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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Der Fall Strauss-Kahn Detektive auf Zimmermädchen angesetzt

 ·  Medienberichten zufolge wurden in der Suite und auf der Kleidung des Zimmermädchens Spermaspuren sichergestellt. Detektive sollen im Auftrag von Strauss-Kahn Hinweise finden, die die Glaubwürdigkeit der Klägerin erschüttern.

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Das mutmaßliche Opfer des ehemaligen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn hatte nach Informationen der französischen Website atlantico.fr Spermaspuren auf ihrer Kleidung. Das hätten die DNA-Analysen ergeben, deren Ergebnisse in Kürze bekannt gegeben werden sollten, berichtete die Website am Montag. Sie beruft sich dabei auf einen Bericht der New Yorker Polizei, der am Sonntag an die französischen Behörden gegangen sei. Die Ermittler haben nach Medienberichten auch ein Stück des Teppichs untersucht, auf den die junge Frau nach erzwungenem Oralverkehr gespuckt haben soll.

Unterdessen berichtete das Klatschblatt „Paris Match“, dass Strauss-Kahn am Vorabend der mutmaßlichen Tat in einem teuren Restaurant mit einer unbekannten jungen Dame gesehen worden sei. Dabei habe er eine Flasche Bordeaux-Wein bestellt. Bislang ist nicht klar, aus welchen privaten Gründen Strauss-Kahn nach New York geflogen war. Am Samstagmittag hatte er sich mit seiner Tochter Camille zum Essen getroffen, die in New York promoviert.

„Man will herausfinden, wer die Klägerin ist“

Strauss-Kahns Verteidigung hat inzwischen Detektive auf das Privatleben des afroamerikanischen Zimmermädchens angesetzt, das dem Franzosen versuchte Vergewaltigung vorwirft. Mehrere von ihnen seien bereits nach Afrika gereist, um mehr über die Vergangenheit der 32-Jährigen zu erfahren, berichtete „Le Figaro“. Die Frau soll aus Guinea stammen und in den Vereinigten Staaten politisches Asyl erhalten haben. Die Verteidigung könnte die Strategie verfolgen, ihre Glaubwürdigkeit zu diskreditieren, falls sich in anderen Fällen - etwa bei dem Asylantrag oder der Vergabe einer Sozialwohnung - Schummelei nachweisen lasse.

„Man will herausfinden, wer die Klägerin ist“, sagt Todd Henry, dessen Anwaltskanzlei einen internen Ermittler beschäftigt. „Sie werden alles durchkämmen: Man will wahrscheinlich wissen, an welchen Tagen sie Dienst hatte, zu welchen Zeiten, wieviel Kontakt sie in der Vergangenheit hatte - sexuell und nicht sexuell.“ Frühere Festnahmen, Drogensucht, Alkoholabhängigkeit oder eine Vorgeschichte mit häufigen Klagen: Alles werde geprüft - alles, was die 32-jährige Hotelangestellte diskreditieren könnte, sagt Henry voraus.

Ein Ermittlerteam mit enormen Qualitäten

Zwar ist es für wohlhabende Auftraggeber nicht ungewöhnlich, private Ermittler zu beschäftigen. Die Tatsache, dass bei diesem Prozess viel auf dem Spiel steht und der frühere IWF-Chef besonders tief in die Tasche greifen kann, spricht aber dafür, dass wohl ein Ermittlerteam mit enormen Qualitäten zusammengestellt wurde. Laut „New York Times“ arbeitet eine Firma namens Guidepost Solutions, deren Vorsitzender der frühere Chef der Strafabteilung der Staatsanwaltschaft Manhattans ist, mit Brafman zusammen.

Die Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens könnte prozessentscheidend sein, wenn Strauss-Kahn vor Gericht argumentieren sollte, dass es einvernehmlichen Sex gegeben habe. Die privaten Ermittler könnten Brafman genügend Munition liefern, wenn es darum geht, einen Vergleich auszuhandeln. Sollten ernsthaft negative Informationen über das Zimmermädchen ans Licht kommen, könnte Brafman die Staatsanwaltschaft möglicherweise sogar dazu bringen, die Klage fallen zu lassen.

Bloß keine bescheidene Einwandererin

„Ich denke ein Schwerpunkt wird darauf liegen, ob sie finanzielle Schwierigkeiten hatte“, sagt Bress. Das große Los würden die Ermittler ziehen, wenn sie herausfinden sollten, dass das mutmaßliche Opfer bereits früher aus finanzieller Not heraus falsche Beschuldigungen der sexuellen Belästigung gemacht habe, meint der frühere New Yorker Ermittler Beau Dietl.

Ein Alptraum wäre für die Ermittler im Dienste von Strauss-Kahn indes herauszufinden, dass es sich bei dem Zimmermädchen tatsächlich nur um die bescheidene einfache Einwanderin handelt, als die ihr Anwalt sie beschreibt. „Möglicherweise wird gar nicht viel ans Licht kommen“, meint Henry.

Eine möglichst detailgetreue Rekonstruktion

Neben dem Zimmermädchen werden sich die Detektive aber auch auf eine möglichst detailgetreue Rekonstruktion dessen konzentrieren, was am 14. Mai in der Luxussuite des 28. Stocks des Sofitel-Hotels geschah. Die Ermittler würden sowohl Forensik- und DNA-Experten sowie Pathologen dazu bringen, Krankenunterlagen und Anzeichen für Verletzungen bei beiden Beteiligten zu überprüfen, sagt der frühere New Yorker Staatsanwalt für Sexualverbrechen, Mathew Galluzzo. Zudem würden Überwachungsvideos und die Verwendung elektronischer Türkarten ausgewertet.

Strauss-Kahns Anwalt Benjamin Brafman hatte sich am Wochenende überzeugt gezeigt, dass sein Mandant freigesprochen werde. Strauss-Kahn sei sicherlich bereit für einen langen Kampf, sagte er der israelischen Zeitung „Haaretz“ (Sonntag).

Der Franzose ist angeklagt, am 14. Mai das Zimmermädchen in seiner Suite in einem Hotel am New Yorker Times Square überfallen und zu Oralsex gezwungen zu haben. Er wurde gegen eine Millionenkaution aus dem Gefängnis entlassen und sitzt nun unter strengen Auflagen in Hausarrest.

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