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Der Fall Oscar Pistorius Cricketschläger mit Blutspuren

Weitere Mutmaßungen im Mordfall Reeva Steenkamp: Nach Angaben der südafrikanischen Zeitung „City Press“ hat die Polizei im Haus des angeklagten Paralympics-Stars Oscar Pistorius einen Cricketschläger mit Blutspuren gefunden.

© AP Vergrößern Dieses Foto von Reeva Steenkamp entstand während der Produktion der Fernsehsendung auf Jamaika

In der ersten Folge der auf Jamaika aufgezeichneten Sendung „Tropika Island of Treasure“, der südafrikanischen Variante des „Dschungelcamps“, ist die 29 Jahre alte Reeva Steenkamp genau eine Minute lang zu sehen, unter anderem, wie sie im Bikini im Wasser planscht. Der staatliche südafrikanische Fernsehsender SABC hat die aufgezeichneten Szenen am Samstagabend ausgestrahlt – obwohl Reeva Steenkamp, die Freundin des Sportlers Oscar Pistorius, zwei Tage zuvor ermordet worden war, und obwohl vielfach gefordert wurde, die Ausstrahlung zu unterlassen.

Thomas Scheen Folgen:    

Die Produktionsleiterin der Serie, Samantha Moon, rechtfertigte die Geschmackslosigkeit mit den Worten, man habe „das Andenken von Reeva Steenkamp“ wahren wollen. Das sei mit der Familie der Toten so abgesprochen gewesen. Die Familie kann sich nach Aussagen eines Vetters der Ermordeten aber nicht daran erinnern, mit dem Sender gesprochen zu haben.

Oscar Pistorius shooting © dpa Vergrößern Wegen Mordes angeklagt: Der sechsmalige Paralympics-Sieger am Freitag im Gerichtssaal

Üblicherweise hat die mit vielen Werbespots versehene Reality-Show eine Einschaltquote von zweieinhalb bis drei Millionen Zuschauern pro Folge. Wie hoch die Einschaltquote am Samstagabend lag, wollte der Sender auf Anfrage nicht mitteilen. Für Dienstag ist eine Trauerfeier für Steenkamp geplant. Sie soll in der Stadt Port Elizabeth, wo sie aufwuchs, beigesetzt werden.

Pistorius verpflichtet prominente Strafverteidiger

Der Paralympics-Star Oscar Pistorius, der des Mordes an seiner Freundin beschuldigt wird, hat unterdessen das Wochenende in der Haft genutzt, um einen beeindruckenden Verteidigungswall um sich aufzubauen. Geleitet wird die Verteidigung von Barry Roux, der als einer der besten und einer der teuersten Strafverteidiger des Landes gilt. Der zweite Verteidiger ist Kenny Oldwage, der zuletzt den Fahrer verteidigte, der kurz vor der Fußballweltmeisterschaft 2010 betrunken eine Nichte von Nelson Mandela in den Tod gefahren hatte; der Mann kam mit einer ungewöhnlich milden Strafe davon.

Hinzu kommen Reggie Perumal, ein erfahrener und angesehener Pathologe, der bei der Autopsie der Ermordeten am vergangenen Freitag anwesend gewesen sein soll, sowie der Journalist Stuart Higgins aus Großbritannien. Die Aufgabe des ehemaligen Chefredakteurs der Boulevardzeitung „The Sun“ wird darin bestehen, die öffentliche Meinung im Fall Pistorius zugunsten seines Klienten zu beeinflussen. Für Dienstag wurde eine zweite gerichtliche Anhörung angesetzt, bei der Pistorius’ Anwälte für ihren Mandanten eine Freilassung auf Kaution beantragen wollen.

Reeva Steenkamp © AP Vergrößern Eine lachende, fröhliche Reeva Steenkamp ist zu sehen, die im Bikini Luftküsse am Strand verteilt und im Meer schwimmt

Die veröffentlichte Meinung kennt in Südafrika seit Donnerstag kein Halten mehr. Und auch am Sonntag überboten sich die Zeitungen mit „Exklusivgeschichten“ darüber, was sich in der Nacht zum vergangenen Donnerstag in dem Haus des Sportlers in Pretoria zugetragen hat. Die „City Press“ behauptet, neben der auf Pistorius zugelassenen Schusswaffe sei ein blutverschmierter Cricketschläger gefunden worden, der vielleicht von Pistorius gegen Reeva Steenkamp eingesetzt worden sei, vielleicht aber auch von Steenkamp gegen Pistorius oder möglicherweise doch nur von Pistorius, um die Badezimmertür zu zertrümmern, hinter der sich die Frau angeblich verschanzt hatte.

Die bislang unbekannte „Sunday Tribune“ will unter dem Titel „Ich sah Reeva sterben“ eine Nachbarin aufgetrieben haben, die Pistorius nach den Schüssen zu Hilfe gerufen haben soll. Sie behauptet, Pistorius sei mit der „noch atmenden“ Frau Steenkamp in den Armen eine Treppe in der Eingangshalle seines Hauses heruntergekommen. Dem will die „City Press“ nicht ganz widersprechen, behauptet aber, Pistorius habe nicht die Nachbarin gerufen, sondern seinen Vater.

Im Vergleich nehmen sich die Recherche-Ergebnisse der Kollegen von der „Times“ und dem „Star“ geradezu kümmerlich aus. Die „Times“ will erfahren haben, dass Pistorius, der sich weiter in Polizeigewahrsam befindet, am Samstag sein Abendessen aus Hühnchen und Reis hat stehen lassen. Und der „Star“ weiß von einem Kissen, das die besorgte Familie dem „selbstmordgefährdeten“ Verdächtigen in die Zelle brachte. Ohne das Kissen könne er nicht schlafen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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