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Brasilien Das „Primeiro Comando“ ist wieder da

Es vergeht kaum eine Nacht ohne blutige Zwischenfälle: São Paulo ist zur Hauptstadt der Gewalt geworden. Kriminelle Banden und Todesschwadronen der Polizei liefern sich einen bitteren Krieg.

© dapd Vergrößern Oft auf verlorenem Posten: Polizei am Freitag im Elendsviertel Paraisópolis

Zu den jüngsten Todesopfern zählt eine 44 Jahre alte Polizistin, die vor den Augen ihrer elf Jahre alten Tochter von zwei Unbekannten vor ihrer Haustür erschossen wurde: Die brasilianische Metropole São Paulo wird seit Wochen von einer neuen Welle der Gewalt heimgesucht. Allein am vergangenen Wochenende sind in verschiedenen Stadtteilen innerhalb von 16 Stunden zehn Personen getötet und neun verletzt worden. Seit Anfang Oktober kamen 160 Personen bei gewaltsamen Auseinandersetzungen ums Leben.

Josef Oehrlein Folgen:    

Es vergeht kaum eine Nacht, in der es nicht zu neuen Zwischenfällen kommt. Ursache des Gewaltausbruchs ist ein Krieg zwischen der Polizei und der kriminellen Bande „Primeiro Comando da Capital“ (Erstes Hauptstadtkommando, PCC), die teilweise von den Gefängnissen aus operiert. Vor sechs Jahren hatte sie schon einmal die Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Bandenmitglieder und Sympathisanten zündeten damals Omnibusse an und organisierten Meutereien in 50 Gefängnissen.

Ziel der neuen Attacken sind vor allem Angehörige der militarisierten Polizei und Mitglieder rivalisierender Banden, die auf offener Straße von Fahrzeugen aus erschossen werden. In einer offenbar von führenden Mitgliedern des PCC angelegten Liste erscheinen die Namen von Polizisten und dazu die Aufforderung, für je ein getötetes Mitglied der Bande zwei Polizisten umzubringen. Seit Jahresbeginn wurde in São Paulo fast die Hälfte der 229 in ganz Brasilien getöteten Polizisten Opfer der Gewalt.

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Ehemalige und aktive Angehörige der militarisierten Polizei haben offenbar ihrerseits Milizen gegründet, die den Tod ihrer Kameraden rächen wollen. Dadurch wird die Spirale der Gewalt zusätzlich angetrieben. Die Todesschwadronen geben vor, die Kriminalität vor allem in den Favelas bekämpfen zu wollen. Immer wieder werden auch Unbeteiligte Opfer der Konfrontation zwischen Polizei und Banden. In einigen der großen Favelas in São Paulo wie etwa Heliópolis oder Paraisópolis halten sich Anführer der kriminellen Banden versteckt.

Mutmaßlich sind dort auch Mitglieder der in Rio de Janeiro operierenden Gruppen wie dem „Comando Vermelho“ (Rotes Kommando, CV) untergetaucht. In Rio sind in jüngster Zeit weitere Favelas von der Polizei besetzt und befriedet worden. Die meisten der dort aktiven Bandenbosse sind auf der Flucht. Bei einer Razzia in Paraisópolis im Süden von São Paulo hat die Polizei innerhalb von sieben Tagen 33 Verdächtige festgenommen und außerdem 333 Kilogramm Marihuana, 30 Kilogramm Kokain sowie synthetische Drogen und Waffen konfisziert.

Die Nationalregierung der Präsidentin Dilma Rousseff hat dem Bundesstaat São Paulo angeboten, Gefangene in Bundesgefängnissen aufzunehmen. Der oppositionelle Gouverneur Geraldo Alckmin hat die Entsendung von Militäreinheiten an die Brennpunkte der Kriminalität im Bundesstaat abgelehnt, will jedoch mit Brasília eine Strategie zur Bekämpfung der Banden entwerfen.

Quelle: F.A.Z.

 
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