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Bewegende Videobotschaft Weihnachten ohne Madeleine

 ·  Die Eltern der verschwundenen Madeleine haben sich in einer bewegenden Videobotschaft am Wochenende vor Weihnachten direkt an ihre Tochter gewandt. Zugleich appellierten sie an alle, die das Schicksal des kleinen britischen Mädchens kennen, sich zu melden.

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Der Christbaum der McCanns ist mit gelbem Lametta geschmückt. Gelbe Bänder wehen an der Eingangstür ihres Hauses in dem mittelenglischen Dorf Rothley. Es ist die Farbe der Hoffnung auf die sichere Heimkehr eines lieben Menschen. Nach einem Fest ist den Eltern und Großeltern, den Tanten und Onkeln der kleinen Madeleine nicht zumute. „Alle wünschten, es wäre nicht Weihnachten“, sagt Brian Healy (67), der Vater von Madeleines Mutter Kate McCann. „Doch die Hoffnung gibt niemand auf.“

Rund acht Monate nach dem mysteriösen Verschwinden der damals dreijährigen Madeleine aus der Ferienwohnung ihrer Eltern in der Algarve sieht ihr Zimmer in Rothley noch exakt so aus, wie sie es verlassen hat. Ihre Puppen, ihr gesamtes Spielzeug steht am angestammten Platz. Ihre Kleider hängen ordentlich im Schrank wie eh und je. „Alles ist vorbereitet auf ihre Rückkehr“, berichtete ein Freund der Familie.

Polizei rät: Keine Emotionen

Und zugleich ist Maddies Zimmer zu einer Art Schrein geworden. Hier sind die Erinnerungen an sie besonders gegenwärtig. Hierher zieht sich Kate McCann Abend für Abend zurück, um vor dem Schlafengehen für ihr Kind zu beten. Dass sie dann weint, haben Mitglieder der Familie berichtet. In der Öffentlichkeit hingegen wirkt die Frau, gegen die von den portugiesischen Behörden nach wie vor als Verdächtige ermittelt wird, stets beherrscht, ja sogar „kalt und gefühlslos“, wie manche Beobachter finden.

Clarence Mitchell - ein Journalist der BBC, der seit einigen Monaten als Sprecher für die McCanns arbeitet - hat für Kates angebliche Gefühlskälte eine Erklärung: Schon vor langer Zeit habe die Polizei den Eltern geraten, vor den Kameras keine Emotionen zu zeigen. „Der Kidnapper von Madeleine könnte zuschauen und sich womöglich am Leid der Eltern weiden.“

„Wir vermissen Dich alle sehr“

Nicht immer gelingt die Selbstbeherrschung. Mehrfach mussten die Dreharbeiten zur weihnachtlichen Videobotschaft der McCanns, die seit dem Wochenende auf etlichen Kanälen zu sehen ist, abgesetzt werden. Immer wieder seien Kate die Tränen in die Augen geschossen, immer wieder habe ihre Stimme versagt, berichteten Mitglieder des Kamerateams.

Auch ohne Tränen ist die Videobotschaft herzzerreißend: „Madeleine, Du sollst wissen, dass wir Dich sehr lieben“, sagt die Mutter zu Bildern, die eine noch glückliche Familie McCann beim Weihnachtsfest des Jahres 2006 zeigen. „Wir vermissen Dich alle sehr“, sagt Kate. Und offensichtlich in der Hoffnung, dass Maddie das Video irgendwo zu sehen bekommen könnte, fügt sie hinzu: „Sei tapfer, Liebling!“

Die Reporterscharen sind weg

Mit der Zeit haben sich die Reporterscharen, die monatelang das Haus der McCanns belagert hatten, aus Rothley zurückgezogen. Die vielen großen Poster mit dem weltbekannten Gesicht der kleinen Madeleine sind verschwunden. Aber die Erinnerung an sie ist noch wach, ebenso das Mitgefühl für ihre Familie. Hier und da leuchtet in Fenstern eine Kerze für Maddie. Auch in der Kaffeestube, in der sie früher heiße Schokolade trank und in dem Blumenladen, in dem Kate Kundin war.

„Jeder denkt an sie“, sagt die Floristin Gwyneth Green. „Besonders zu Weihnachten ist das so. Madeleines Schicksal erinnert viele irgendwie auch an traurige Erfahrungen, die sie in ihrem eigenen Leben gemacht haben.“ Auch deshalb werden viele Dorfbewohner dabei sein, wenn die McCanns Heiligabend in Rothleys katholischer Kirche Sacred Heart für Madeleine beten.

Spanische Privatdetektei beauftragt

Danach werden sie wohl mit den Zwillingen nach Liverpool fahren, zu Madeleines Großeltern Susan und Brian Healy. Am ersten Weihnachtsfeiertag - in Großbritannien der Tag, an dem die Geschenke verteilt werden - wollen sie nicht in ihrem Haus sein. Jenem Ort, wo Madeleine so allgegenwärtig ist, wo sie vor genau einem Jahr vor laufender Videokamera eben jenen rosa Rucksack auspackte, den sie im Frühjahr 2007 mitnahm in den verhängnisvollen Urlaub in der Algarve.

In der Videobotschaft bat Gerry McCann erneut um Hinweise zum Verbleib der Tochter. „Seit uns Madeleine am 3. Mai genommen wurde, weiß jemand, was mit ihr geschehen ist und könnte auch wissen, wo sie jetzt ist. Es steht in der Macht dieser Person, das Mitleid aufzubringen, diese furchtbare Tortur für uns zu beenden.“

Die Eltern riefen erneut alle Menschen auf, die zweckdienliche Hinweise zum Schicksal ihrer Tochter geben könnten, eine von ihnen beauftragte spanische Privatdetektei anzurufen. Dies könne jederzeit auch anonym geschehen. „Wenn Sie diese Person sind“, sagte Kate McCann in direkter Ansprache an einen möglichen Mitwisser, „so verstehen wir, dass Sie vielleicht aus Angst um sich selbst oder auch aus einer falschen Loyalität für andere Menschen heraus schweigen. Doch Sie müssen verstehen, dass Sie den Schlüssel zur Überwindung all dieser Verzweiflung und Seelenqual in der Hand halten.“

Die Telefon-Nummer der spanischen Detektei: 0034-902 300 213

Quelle: FAZ.NET
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