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Veröffentlicht: 25.08.2005, 19:28 Uhr

Andreas Türck Sensationsprozeß mit Lücken und Tücken

Daß Andreas Türck ein aus dem Fernsehen bekannter Talkmaster ist, scheint auf den Prozeß gegen ihn abzufärben. Staatsanwaltschaft und Verteidigung kämpfen mit öffentlichkeitswirksamen Mitteln. Die Suche nach der Wahrheit wird dadurch nicht erleichtert, die Anklage steht offenbar auf tönernen Füßen.

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© picture-alliance/ dpa/dpaweb Der Angeklagte Andreas Türck bestreitet die Vorwürfe.

Das Strafverfahren gegen den seit 2003 unbeschäftigten Fernsehmoderator Andreas Türck hat sich von einem Fall gehemmter Anfangsermittlungen zu einem Sensationsprozeß entwickelt. Staatsanwälte und Verteidiger kämpfen mit öffentlichkeitswirksamen Mitteln. Tonbandprotokolle, die nach Auffassung des Gerichts unverwertbar sind, gelangten über die Verteidiger Susanne Wagner und Rüdiger Weidhaas in Form eines Befangenheitsantrags in Reporterblöcke. Staatsanwältin Nadja Niesen und ihr Kollege Wilhelm Möllers überzogen zur Überraschung des Gerichts einen Entlastungszeugen mit einem Strafverfahren, noch bevor er überhaupt etwas gesagt hatte. Das Ringen um die Wahrheit, immer auch ein Umgang mit Zweifeln, scheint in diesem Prozeß zuweilen durch den Mut zum Bekenntnis ersetzt.

An beinahe jedem Verhandlungstag des Anfang August vor der 27. Großen Strafkammer begonnenen Prozesses gab es Hinweise, daß das Verbrechen der Vergewaltigung, das dem Angeklagten zur Last gelegt wird, sich möglicherweise nicht beweisen läßt. Behauptet wird das Verbrechen von einer 29 Jahre alten Bankkauffrau. Ein Kriminalbeamter sagte vor Gericht: "Sie hatte Probleme." Eine Freundin sagte: "Ich habe ihre Haltung nicht verstanden." Eine andere: "Ich weiß heute noch nicht hundertprozentig, was passiert ist." Gleichwohl scheint die Staatsanwaltschaft eine mehrjährige Freiheitsstrafe anzustreben, als habe für sie der rechtsstaatliche Grundsatz, daß Zweifel zugunsten des Angeklagten zu werten sind, nicht eine gar so große Geltung.

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Verletzungen nicht mit dem Anklagevorwurf vereinbar

Die Aussage eines Zeugen, Türck und die im Prozeß als Nebenklägerin zugelassene Katharina B. hätten in der Nacht zum 25. August 2002 einvernehmlich Oralsex gehabt, ist als abgestimmt auf die vorprozessuale Aussage des Angeklagten bezeichnet worden. Die Staatsanwaltschaft verfolgt den Zeugen wegen des Verdachts der versuchten Strafvereitelung, der Verleumdung und der uneidlichen Falschaussage. Keine Erwägung war es den Staatsanwälten wert, daß die entlastende Aussage trotz dieser Drohung gemacht wurde. Auch die Aussage eines wegen Drogendelikten eingesperrten Bekannten der Nebenklägerin, sie habe ihm schon einmal eine erfundene Vergewaltigung berichtet, gilt als suspekt.

Prozess gegen Andreas Türck - mutmaßliches Opfer © picture-alliance/ dpa/dpaweb Vergrößern Mutmaßliches Opfer Katharina B. mit ihrer Anwältin Friederike Vilmar (links)

Ein Rechtsmediziner der Frankfurter Universität legte allen Prozeßbeteiligten dar, daß das von Nebenklägerin und Zeuginnen beschriebene Verletzungsbild einer kleinen Beule am Kopf und roten Stellen am Hals nicht mit dem Anklagevorwurf vereinbar ist. Türck habe sein Opfer vor oder während der Vergewaltigung bis an den Rand einer Ohnmacht mißhandelt. Doch nach dem Gutachten beantragte die Staatsanwältin, den Nebenvorwurf der Körperverletzung nunmehr auf gefährliche Körperverletzung zu erweitern. Es liege der Verdacht einer lebensbedrohlichen Behandlung vor. Der Gutachter hatte das Gegenteil erklärt.

Drehpunkt des Prozesses sind die Aussage der Nebenklägerin und ihr von Zeugen bekundetes Verhalten nach der angeblichen Tat. Katharina B. hat geschildert, der Angeklagte habe sich mit ihr auf der Brücke über der Einfahrt zum Frankfurter Osthafen befunden, um die nächtliche Frankfurter Skyline zu bewundern. Er habe sie jedoch mit dem Kopf gegen das Geländer oder einen Brückenträger geschlagen, sie gewürgt, zugleich mit derselben Hand auf die Knie gedrückt und zum Oralverkehr gezwungen. Ob sie auch vaginal vergewaltigt worden sei, könne sie nicht mit Bestimmtheit sagen, Unterleibsschmerzen am nächsten Tag ließen sie dies vermuten. Sie sei durch das brutale Vorgehen des Angeklagten derart in Panik versetzt gewesen, daß sie nicht um Hilfe rief, obwohl sich außer ihr und Türck noch zwei weitere Personen auf der Brücke befanden, darunter ihre Freundin. Wegen der mentalen Lähmung sei sie auch nach der Tat wieder in Türcks Autos gestiegen und habe sich zu einer nahen Tankstelle zurückfahren lassen.

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