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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Bonn Prozess wegen vereitelten Amoklaufs beginnt

 ·  Ein Amoklauf konnte an einem Gymnasium in Sankt Augustin gerade noch verhindert werden. Eine Mitschülerin überraschte die sechzehn Jahre alte Tanja O. bei der Tatvorbereitung auf der Schultoilette. Dabei wurde Anna P. schwer verletzt.

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Vor dem Bonner Landgericht hat am Dienstagmorgen der Prozess wegen eines vereitelten Amoklaufs an einer Schule begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft der 16 Jahre alten Angeklagten versuchten Mord, Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags sowie Verstoß gegen das Waffengesetz vor. Obwohl unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt wird, war das Medieninteresse zum Prozessauftakt groß.

Tatvorbereitung auf der Schultoilette

Das Mädchen war bei der Tatvorbereitung am 11. Mai auf der Schultoilette eines Gymnasiums in Sankt Augustin bei Bonn von einer Mitschülerin überrascht worden. Die mutmaßliche Täterin soll das 17 Jahre alte Mädchen daraufhin mit dem Schwert angegriffen und an Armen und Händen schwer verletzt haben. Nach Überzeugung der Anklage wollte sie die Mitschülerin töten, damit ihr Amoklauf nicht aufflog. Die Schülerin gilt als wichtigste Zeugin in dem Prozess.

Nachdem ein Lehrer hinzugekommen war, konnte das verletzte Mädchen wenig später fliehen. Der Lehrer eilte der Staatsanwaltschaft zufolge ins Schulsekretariat und sorgte für eine Warndurchsage per Lautsprecher an die Schüler. Daraufhin gab Tanja O. ihren Tatplan auf. Nach einem misslungenen Selbsttötungsversuch flüchtete sie vom Schulgelände, stellte sich aber am Abend in Köln der Polizei. Daraufhin wurde sie in einer Jugendpsychiatrie untergebracht. Am späten Abend des Tattages stellte sie sich der Bundespolizei im Kölner Hauptbahnhof.

Motiv: Probleme mit Mitschülern, Lehrern und Eltern

Laut Anklage plante Tanja O. zunächst einen Lehrer mit einem Schwert niederzustechen und ihm danach die Schlüssel für die Klassenräume zu stehlen. Anschließend sollten die Klassenzimmer durch selbst gebaute Molotow-Cocktails in Brand gesetzt und die Türen dabei von außen verschlossen werden. Ihr Motiv sollen massive Probleme mit Mitschülern, Lehrern und ihren Eltern gewesen sein.

Die Verteidigung kündigte an, dass sich auch die Angeklagte am ersten Verhandlungstag zur Tat äußern werde. Im weiteren Verlauf des Verfahrens werde es von Seiten der Verteidigung keine weiteren inhaltlichen öffentlichen Stellungnahmen geben. Für den Prozess sind acht Verhandlungstage angesetzt. Das Gericht hat 26 Zeugen geladen. Es sollen auch zwei psychiatrische Gutachter gehört werden, die Auskunft zur Schuldfähigkeit der Sechzehnjährigen geben sollen.

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