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Veröffentlicht: 04.07.2011, 16:10 Uhr

Arabische Kriminelle in Deutschland Das regeln wir unter uns

Viele Serienstraftäter in größeren Städten entstammen arabischen Großfamilien. Mit Gewalt, Geld und guten Anwälten hebeln die Clans mitunter das Justizsystem aus. Wie das ablaufen kann, veranschaulicht ein Prozess in Berlin.

von
© dapd Einer der Angeklagten im Landgericht Moabit

Was zum Höhepunkt des Prozesses hätte werden können, dauert keine fünf Minuten. Am fünften Verhandlungstag des Verfahrens, das vom Gericht mit „Schießerei bei Auseinandersetzung zwischen zwei Großfamilien“ überschrieben ist, tritt der wichtigste Zeuge auf.

Julia Schaaf Folgen:

Dieser Mann kennt die Hintergründe des Geschehens. Seine Aussage könnte Einblicke liefern in Gepflogenheiten und Rivalitäten arabischer Clans. Die Sicherheitsvorkehrungen für den Saal 500 im Berliner Landgericht sind streng. Nidal R. ist der bekannteste Intensivtäter der Stadt. Erst das öffentliche Entsetzen über seine kriminelle Karriere hatte einst dazu geführt, dass Polizei und Staatsanwaltschaft auf jugendliche Mehrfachtäter mit einem abgestimmten Konzept reagieren.

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Ein bulliger Typ, der als Opfer auftritt

Nidal R. ist heute 29 Jahre alt, ein bulliger Typ mit getrimmtem Vollbart, der Jeans und Lederweste trägt. Der staatenlose Palästinenser kommt aus der Justizvollzugsanstalt Tegel, wo er eine kurze Strafe verbüßt für einen Vorfall während seines jüngsten Gefängnisaufenthalts. Trotzdem erscheint Nidal R. an diesem Dienstag nicht als Täter, sondern als Opfer vor Gericht. Am Abend des 11. November vergangenen Jahres hat er vor einem kleinen Café an der Emser Straße in Neukölln zwei Schüsse abbekommen. Ein Projektil streifte seine Wade, das andere durchschlug die Sohle seines Turnschuhs und blieb in der Ferse stecken.

Angeklagter2 © dapd Vergrößern Gibt sich siegessicher: ein anderer Angeklagter

„Haben Sie einen Beruf erlernt?“, fragt die Richterin.

„Keinen“, sagt Nidal R.

„Üben Sie einen aus?“

Nidal R. schüttelt den Kopf.

„Sie dürfen schweigen, aber nicht lügen“, sagt die Richterin dann im Zuge ihrer vorgeschriebenen Belehrungen. „Wollen Sie sich äußern?“

Nidal R. beugt sich vor zum Mikrofon. Seine Stimme ist laut und klar. „Nein“, sagt er. Wie ein schlendernder Gorilla verlässt er den Saal.

Arabische Großfamilien sind eine Herausforderung für die Justiz

Die Anklage stützt sich maßgeblich auf Nidals Aussage vor den Ermittlern - doch jetzt beruft er sich auf sein Schweigerecht. Und das Verblüffendste an der gescheiterten Vernehmung: Keiner im Saal scheint sich zu wundern. Der Staatsanwalt hat es kommen sehen, die Richter wirken routiniert, nicht einmal die Angeklagten machen einen erleichterten Eindruck.

Das Reizthema „arabische Großfamilien“ stellt die Justiz vor neue Herausforderungen. Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra spricht von einem „Kriminalitätsphänomen, das uns zunehmend Kopfzerbrechen bereiten muss“. Der Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität bei der Staatsanwaltschaft Berlin sagt: „Wir beobachten, dass diese Familien aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten und ihres Drohpotentials in der Lage sind, Beweismittel scheinbar beliebig zu beeinflussen.“

Von 25 Großfamilien gelten sechs als besonders kriminell

Schon in den neunziger Jahren warnte die Berliner Polizei den Bezirk Neukölln vor einem Dutzend libanesisch-kurdischer Familien, aber es hieß, man brauche sich nicht zu kümmern: Die Kriegsflüchtlinge würden eines Tages in ihre Heimat zurückkehren. Bekanntermaßen hat die Geschichte einen anderen Verlauf genommen, und während Integrationsversagen und Kriminalität auf so ungute Weise ineinandergreifen, dass Diskussionen zum Thema entweder mit ideologischen Scheuklappen oder mit Schaum vorm Mund geführt werden, lässt sich die Lage in Zahlen fassen. Zwar schickt das Berliner Landeskriminalamt voraus, dass man nicht gegen sogenannte Clans ermittle, sondern gegen einzelne Straftäter. Die Mehrheit der Mitglieder arabischer Großfamilien ist zudem strafrechtlich unbelastet.

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