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Angriff auf Flüchtlingsheim : Schweigen und Widersprüche im Prozess um Handgranatenwurf

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Spurensicherung in Villingen-Schwenningen vor einer Flüchtlingsunterkunft im Januar. Bild: dpa

Sechs Angeklagte stehen in Konstanz vor Gericht, weil sie eine Handgranate auf das Gelände eines Flüchtlingsheims geworfen haben sollen. Die Staatsanwaltschaft geht bisher von einem Konkurrenzkampf unter Sicherheitsfirmen aus.

          „Kann sein“, sagt der Angeklagte mehrfach, als ihn Richter und Staatsanwaltschaft auf Widersprüche in seiner Aussage hinweisen. Und: „Ich kann mich nicht genau erinnern.“ Der 24-Jährige steht mit fünf weiteren Beschuldigten vor dem Landgericht Konstanz, weil sie eine Handgranate auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) geworfen haben sollen. Das Wurfgeschoss war am 29. Januar an einem Wachcontainer der Einrichtung aufgeschlagen, aber nicht explodiert. Spezialkräfte der Polizei sprengten die Handgranate später, verletzt wurde niemand. Der Vorwurf vor Gericht lautet unter anderem versuchter Mord.

          Besonders gesprächig sind die Angeklagten zwischen 23 und 38 Jahren zum Prozessauftakt am Donnerstag nicht – zunächst machen nur zwei von ihnen Angaben zur Tat. Dabei decken sich ihre Aussagen aber nicht in allen Teilen. Von wem der Auftrag zu dem Anschlag kam, wer die Idee mit der Handgranate hatte, warum sie geworfen wurde – die Richter bemühen sich am ersten Verhandlungstag vor allem darum, den Hergang des Vorfalls zu rekonstruieren.

          Zuerst soll ein Angriff mit Pfefferspray geplant gewesen sein

          Die Staatsanwaltschaft geht bislang von einem Konkurrenzkampf unter Sicherheitsfirmen aus. Zwei der Angeklagten hatten demnach selbst ein Überwachungsunternehmen in Villingen. Sie sollen den Anschlag in Auftrag gegeben haben, um einen verloren gegangenen Bewachungsauftrag zurückzubekommen. Mit der Aktion hätten die Wachleute eingeschüchtert und gezeigt werden sollen, dass die betroffene Firma nicht zu einer ordentlichen Bewachung der Unterkunft in der Lage sei.

          Die Aussagen der zwei Angeklagten scheinen das zu bestätigen: Demnach war der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma zur Konkurrenz gewechselt und hatte den Auftrag für die Asylbewerberunterkunft in Villingen mitgenommen. Diesem Mann hätten sie eine „Lektion verpassen“ und gleichzeitig den Auftrag zurückbekommen wollen, sagt der 24-Jährige. Zunächst hätten sie einen Anschlag mit Pfefferspray geplant, das aber nach einem missglückten Versuch wieder verworfen. Dann habe ein anderer Beschuldigter die Idee mit der Handgranate gehabt.

          „Die hätte nie losgehen können“

          Er habe zwei Angeklagten den Weg zu der Flüchtlingsunterkunft gezeigt und sei dann weggefahren, sagt der Mann. Beim eigentlichen Angriff am zweiten Abend sei er gar nicht dabei gewesen. Er habe erst später davon erfahren und gedacht: „Wir sind erledigt.“ Ein weiterer Angeklagter behauptet, lediglich der Fahrer gewesen zu sein und zu Beginn nicht einmal gewusst zu haben, dass es sich um eine echte Handgranate gehandelt habe.

          Die Waffe sei überhaupt nicht scharf gewesen, betont der 24-Jährige zudem. „Die hätte nie losgehen können.“ Bekommen habe er die Handgranate zusammen mit einer weiteren schon Monate vorher von einem Bekannten - zu Dekorations-Zwecken. Die anderen Beschuldigten hätten nicht gewusst, dass das Wurfgeschoss nicht scharf war. Warum er es ihnen nicht gesagt habe, fragt ihn der Staatsanwalt. Als Antwort bekommt er nur ein Schulterzucken.

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