten Amerikaners als einer der mysteriösesten Vermisstenfälle, die die Frankfurter Polizei in den vergangenen Jahren bearbeitet hat. Vermisste Personen gebe es immer wieder, sagt Polizeisprecher Alexander Löhr. „Aber in diesem Fall haben wir so gut wie keine Anhaltspunkte und wissen demzufolge nicht, was mit Devon Hollahan geschehen ist.“

„Wie vom Erdboden verschluckt“

Denkbar ist vieles: Von Anfang an schloss die Polizei ein Verbrechen nicht aus – in Erwägung gezogen wurde auch eine Entführung, denn Devons Vater Jeffrey Hollahan hat den Posten des Vizepräsidenten für die Finanzsparte bei der amerikanischen Bank Morgan Stanley inne und lebt in Scottsdale in einer vornehmen Siedlung im Bundesstaat Arizona. Als jedoch keine Geldforderung einging, die in irgendeinem Zusammenhang mit Devons Verschwinden stehen könnte, verblasste die Theorie einer Entführung.

Die Beamten ermitteln weiter in alle Richtungen, versuchen zu rekonstruieren, wo sich Devon, der in Prag als Englischlehrer arbeitet und in Frankfurt lediglich ein Konzert besuchen wollte, überall aufgehalten hat. Mehrfach befragen sie Devons Freund Josh, der mit ihm nach Frankfurt gekommen war. Josh erzählt, er sei mit Devon nach dem Konzert in ein Hotel in der Innenstadt gefahren, zu einer „After Show Party“ mit der Band. Gegen drei Uhr hätten sich beide dann auf den Heimweg gemacht. Sie wollten in einem Hostel im Bahnhofsviertel unterkommen, hätten sich in der Nähe der Taunusanlage aber verlaufen. Josh schlägt vor, Passanten zu befragten. Als er ein Pärchen sieht, eilt er zu ihnen. Später wird Josh sagen, das sei der Moment gewesen, in dem Devon verschwand. Denn als er sich umgedreht habe, sei der Zweiundzwanzigjährige weg gewesen. „Wie vom Erdboden verschluckt.“

Das Handy sendete noch Signale

Was in den Tagen darauf folgt, ist die in Frankfurt bisher beispiellose Suche eines Vaters nach seinem Sohn. Jeffrey Hollahan reist mit seiner Schwester Beth nach Frankfurt und mietet sich in ein Hotel in der Frankfurter Innenstadt ein – für unbestimmte Zeit. Er sagt, er wolle „so lange bleiben, bis wir Devon gefunden haben“. Beth hat Bekannte in Deutschland, die sich bereit erklären, der Familie bei der Suche zu helfen. Es kommt zu der Plakat-Aktion. Jeffrey Hollahan stellt zudem regelmäßig neue Informationen über die Suche nach seinem Sohn ins Internet. Es gibt Beiträge bei „Youtube“ und bei „Twitter“ sowie in zahlreichen Blogs. Der Name „Devon Hollahan“ erzielt bei der Internet-Suchmaschine Google vorübergehend mehr als eine Viertelmillion Einträge.

Zwischenzeitlich sucht auch die Polizei weiter – mit ihren eigenen Mitteln. Eine Hundertschaft durchsucht in den Tagen nach dem Verschwinden sämtliche Parks im Stadtgebiet, schickt Taucher in den Main und sucht auch zwei Weiher ab. Ohne Erfolg. Ebenso finden die Ermittler heraus, dass das Handy von Devon kurz nach seinem Verschwinden noch Signale gesendet hat, bald darauf aber entweder ausgeschaltet wurde oder der Akku leer war. Auch die Kreditkarte des Amerikaners wurde nicht mehr genutzt und weist keine ungewöhnlichen Kontobewegungen auf. Größere Geldbeträge, die dafür sprechen könnten, dass Devon untertauchen wollte, wurden nicht abgehoben.

Der Fall bleibt mysteriös

Einzig der Rucksack des Amerikaners gibt den Ermittlern Hoffnung, dass sie doch noch herausfinden, was mit Devon Hollahan geschehen ist. Die Tasche wurde am Wochenende seines Verschwindens von einem Passanten in der Nähe der Taunusanlage entdeckt. Darin befinden sich Unterlagen der Schule, an der Hollahan unterrichtete, sowie Kleidung und eine Digitalkamera. Hinweise auf den Verbleib des Amerikaners bringen diese persönlichen Gegenstände jedoch nicht. Obwohl die Polizei sich auch zu diesem Zeitpunkt nicht festlegen will, dass Hollahan einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist, sagen die Ermittler, es sei doch merkwürdig, dass jemand sein Hab und Gut einfach so zurücklasse. Voraussichtlich heute wollen die Ermittler einen vorläufigen Schlussbericht vorlegen – möglicherweise mit neuen Details.

Der Fall bleibt mysteriös. Und für Devons Familie ein „Alptraum“, wie Jeffrey Hollahan immer wieder betont. Seine Suche in Frankfurt hat er vorerst abgebrochen. Gestern ist er nach Scottsdale zurückgekehrt.

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