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Samstag, 11. Februar 2012
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Anschlag auf Königsfamilie „Unglaublich, sprachlos, sinnlos, machtlos“

01.05.2009 ·  Der Königinnentag war bislang in den Niederlanden ein fröhlicher Feiertag. Die Amokfahrt eines Mannes, der die Königsfamilie töten wollte und sechs Menschen in den Tod riss, wird den Tag für immer verändern. Ein Trauergottesdienst wurde derweil abgesagt.

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Das Entsetzen einer ganzen Nation hat eine Frau aus Apeldoorn in vier Worte gefasst: „Unglaublich, sprachlos, sinnlos, machtlos“, steht auf einem handgemalten Plakat am Monument De Naald, auf das der Königinnen-Attentäter am Donnerstag mit seinem Kleinwagen prallte. Kaum etwas symbolisiert die Tragik des Geschehens am niederländischen Nationalfeiertag stärker als dieser Obelisk. Er war 1901 zu Ehren von Königin Wilhelmina und als Zeichen der Verbundenheit zwischen dem Volk und der Oranier- Dynastie aufgerichtet worden.

Doch genau die ist nun durch die Tat des 38-jährigen Karst T. ins Wanken geraten. „In Apeldoorn ist eine nationale Illusion kaputtgemacht worden“, klagt die Zeitung „de Volkskrant“ am Freitag. „Die Illusion von der Unantastbarkeit der Oranier am Königinnentag.“ Genau gegenüber vom königlichen Palais Het Loo, dem Stolz jedes patriotischen Niederländers, sei aus einem Freudenfest in Sekunden „ein Kriegsgebiet, eine Stadt wie im Nahen Osten“ geworden. Sieben Tote und zwölf Verletzte lautet die Bilanz am späten Freitagnachmittag, nachdem ein 55 Jahre alter Beamter der Militärpolizei seinen schweren Verletzungen erlag.

Der 38-Jährige Amokfahrer war am Donnerstag mit seinem schwarzen Suzuki Swift in die Menschenmenge, die der vorbeifahrenden Königsfamilie fröhlich zuwinkte. Zwei Frauen und vier Männer wurden getötet, zwölf weitere Menschen erlitten zum Teil schwere Verletzungen - unter ihnen Kinder und Mitglieder einer Musikkapelle. Bevor der Attentäter am Tatort ohnmächtig wurde, sagte er Polizisten, er habe die königliche Familie treffen wollen. Der Amokfahrer selbst starb in der Nacht an den Folgen seiner Verletzungen.

Derweil haben zehntausende Niederländer in Kondolenzbüchern sowie auf Internetseiten ihr Beileid mit den Opfern und deren Hinterbliebenen bekundet. Auch aus allen Teilen der Welt seien Beleidsschreiben eingegangen, teilte ein Regierungssprecher mit. Ein für Freitagabend geplanter Gedenkgottesdienst für die Opfer ist unterdessen abgesagt worden. Nur einen Tag nach der dramatischen Bluttat sei es für die Angehörigen der Opfer noch zu früh, an einem öffentlichen Gedenken teilzunehmen, erklärte ein Sprecher der Gemeinde Apeldoorn. Später ergänzte die Gemeinde, dass es am Abend von 20.00 Uhr an dennoch eine „Zusammenkunft zur Besinnung“ geben werde, die für alle offen stünde. Diese habe jedoch nicht den Charakter eines offiziellen Gedenkgottesdienstes, der erst später möglich sei.

Die Ermittlungen zu den genauen Umständen der Bluttat laufen auf Hochtouren. Dafür wurden 250 Polizeibeamte abgestellt. Eine unabhängige Untersuchung soll klären, wie es zu den Bluttat kommen konnte. Das teilte der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde Apeldoorn, Fred de Graaf, am Freitag mit. Die Kommission werde an diesem Samstag die Arbeit aufnehmen. Sie soll unter anderem klären, warum es dem Attentäter gelingen konnte, am Donnerstag mit seinem Kleinwagen Absperrungen vor einem Umzug der Königin zu durchbrechen. Ein terroristisches Motiv für die Tat hatte die Polizei aber rasch ausschließen können.

Das dramatische Geschehen wurde live vom Fernsehen übertragen

Die Ermittler gehen von persönlichen Motiven des Attentäters aus. Möglicherweise war es die Tat eines Verzweifelten. Der Halter des Kleinwagens , dessen Wohnung in Huissen südlich von Arnheim durchsucht wurde, habe seinen Job verloren und sei nicht mehr in der Lage gewesen, seine Miete zu bezahlen, berichtete die niederländische Nachrichtenagentur ANP. Die Polizei bestätigte die Wohnungsdurchsuchung, wollte sich aber nicht weiter zur Identität des Amokfahrers äußern. Abgesehen von dem Anschlag auf das Königshaus werde er wegen mehrfachen Totschlags oder sogar Mordes angeklagt, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Das dramatische Geschehen während des traditionellen Umzugs der Königsfamilie wurde weitgehend live vom Fernsehen übertragen. Millionen Niederländer sahen, wie ein bereits stark beschädigter schwarzer Kleinwagen hinter den Absperrungen Menschen zu Boden riss. Sie erlebten mit, wie der Mann dann offenkundig die Kontrolle über sein Auto vom Typ Suzuki Swift verlor, und dicht neben dem königlichen Bus gegen ein Denkmal raste. Er musste später aus dem zertrümmerten Wagen herausgeschweißt werden.

Alle offiziellen Feiern abgesagt

In dem Bus standen Kronprinz Willem-Alexander (42) und seine Frau Máxima (37) auf und hielten sich die Hände vor den Mund, blankes Entsetzen in den Augen. Wie es schien, sah die 71-jährige Königin selbst den Aufprall des Autos nicht, hörte ihn aber und drehte sich um, als ihr Bus weiterfuhr, berichteten Zeugen. Königin Beatrix wandte sich später erkennbar aufgewühlt in einer Fernsehansprache an die Nation. Sie sei zutiefst geschockt und traurig über das Geschehene, erklärte die Monarchin. Es sei unfassbar, dass so etwas passieren konnte. Die Königin sprach allen Verletzten sowie den Angehörigen der Getöteten ihr tief empfundenes Beileid aus. Zugleich sagte sie alle offiziellen Feiern zum Königinnentag ab (siehe: Königin Beatrix: „Alle sind erschüttert und fassungslos“).

Auch Ministerpräsident Jan-Peter Balkenende äußerte Bestürzung. Der Königinnentag, der so fröhlich begonnen habe, sei „ein trauriger Tag“ geworden. Unmittelbar nach der blutigen Amokfahrt versuchten Zuschauer und Rettungsdienste, Schwerverletzte zu reanimieren. Auch um die Würde von blutenden Ohnmächtigen zu wahren und sie nicht den Kameras auszusetzen, hielten Menschen Tücher vor die Liegenden. „Das ist ein Blutbad, furchtbar“, sagte ein Frau unter Tränen vor den laufenden Fernsehkameras. „Anschlag, das kann doch nur ein Anschlag sein“, fügte ein Mann hinzu.

Alle Flaggen auf Halbmast

Die Polizei startete sofort einen Großeinsatz - zum Schutz der königlichen Familie sowie zur Klärung der Hintergründe des grauenvollen Geschehens. Niederländische Medien erwähnten die weiße Hautfarbe des mutmaßlichen Attentäters. Damit sollte offenkundig deutlich gemacht werden, dass es sich nicht um die Tat eines Mannes aus der islamistischen Szene handelte. Im Jahr 2004 hatte ein muslimischer Attentäter den islam-kritischen Regisseur Theo van Gogh auf offener Straße in Amsterdam erschossen. Daraufhin war es zu gewalttätigen Übergriffen auf Moscheen und gegen Muslime gekommen.

Der Königinnentag wird in den Niederlanden normalerweise auf unzähligen Partys von Millionen von Menschen ausgelassen gefeiert. In diesem Jahr gab es noch einen besonderen Grund dafür - Beatrix' Mutter, die 2004 gestorbene frühere Königin Juliana, die als „Mutter der Nation“ verehrt wurde, wäre am Donnerstag 100 Jahre alt geworden. In Amsterdam und vielen anderen Städten folgten die Organisatoren jedoch dem Aufruf zur Trauer und sagten Partys ab. Vielerorts wurden wie in Apeldoorn alle Flaggen auf Halbmast gesetzt.

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