http://www.faz.net/-gum-93kmj

Wohl antisemitische Motive : Weitere Stolpersteine in Berlin-Neukölln gestohlen

  • Aktualisiert am

Hier waren „Stolpersteine“ eingelassen: Jetzt ist in dem Berliner Bürgersteig nur noch ein Loch zu sehen. Bild: dpa

Die gestohlenen Stolpersteine in Berlin sollen zeitnah ersetzt werden. Hinter dem Diebstahl vermuten die Behörden ein politisches Motiv im Zusammenhang mit dem 9. November, dem Gedenktag an die Opfer der Reichspogromnacht von 1938.

          Die Zahl der gestohlenen Stolpersteine in Berlin-Neukölln hat sich offenbar auf 16 erhöht. Nach Angaben einer Mitarbeiterin der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin haben Anwohner in Neukölln am Mittwochmorgen weitere drei aus dem Gehsteig ausgegrabene Stolpersteine für von den Nationalsozialisten verfolgte und ermordete Bürger gemeldet. Sie habe die Stellen aber selbst noch nicht in Augenschein nehmen können, sagte die Mitarbeiterin. Der Polizei waren die neuen Fälle noch nicht bekannt.

          Die Behörden vermuten ein politisches – antisemitisches – Motiv hinter den Taten im Zusammenhang mit dem 9. November, dem Gedenktag an die Opfer der NS-Reichspogromnacht von 1938. Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Eine Spur zu den Tätern gebe es bislang nicht, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch.

          Bis Dienstagabend waren in dem Berliner Bezirk bereits 13 gestohlene Stolpersteine bemerkt worden. Besonders betroffen ist die Hufeisensiedlung im Stadtteil Britz. Die Gegend gilt als eines der Aktionsfelder der Berliner rechten Szene. Hier kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Attacken gegen Gewerkschafter, Buchhändler, Politiker oder Menschen, die sich gegen Rechts engagieren. Zuletzt brannte im Juli das Auto einer SPD-Politikerin.

          „In dieser Form gab es das bislang nicht“

          Nach Angaben der Leiterin der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin, Silvija Kavcic, ist der massive Diebstahl der Gedenksteine in Berlin neu. „In dieser Form gab es das bislang nicht“, sagte Kavcic am Mittwoch. Beschmierungen und Schändungen der Steine komme immer wieder vor, aber keinen Diebstahl. Einen vergleichbaren Fall habe es 2012 in Greifswald gegeben, als vor dem 9. November alle Stolpersteine in der Hansestadt ausgegraben wurden.

          Kavcic kündigte an, dass die gestohlenen Stolpersteine in Berlin zeitnah ersetzt werden. Es gebe eine große Spendenbereitschaft, sagte die Leiterin der Koordinierungsstelle.

          Die „Stolpersteine“ sind ein bundesweites Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Mit den kleinen Betonquadern mit Messing-Oberseite wird vor der letzten freigewählten Wohnadresse an Menschen erinnert, die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Seit 1996 wurden in Berlin weit mehr als 7.000 Stolpersteine für Juden, Sinti und Roma, Menschen aus dem politischen oder religiös motivierten Widerstand, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Opfer der „Euthanasie“-Morde und für Menschen verlegt, die als vermeintlich „Asoziale“ verfolgt wurden.

          Weitere Themen

          Mythos ist auch Wahrheit

          Jüdisches Leben in Berlin : Mythos ist auch Wahrheit

          Ein Podium im Centrum Judaicum diskutierte anlässlich der dort wiedereröffneten Dauerausstellung, was das „jüdische Berlin“ heute bedeutet. Unbequeme Fragen wurden aber lieber ausgespart.

          Berliner Stadtteile unter Wasser Video-Seite öffnen

          Starkregen : Berliner Stadtteile unter Wasser

          Heftige Niederschläge haben in Berlin punktuell zu Verkehrschaos geführt. Im Stadtteil Lichtenberg verschwanden Straßenabschnitte unter großen Pfützen. Auch die Stadtautobahn A 100 war betroffen und musste zeitweise wegen Überflutung gesperrt werden.

          Topmeldungen

          Nicht nur einer, wie Mesut Özil, ist Schuld am deutschen Aus.

          WM-Analyse : Nur Tunesien war schwächer als Deutschland

          Nach der WM wird das Turnier analysiert. Dabei wird deutlich, woran es bei den früh gescheiterten Deutschen mangelte. Die Daten geben auch Aufschluss, warum Frankreich so erfolgreich war.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.