Home
http://www.faz.net/-gus-x6gs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Bandenkrieg Zwei Rocker verurteilt, vierzehn weitere in Haft

10.06.2008 ·  Hells-Angels-Aussteiger im Zeugenschutzprogramm gibt Polizei entscheidende Hinweise

Artikel Video (1) Lesermeinungen (0)

Die Ermittlungen gegen Mitglieder der Rockergruppe Hells Angels in Bremen und Verden haben sich am Dienstag ausgeweitet. Mittlerweile sind 14 von ihnen in Haft, nachdem sich vier gestellt hatten. Dabei geht es um schweren Raub und gefährliche Körperverletzung. Den Durchbruch bei den Ermittlungen brachte ein Kronzeuge, der sich in einem Zeugenschutzprogramm befindet. Die Staatsanwaltschaft Verden bestätigte am Dienstag Berichte, wonach der Kronzeuge gegen die Clubmitglieder ausgesagt habe.

Man hatte sich von dem Zeugen auch neue Erkenntnisse in einem Mordprozess in Münster erhofft. Der Mann sagte jedoch, zu dem Fall nichts beitragen zu können. Zwei Mitglieder der Motorradgang Bandidos wurden daraufhin am Dienstag in einem Indizienprozess zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Sie sollen im Mai 2007 ein 47 Jahre altes Hells-Angels-Mitglied erschossen haben. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert. Der Krieg zwischen den Motorradbanden schwelt schon seit Jahrzehnten, vor allem in Nordeuropa.

Rauschgifthandel, Zuhälterei und Gewaltdelikte

Mitgliedern der straff organisierten Gruppen wird eine Nähe zur organisierten Kriminalität nachgesagt. Zahlreiche Rocker wurden wegen Rauschgifthandels, Zuhälterei und Gewaltdelikten verurteilt und Hells-Angels-Clubs in Hamburg und Düsseldorf als kriminelle Vereinigung verboten. Deren Mitglieder, in Deutschland gibt es offenbar um die tausend, sind häufig als Türsteher und Bordellbetreiber tätig. Sie bemühen sich derzeit um ein friedlicheres Außenbild.

Sichtbar wurde das am vergangenen Wochenende in Hannover beim alle zwei Jahre stattfindenden Europa-Treffen. Zu ihm lud der Hells-Angels-Club in Hannover; er gilt als der größte der Welt. Der Vorsitzende spielt nach Aussagen der Polizei eine entscheidende Rolle im hannoverschen Rotlichtmilieu. Knapp 2000 Rocker hatten in einer Sauna-Villa mit bengalischem Feuer, Lasershow und einem Kaffeekränzchen im Grünen gefeiert; einige quartierten sich im einzigen Fünf-Sterne-Hotel der Stadt ein.

Festnahmen auf der Autobahnraststätte

Aus Sicherheitsgründen griffen Spezialeinsatzkommandos der Polizei erst nach dem Ende des Treffens ein. Sie nahmen acht Rocker auf dem Rückweg von der Feier auf einer Autobahnraststätte fest. Die Männer stehen im Verdacht, an einem Überfall auf ein Clubheim der Bandidos im März 2006 in Stuhr beteiligt gewesen zu sein.

Damals wurden sechs Männer gefesselt und schwer misshandelt. Zeitgleich mit der Festnahme durchsuchte die Polizei das Vereinsheim der Hells Angels in Bremen und fand neben Betäubungsmitteln auch Schusswaffen und Munition, die aus einem Einbruch in ein Waffengeschäft stammen sollen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen