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Anklage erhoben Mörder von Eislingen handelten aus Habgier

31.07.2009 ·  Lange Zeit rätselten die Ermittler, jetzt scheint klar zu sein: Andreas H. hat gemeinsam mit seinem Freund seine eigene Familie ausgelöscht, um allein in den Genuss des Vermögens zu kommen. Die Staatsanwaltschaft Ulm hat Anklage gegen die beiden Tatverdächtigen erhoben.

Von Rüdiger Soldt
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Die Staatsanwaltschaft Ulm hat Anklage gegen den 18 Jahre alten Andreas H. und dessen 19 Jahre alten Freund Frederik erhoben. Beide hatten in der Nacht auf Karfreitag in der baden-württembergischen Kleinstadt Eislingen erst die beiden Schwestern von Andreas H. und dann dessen Eltern erschossen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Tätern vor, „gemeinschaftlich und arbeitsteilig“ zunächst die 22 und 24 Jahre alten Schwestern und dann die Eltern getötet zu haben.

Auf die jüngere Schwester feuerten die Täter neun, auf die ältere zehn Schüsse ab. Plastikflaschen benutzten sie als Schalldämpfer. Den 57 Jahre alten Vater, einen Heilpraktiker, töteten sie mit acht Schüssen, die Mutter, eine Lehrerin, mit drei Schüssen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ist das Tatmerkmal Heimtücke erfüllt, weil die Opfer nichts ahnten. Es sei außerdem Habgier im Spiel gewesen. Schließlich hätten sie Diebesgut kurz vor den Morden entsorgt. „Es war kein Tyrannenmord, und es war auch keine Affekttat, das Motiv war Habgier“, sagte der ermittelnde Staatsanwalt dieser Zeitung.

Autoritär geführtes Elternhaus

Der Heilpraktikersohn muss geplant haben, sein autoritär geführtes Elternhaus zu verlassen. Im Februar 2009 soll Andreas H. eine Vollmacht über das Schweizer Konto seiner Mutter bekommen haben. Weil er die wirtschaftliche Unsicherheit fürchtete, soll er den Plan entwickelt haben, seine Eltern und Schwestern zu töten, um das sechsstellige Guthaben erben zu können. In dem Erdloch, in dem die Täter die Waffen nach der Tat versteckt hatten, fand die Polizei auch eine von Frederik verfasste „Wunschliste“ mit Konsumartikeln.

Bislang war über ein Motiv nur spekuliert worden: für außergewöhnliche familiäre Konflikte und eine homoerotische Beziehung zwischen Andreas H. und seinem Freund Frederik gibt es aber keine Anhaltspunkte. „Schwerwiegende innerfamiliäre Konflikte sind als Motiv für die Auslöschung der Familie nicht plausibel“, sagte der Staatsanwalt. Möglicherweise habe sich der Täter gegenüber seinen Schwestern benachteiligt gefühlt.

Sohn bestreitet, geschossen zu haben

Die Staatsanwaltschaft legt den Tätern in der Anklageschrift noch fünf Einbruchsdiebstähle zur Last: 2007 sollen sie in eine Schule eingebrochen sein, im Sommer desselben Jahres brachen sie zwei Mal in das Vereinsheim des Eislinger Sportvereins ein, wenige Monate später stahlen sie Getränke aus einem Supermarkt. Im Oktober 2008 beschafften die Täter sich mit einem Einbruch in ein Schützenvereinsheim die Tatwaffen sowie weitere Kurz- und Langwaffen.

Der 19 Jahre alte Täter hat die Beteiligung an dem Mord und den Diebstählen zugegeben; der Sohn des Heilpraktikers gab gegenüber einem Sozialarbeiter in der Haft zu, sich an der Tat beteiligt zu haben. Er bestreitet aber, ebenfalls geschossen zu haben. Der nichtöffentliche Prozess wird vor der Jugendkammer des Landgerichts Ulm verhandelt.

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Jahrgang 1966, politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

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