12.03.2009 · Nach dem Amoklauf von Winnenden, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen, hat die Polizei erste Vermutungen, was die grausame Tat ausgelöst haben könnte. Der 17 Jahre alte Tim K. soll in den vergangenen Monaten viel Zeit mit Killerspielen am Computer, Softairwaffen und Horrorvideos verbracht haben.
Ein Tag nach dem Amoklauf von Winnenden mit 16 Toten hat die Polizei erste Vermutungen, warum der 17 Jahre alte Schüler Tim K. die Tat begangen haben könnte. Es gebe „erste Ansatzpunkte für ein Motiv“, sagte der der leitende Waiblinger Kriminaldirektor Ralf Michelfelder am Donnerstagmorgen im ZDF. Näheres soll auf einer Pressekonferenz am Mittag in Waiblingen in der Polizeidirektion bekanntgegeben werden.
Der Amokläufer hat anscheinend in den vergangenen Monaten viel Zeit mit Killerspielen am Computer verbracht. Die Polizei hat seinen privaten Computer ausgewertet. „Wir haben bei ihm unter anderem das Spiel Counterstrike gefunden“, bestätigte ein Polizeisprecher. Tim K. habe auch viel Zeit damit verbracht, mit Softairwaffen zu schießen.
Der Täter hatte im vergangenen Jahr an der Albertville-Realschule Winnenden die Mittlere Reife abgelegt und eine Ausbildung begonnen. Nach Angaben der Polizei ist der Vater des Jugendlichen Mitglied in einem Schützenverein und verfügt legal über mehrere Waffen.
Animiert durch Amoklauf in Alabama?
Die Tatwaffe sowie mehrere hundert Patronen soll der Täter im Schlafzimmer seiner Eltern an sich genommen haben. Wie die Polizei weiter mitteilte, gibt es keine Hinweise darauf, dass die Tat angekündigt oder absehbar gewesen sei. Es würden auch Kleidung und bevorzugte Musik des Jugendlichen ausgewertet, um Hinweise auf ein Motiv zu finden. Ob er sich möglicherweise von dem Amoklauf im amerikanischen Bundesstaat Alabama, wo in der Nacht zu Mittwoch elf Menschen getötet wurden, beeinflussen ließ, war zunächst unklar.
Tim K. sei „ziemlich eigen“ geworden, sagte ein 19-Jähriger aus der Nachbarschaft von Tim K., der sich Thomas nennt, seinen richtigen Namen aber lieber nicht nennen will. Ein ganzes Arsenal von Luftdruckwaffen habe Tim in seinem Zimmer gelagert. Der 19-Jährige Michael V., der mit dem Amokläufer Tischtennis spielte, fügt hinzu: „Er hatte Tausende Horrorvideos zu Hause.“ Softairwaffen und Luftdruckpistolen hätten bei Tim einfach so herumgelegen. Die habe er wohl aus dem Keller seines Vaters gehabt, sagt Thomas.
Der Vater, der nach der Schilderung von Nachbarn ein „typischer Patriarch“ sei, habe eine ganze Sammlung besessen. Nach Angaben der Polizei hat Tim K. habe die Tatwaffe aus dem Schlafzimmer der Eltern entwendet. Alle anderen schweren Waffen des Vaters lagen sicher in einem Tresor. Es deute vieles darauf hin, dass der Vater, der einen Waffenschein hat, bei der Aufbewahrung der Tatwaffe „nachlässig war“, bestätigt Polizeichef Michelfelder. Eine Bewertung obliege aber der Staatsanwaltschaft, die gegen den Vater wegen Verstoßes gegen das Waffenrecht ermittelt.
Die Eltern haben ihren Wohnort in Leutenbach vorübergehend verlassen. „Die Eltern sind bereits am Mittwoch auf eigene Initiative hin gegangen“, sagte ein Polizeisprecher. Der Ort ihres Verbleibs werde nicht bekanntgegeben. Sie wollten in Ruhe gelassen werden. „Sie werden nicht von der Polizei geschützt.“
Mindestens 60 Schüsse abgefeuert
Die bei dem Einsatz verletzten Polizisten seien außer Lebensgefahr, sagte Polizeichef Michelfelder. Von den verletzten Schülern seien sieben noch im Krankenhaus. Sie seien teilweise schwer verletzt, „bis hin zu Bauchschüssen“, aber glücklicherweise auch außer Lebensgefahr. Die Polizei in Waiblingen sprach am Morgen von insgesamt neun Verletzten, darunter fünf Schüler. Tim K. habe bei dem Amoklauf allein in der Schule mindestens 60 Schüsse abgefeuert, sagte Michelfelder.
Bei dem Amoklauf hatte der 17 Jahre alte Tim K. am Mittwoch zunächst an seiner alten Schule acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen getötet. Laut Polizei wurden zudem neun Personen an der Schule verletzt. Bei seiner Flucht erschoss Tim K. einen Passanten, entführte ein Auto und tötete nach einer Verfolgungsjagd zwei Menschen in einem Autohaus in Wendlingen. Bei dem Schusswechsel mit der Polizei verletzte er zwei Beamte schwer, bevor er nach Angaben der Staatsanwaltschaft verletzt wurde und sich dann offenbar selbst tötete.
24 Stunden nach dem Massaker begannen viele Schulen in Baden- Württemberg damit, das schreckliche Geschehen im Unterricht aufzuarbeiten. Kultusminister Helmut Rau (CDU) rief alle Schulleiter im Land dazu auf, in den Stundenplänen Freiräume für Gespräche und Trauerarbeit zu schaffen. Am Tatort wird nicht unterrichtet: Die Realschule bleibt bis auf weiteres geschlossen.
Psychologen kümmern sich derzeit weiter um die Angehörigen der Toten und um die Schüler und Lehrer, die das Drama überlebt haben. Zahlreiche Bundesländer schickten Schul- und Polizeipsychologen nach Baden-Württemberg. Kultusminister Rau forderte die Schulleiter auf, ihren Rahmenkrisenplan auf den neuesten Stand zu bringen. Er rechnete mit Trittbrettfahrern und Amok-Drohungen. So musste in Freiburg nach einer Bombendrohung eine Schule geräumt werden. Ob es sich tatsächlich um eine ernste Drohung handelte, konnte die Polizei zunächst nicht sagen.
Ursache und Wirkung verwechselt ....
Fjonan Z. (Fjonan)
- 12.03.2009, 10:02 Uhr
Das ist aber noch kein Motiv...
Marco Vogt (VogtNuernberg)
- 12.03.2009, 10:03 Uhr
Dämliche "Warum?"-Schilder
Hans Glück (hansglueck)
- 12.03.2009, 10:10 Uhr
Killerspiele schon wieder der Sündenbock?
Tobias Brueggendick (PanzergrenadierBBC)
- 12.03.2009, 10:13 Uhr
bravo polizei spizen leistung
EroY Cibil (Lysandus)
- 12.03.2009, 10:15 Uhr