06.11.2003 · Im Verbund mit Interpol und amerikanischen Geheimdiensten bläst der amerikanische Softwarekonzern Microsoft zur Jagd auf Computerhacker.
Im Verbund mit Interpol und amerikanischen Geheimdiensten bläst der amerikanische Softwarekonzern Microsoft zur Jagd auf Computerhacker: Wie das Unternehmen am Mittwoch in Washington bekannt gab, gründete es einen fünf Millionen Dollar (4,4 Millionen Euro) schweren Fonds gegen Cyberkriminalität. Aus diesem sollen hohe Belohnungen für Hinweise gezahlt werden sollen, die zur Festnahme und Anklage von Hackern führen.
Interpol-Generalsektretär Ronald K. Noble erklärte in Lyon, der Polizeibehörde falle eine zentrale Rolle beim Informationsaustausch zum Aufspüren von Hackern zu. Der Kampf gegen „diese Kriminalität ohne Grenzen“ erfordere eine „wahrhaft globale Antwort und eine vollständige Zusammenarbeit der Polizeikräfte und Privatunternehmen“. Mitinitiator der Aktion ist neben Microsoft, Interpol und den amerikanischen Geheimdiensten auch die amerikanische Bundespolizei FBI.
Lovsan und Sobig im Visier
Im Zusammenhang mit der Kampagne schrieb Microsoft unter anderem 250.000 Dollar Belohnung für Hinweise auf den oder die Autoren des Computerwurms MSBlast.A aus, der unter dem Namen Blaster oder Lovsan bekannt ist. Dieser hatte im August weltweit hundertausende Computer infiziert und dabei eine Sicherheitslücke des Betriebssystems Windows ausgenutzt. Weitere 250.000 Dollar gibt es für Informationen zu den Urhebern des Sobig-Virus, der Rechner mit Microsoft-Betriebssystemen direkt angreift.
"Bösartige Würmer und Viren sind kriminelle Angriffe auf jeden, der das Internet nutzt“, sagte Microsoft-Chefjustiziar Brad Smith. „Das sind nicht einfach nur Internet-Verbrechen, Cyber- oder virtuelle Verbrechen. Das sind echte Verbrechen, die einer Menge Leute schaden.“ Diejenigen, die Viren über das Internet verbreiteten, seien „die Saboteure des Cyberspace“ und Microsoft werde alles tun, um die Strafverfolger bei ihrer Ergreifung zu unterstützen.
Gesetzeslage erschwert die Jagd auf Hacker
Der Interpol-Abteilungsleiter für Informationssysteme, Peter Nevitt, räumte allerdings ein, daß es sehr schwer sei, Hacker in Ländern nachzustellen, die nicht über Gesetze gegen Computerkriminalität verfügten. Interpol ermutige aber diese Länder, bestehende Gesetze gegen Eigentumsverletzungen analog für Cyberkriminalität anzuwenden.