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Missbrauchsskandal : Die Kollegen sahen weg

  • Aktualisiert am

Soll sich an Kindern, Erwachsenen und sogar Leichen vergangen haben: Jimmy Savile Bild: dapd

Ein Bericht zum BBC-Missbrauchsskandal um den verstorbenen Jimmy Savile enthüllt die Tragweite des Falls. Der Moderator wurde als schlimmster Sexualverbrecher der Geschichte eingestuft.

          Im Missbrauchsskandal um den verstorbenen Moderator Jimmy Savile haben BBC-Verantwortliche offenbar systematisch weggesehen. Zu diesem Ergebnis kommt ein unabhängiger Bericht, den die ehemalige Richterin und Leiterin der Untersuchungen, Janet Smith, am Donnerstag in London vorstellte. Eine „Atmosphäre der Angst“ und eine „sexistische Macho-Kultur“ hätten verhindert, dass die Taten des Entertainers ans Licht gekommen seien, sagte Smith. Zahlreiche Menschen bei der BBC hätten seinerzeit von Beschwerden über Saviles Verbrechen gewusst, aber nicht den Mut gehabt, Alarm zu schlagen.

          Die Zurückhaltung, sich kritisch über erfolgreiche Stars zu äußern, herrsche in der BBC bis heute, heißt es in dem Bericht weiter. Das liege auch daran, dass viele Mitarbeiter freiberuflich beschäftigt seien und nicht die Sicherheit eines Arbeitsvertrags im Rücken hätten. Einige Mitarbeiter hätten sich mehr um den eigenen Ruf gesorgt als um die Sicherheit der Kinder. Das habe dazu geführt, dass Jimmy Savile nichts zu befürchten hatte.

          „Schlimmster Sexualverbrecher in der Geschichte des Landes“

          Erst nach Saviles Tod im Oktober 2011 war herausgekommen, dass er sich über Jahrzehnte hinweg an Hunderten Kindern, Erwachsenen und sogar an Leichen vergangen hatte. Einige von Saviles Verbrechen fanden auf dem Gelände der BBC statt, die Taten reichen bis in die fünfziger Jahre zurück. Der frühere Moderator, der in den siebziger und achtziger Jahren zu den größten britischen Fernsehstars zählte, wurde von Scotland Yard als „schlimmster Sexualverbrecher in der Geschichte des Landes“ eingestuft.

          Bereits in einem vorangegangenen Bericht zum Skandal um Jimmy Savile aus dem Jahr 2012, dem Pollard-Report, wurde die Führung der BBC scharf kritisiert, und es wurde untersucht, warum über die Missbrauchsvorwürfe gegen den Moderator im eigenen Programm nicht berichtet wurde, obwohl es BBC-Journalisten bereits im Dezember 2011 gelungen war, eines seiner Opfer zu einer Aussage vor der Kamera zu bewegen. Stattdessen berichtete der Konkurrenzsender ITV im Oktober 2012 über die Taten des Moderators. Der damalige Generaldirektor der BBC, George Entwistle, musste daraufhin zurücktreten.

          Nachdem Janet Smith nun am Donnerstag ihren Untersuchungsbericht vorgestellt hatte, entschuldigte sich die BBC öffentlich. Die Rundfunkanstalt hätte die Opfer schützen müssen, sagte Direktor Tony Hall: „Ich bin zutiefst traurig über die Verletzungen, die jedem von Ihnen zugefügt wurden.“ Es müsse sichergestellt werden, dass so etwas niemals wieder passiere.

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