Einen Tag nach dem Anschlag auf eine Modeschule im apulischen Brindisi hat die örtliche Staatsanwaltschaft am Sonntag die Suche nach einem Einzeltäter aufgenommen, von dem eine Videokamera „gute Bilder“ festgehalten habe. Sie zeigen nach den Worten des örtlichen Staatsanwalts Alfio Sciacca einen „erwachsenen, vielleicht ausländischen Mann“, der beim Aussteigen aus einem Bus per Fernzündung die Bombe auf einer Mauer vor der Schule gezündet haben könnte.
Bei der Explosion war gegen acht Uhr eine 16 Jahre alte Schülerin ums Leben gekommen. Ein Mädchen liegt mit schwersten Verbrennungen im Krankenhaus, fünf weitere Schülerinnen werden mit weniger schweren Verletzungen behandelt. Am Samstag wurde noch vermutet, das organisierte Verbrechen habe den Anschlag verübt, denn die Schule ist nach der Ehefrau von Anti-Mafia-Anwalt Giovanni Falcone benannt, die mit ihrem Mann vor genau 20 Jahren einem Anschlag der Cosa Nostra zum Opfer gefallen war. Doch auch der Anti-Mafia-Staatsanwalt der nahen Stadt Lecce, Cataldo Motta, sagte, gerade die örtliche Mafia sei um sozialen Konsens bemüht. Eine solche Tat stehe dazu im Widerspruch. Der Anschlag trage zudem nicht die Handschrift der Mafia.
Auch glaubt die Staatsanwaltschaft nicht mehr an die Tat „autonomer Anarchisten“. Erst zum Wochenende hatte die Regierung angekündigt, die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. Hintergrund waren ein Anschlag auf den Manager eines Atomunternehmens sowie eine Reihe von Briefbomben an Finanzbehörden. Dieser Anschläge hatten sich Anarchisten bezichtigt. In Brindisi habe wohl ein Einzeltäter gezielt die Modeschülerinnen treffen wollen. Der Sprengsatz habe aus drei Gasbehältern, einem Zünder und einer Zeitschaltuhr bestanden, hieß es. In mehreren Städten zwischen Mailand und Palermo demonstrierten am Wochenende Menschen gegen jede Art von Gewalt. Dabei erinnerten sie vor allem an die Mafia-Morde vor 20 Jahren.