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Banküberfall : Für große Brüste? Aus Nächstenliebe?

  • -Aktualisiert am

Der Täter flüchtete mit 95000 Euro und verschwand durch den Angestelltenausgang. Das kam der Polizei komisch vor. Bild: AFP

Die Sparkassen-Angestellte Mandy Sandy L. ließ sich von ihrem Freund in der Bank überfallen, um eine Brust-OP finanzieren zu können. Der Plan ging schief, jetzt wurden beide verurteilt.

          Es heißt, dass Mandy Sandy L. große Ziele hatte: Körbchengröße B, vielleicht sogar C. Am Montag hatte sie immer noch kleine Brüste, aber inzwischen ein großes Problem: Sie saß im Arnsberger Landgericht, angeklagt wegen schwerer räuberischer Erpressung.

          Eigentlich, sagte Mandy Sandy L.s Anwalt vor der Verhandlung, wollte sie nur Jörg S. gefallen. Deshalb habe sie sich von ihm in ihrer eigenen Bankfiliale überfallen lassen. Von Jörg S. heißt es, er wollte ein großes Auto haben. Aber eigentlich, sagt sein Anwalt, wollte er nur seinem Vater gefallen, deshalb der inszenierte Überfall.

          Die Geschichte vom Bankraub im nordrhein-westfälischen Werl ist nicht nur eine Geschichte von der Sehnsucht nach großem Geld, großen Brüsten und noch größeren Autos. Sie ist - wenn man dem Anwalt der Angeklagten glaubt - auch eine Geschichte über zwischenmenschliche Abhängigkeiten geworden, und am Ende sogar über die Zeugen Jehovas.

          Jörg S. fuchtelte in der Bank mit einer Softair-Pistole

          Am 20. Mai vergangenen Jahres also fuhren Jörg S. und Murat Y. aufgeregt durch Werl. Sie hatten zuvor einen Motor-Roller geklaut, ein zusätzliches Fluchtfahrzeug. „Ja, das mit den Felgen geht klar“, leuchtete auf dem Display auf. Die SMS von Mandy Sandy L. bedeutete: Es kann losgehen.

          Mandy Sandy L. war an diesem Freitag die verantwortliche Mitarbeiterin in der Sparkassenfiliale von Werl. Außer ihr hielt sich nur noch eine Auszubildende in der Bank auf. Noch im Eingangsbereich der Bank überlegte es sich Murat Y. anders. Er war vorbestraft - als einziger der drei Täter. Seine Bewährung würde in zwei Tagen ablaufen, daher wurde ihm die Sache zu heiß, er flüchtete in seinem Auto. Jörg S. ging allein in die Bank, fuchtelte mit einer ungeladenen Softair-Pistole herum und fesselte die Auszubildende Maren K. mit Kabelbinder an einen Stehtisch.

          Die Polizei musste nicht lange ermitteln

          Dann ging er zu den Geldschränken, nahm sich etwa 95.000 Euro und verschwand durch den Angestelltenausgang. Das sei komisch gewesen, sagte Maren K., die Nebenklägerin. Es sei ihr so vorgekommen, als habe der Täter Insiderwissen gehabt. Die Polizei musste nicht lange ermitteln. Sie überwachte das Telefon von Mandy Sandy L., durchsuchte ihre Wohnung und passte sie unmittelbar vor ihrer geplanten Busen-OP ab. Da hatte die Bankkauffrau ihrem Freund längst versprochen: „Nächste Woche gibt’s neue Titten.“ Vorwurfsvoll las der Anwalt der Nebenklägerin diese SMS in seinem Plädoyer am Montag im Landgericht Arnsberg vor.

          Mandy Sandy L. hörte sich das fast regungslos an. Sie hatte die schwarzen Haare zu einem Zopf gebunden, die Wimpern lang, der Blick etwas trotzig. Jörg S., ihr einstiger Komplize, saß zwar direkt neben ihr, wandte sich aber meist eher seinem Anwalt zu. Seine Körperhaltung sollte wohl zeigen: Wir beide gehören nicht mehr zusammen. Das muss Mandy Sandy L. weh getan haben, wenn man die Argumentation ihres Anwalts Volker Cramer weiterdenkt. Schließlich habe sie in Jörg S. ihr „großes Vorbild“ gesehen. Und dann seien da noch ihre Eltern: Zeugen Jehovas. Sie hätten ihr den Umgang mit anderen oft verboten. In der Schule war sie dadurch außen vor, zu Geburtstagsfeiern durfte sie nicht gehen. Jörg S. habe sich zu ihrer einzigen verlässliche Bezugsperson entwickelt - „die einzig sichere Bank in ihrem Leben“.

          Verurteilt zu langen Freiheitsstrafen

          Tatsächlich hatte Jörg S. die größeren Geldprobleme. Das Geschäft in seiner Autowerkstatt lief nicht gut, sagt sein Anwalt. Er brauchte dringend einen Bulli, ein T4 von VW sollte es sein. Ohne abgeschlossene Berufsausbildung blieben ihm nicht viele Möglichkeiten. „Mein Mandant“, sagt sein Anwalt Meinolf Reuther, „wollte unbedingt seinem Vater beweisen, dass er es besser kann.“

          Zu drei Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe wurde Jörg S. am Montagnachmittag verurteilt - genau wie Mandy Sandy L. Das Gericht befand, dass sie durchaus eigenmächtig entscheiden konnte, trotz ihrer Vergangenheit als Kind von Zeugen Jehovas. Murat Y. kam noch einmal davon, mit einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren auf Bewährung. Den Angeklagten kam zugute, dass sie schon die gesamte Beute zurückgezahlt hatten und der Nebenklägerin Schmerzensgeld versprachen.

          Es müsse nicht immer alles verwirklicht werden, was an Wünschen auf einen einprasselt, sagte der Richter am Ende der Verhandlung zu den Angeklagten. „Man kann auch mal ein bisschen Geduld aufbringen, dann sieht manches anders aus.“ Ob das auch für Oberweiten gilt?

          Quelle: F.A.Z.

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